Typisch deutsch

Dieser Text erkundet die tiefe Verbindung zwischen deutschem Denken, geprägt durch Philosophen wie Fichte, Schelling und Hegel, und dem Einfluss des Protestantismus, wobei er die Unterschiede zur griechischen Philosophie und die Auswirkungen auf politische Bewegungen wie die Grünen sowie das russische Denken hervorhebt.

Hat Tolkien uns die Suppe eingebrockt?

Tolkien und Hesse sind beides einflussreiche Autoren, die die westliche Kultur und Gegenkulturen geprägt haben. Während Tolkiens Herr der Ringe für seine moralische Dualität kritisiert wird, die auch in der heutigen politischen Landschaft widerhallt, wird Hesses Glasperlenspiel für seinen subtilen Ansatz und die Vision einer friedlichen Synthese menschlicher Kultur gewürdigt. Tolkien und Hesse adressierten eine ähnliches Publikum, doch Tolkien wurde populärer, trotz der kritischen Sicht auf seinen konservativen Unterton. Beide Autoren beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Bösen und Konflikten, wobei Hesse innere Konflikte betont und Tolkien das Böse als äußere Macht darstellt. Dies spiegelt sich auch in modernen Videospielen wie Warhammer und der politischen Landschaft wider.

Zivilisation am Rande des Abgrunds

Die Grausamkeiten, die am 7. Oktober 2023 von Hamas-Angreifern verübt wurden, legen nahe, dass die Abrichtung zum Menschen unter bestimmten Umständen verborgene, destruktive Tendenzen freisetzt, die in der Natur liegen und durch Gewalterfahrungen noch verstärkt werden können.

Entschärfung durch Überidentifikation

Extremisten sind weder egoistisch noch ideologisch motiviert, denn ihr Programm würde im Falle eines Sieges sie meist schlechter dastehen lassen. Alles, was programmatisch geäußert wird, ist in ihrem Fall nur die Rationalisierung für etwas anderes, nämlich den Willen, zuzuschlagen, die Sau rauszulassen. Das Erkennungszeichen solcher Äußerungen ist ihr obszöner Unterton. Man kann die Repräsentanten noch…

Die griechischen Tragödien …

… spielen, sobald es um Inzest, Vatermord oder Bürgerkrieg geht – in Ödipus also etwa, Antigone oder den Bakchen – alle in Theben. Dort braute sich jeder Mist zusammen und wollte gerächt sein. Nur dass die Autoren und Zuschauer der subventionierten Aufführungen damals alle Athener waren, die in einem ständigen Kriegszustand mit Theben lebten. Die…

Demokratie muss man sich leisten können

Athen lebte von Abgaben (oder „Schutzgeldern“) aus den Mitgliedsstaaten des Delischen Seebundes (NATO der Antike), dazu kamen Einkommen aus Bergbau, Handel, Übersee-Immobilien und Gewerbe. Gegen 431 v. Chr. befanden sich 6.000 Talente in den Schatzkammern der Akropolis, die ca. 36 Mio. Mann-Tagen an Arbeit entsprachen oder 100 Drachmen pro Bewohner, genug, um 6.000 Schiffe zu…

Absurdität des Peloponnesischen Kriegs

Weder ein Philosoph wie Sokrates noch ein Staatsmann wie Perikles hätten den Verlauf oder das Ergebnis voraussagen können. Sparta verfügte über die gefürchtetste Infanterie in der griechischen Welt, doch erstaunlicherweise war es ihre neu aufgebaute Flotte, die die entscheidenden Schlachten des Krieges gewann. Athen, die größte Demokratie der Zeit, schickte fast 40.000 verbündete Soldaten in…

Sex – Gender – Geschlecht

Sex ist ein Überschuss an Lebensenergie, der an keine besonderen Vorgänge gebunden ist, sondern sich irgendwelchen Dingen anschließt, die auch ohne ihn Bestand hätten. Ein schöner Bild dafür ist der Schnuller des Säuling, an dem zweckfrei ein Überschuss an Energie abgenuckelt wird. Auch wenn Kinder nicht einschlafen können, schwelt in ihnen noch ein Überschuss, der…

In diesem Krieg geht es um Deutschland – Interview mit dem „französichen Sarrazin“ zum Ukrainekrieg

Der französische Historiker Emmanuel Todd sagte den Zusammenbruch der Sowjetunion voraus. Heute sieht er die USA im Niedergang. Frankreich werde ausgelacht, die Briten handelten kopflos. Am schlimmsten stehe es um die Deutschen, die zur Zielscheibe der Amerikaner geworden seien. Russland hingegen gehe es besser, als viele westliche Beobachter meinen.

Diversität und Wunde des Seins

Das Mantra der Diversität sieht systematisch ab von einem Quell der Vielfalt, welche demnach ursachenlos vorgestellt werden soll. Und wenn sie trotzdem stimuliert ist, sich also etwas verdankt, das sie hervortreibt? Was immer das sein mag, es wäre dann in der Lage, Diversität nicht nur ins Leben zu rufen, sondern auch wieder zurückzunehmen, eine Urkraft…

Geschlecht | Gender

Der Begriff Gender ist eine Pointe der feministischen Theorie des Sexus, die zu guter Letzt nicht nur das männliche Privileg, sondern den Unterschied Mann|Frau überhaupt abschaffen will. Ab Mitte der 80er wurde die Vorstellung des Geschlechts immer verdächtiger und zusehends aufgegeben um der entschärften Kategorie des Genders willen. Dessen These hat die Sexualität abgelöst vom…

m/w/d – Ukraine-Krieg & Video-Spiele

Der Ukraine-Krieg veranschaulicht gerade Wesen und Unterschied der Geschlechter, weil Wolodymyr Selenskyj eine Frau ist, Waldimir Putin dagegen ein Mann. Denn Geschlecht bedeutet zwei widersprüchliche Weisen, in der Welt zu sein, die Kant z. B. aufspürte in den mathematischen vs. dynamischen Antinomien, anschaulicher nach ihm Schopenhauer im Vergleich zu dem “weibischeren” Nietzsche. Schopenhauer bestimmt das…

Frankreich – Deutschland – Russland

Russland wird im Moment von den Staaten der Ersten Welt (G7) betrachtet wie Deutschland von Frankreich z. B. während des 30jährigen Krieges: als zu großer Nachbar, der besser zerschlagen wird. Es brauchte zwei Weltkriege für Frankreich, um zu sehen, dass Deutschland sich schließlich nicht zerschlagen lässt und ein Überleben nur möglich ist durch ein gegenseitiges…

Abtreibungsverbot verringert Anzahl der Wunschkinder

Wer hat eine unbekümmertere Kindheit – das gewünschte oder das ungewünschte Kind? In der Regel sind die Mütter von unerwünschtem Nachwuchs jünger, weniger besorgt um das Schicksal ihres Kindes. Sie wissen, schlimmstenfalls können sie „ein neues“ bekommen. Nicht so die Mütter eines – meist späteren – Wunschkindes. Wunschkinder entrinnen weniger der Aufmerksamkeit und Sorge ihrer…

Je größer die Ungewißtheit, umso größer die Bereitschaft zu teilen …

In seinem 1970-Interview antwortet Orson Welles, dass er sich als Alternativ-Karriere die eines Anthropologen vorstelle (cf. https://www.youtube.com/watch?v=9NTOSevzp4w ). Cavett, der Moderator, liebäugelt statt dessen mit der Philosophie, aber Welles meint, die Philosophie sei erledigt, die Anthropologie „spannender“. Was ich nach der Lektüre des Hauptwerks des bedeutendsten Vertreters der Theorie des Kulturmaterialismus bestätigen kann.

Ray Dalio über Umverteilung

Dalio ist einer der reichsten Menschen der Welt geworden in einem wirtschaftlichen System, über dessen Niedergang er sich inzwischen Gedanken macht. In dem Interview, auf das ich hier zeige, gelingt es ihm nicht, den immer panischer wirkenden Frager zu beruhigen. Sein Rezept lautet Umverteilung des Vermögens, dadurch der Aussichten in einer Gesellschaft, um ihren Schaffensdrang wiederzubeleben. Er befürchtet, dass die nächsten US-Wahlen (2024) weder von den Demokraten noch den Republikanern anerkannt werden.

In diesem Licht wohl auch das US-Engagement in der Ukraine zu sehen. Es hilft der herrschenden Partei, wiedergewählt zu werden.

Untergangsphropheten

Der US-„Erz-Druide“ J. M. Greer setzt in seinem Tagebuch-Eintrag, auf den ich hier zeige, seine Vision des Untergangs unserer enegiebasierten Zivilisation auseinander. Er ist der Ansicht, dass es zu keinem plötzlichen Zusammenbruch kommen wird, sondern zu einer schleichenden Veränderung in Richtung – wohl – einer vorindustriellen Gesellschaft. Das zeige sich z. B. darin, dass die Energiepreise immer weiter steigen. Infolge könne man sich immer weniger leisten von dem, was Energie verschlingt. Die Supermarkt-Regale fangen an, sich zu leeren. Greer sagt voraus, dass sie sich nicht wieder füllen werden, weil die Voraussetzungen dafür verloren gingen.

Der Zusammenbruch wird nach Greer, wie gesagt, nicht plötzlich erfolgen. Sondern in Form einer schleichenden Veränderung, die wir wahrnehmen durch die Erinnerung an Zeiten, die nicht mehr zurückkehren werden.

Ähnlich wie Greer denkt und argumentiert – wenn auch aus anderer Sicht – Thomas Konic.

Der Geschlechtstrieb ist unbestimmt

Männer wie Frauen suchen in erster Linie Genuss. Wobei es sein mag, dass beider Organe nur im Koitus völlig zur Auswirkung kommen können – was sie aber nicht von Haus aus oder nur dunkel zu wissen scheinen. Damit es zur Befruchtung kommen kann, müssen zwei eher unbestimmte Begierden zusammenkommen.
Der Sieg über das Unorganische, den Tod, ist eine Folge der Verschwendung in der Natur.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Russen und Ukrainern?

Da ich die beiden Völker gar nicht so genau kenne, kommen sie mir ziemlich ähnlich vor. So wie z. B. die Amerikaner Schwierigkeiten haben, Deutsche und Holländer auseinanderzukennen. Auch in Indien hatte ich eher Schwierigkeiten, die dort lebenden Völker zu unterscheiden. Das rührt einerseits gewiss aus meiner Unwissenheit, andererseits sehen wir als Außenstehender etwas, das den miteinander Verstrickten nicht deutlich wird. Insofern kommt mit auch der Ukraine-Krieg eher wie einer zwischen Brudervölkern vor. Die ja immer besonders bitter sind.

Die Überholung der Schildkröte

Lacan meint, Achilles überhole die Schildkröte „im Realen“, Blondel dasselbe, wenn er von „der Tat“ redet, die etwas fertigbringt, was die reine Berechnung nicht schafft. Der Grenzwert der Unedlichkeitsrechnung ist eine fiktionale, also „nicht bestehende“ oder „nichtige“ Größe. Lacan und seine Gefolgschaft (Derrida …) nimmt das dann an der Unendlichkeit der Signifikantenreihe auseinander und wundert…

Was wir anstelle des Patriarchats haben, ist das Regime des Bruders

Die Französische Revolution proklamierte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Während wir uns viel mit den ersten beiden Ideale auseinandersetzen, ist das letzte, Brüderlichkeit, weniger beachtet worden. Dabei ist’s die Figur des Bruders, mehr als der Traum von Gleichheit oder Freiheit, welche die Welt seit der Revolution wirklich ausmacht. Was wir anstelle des Patriarchats haben, ist das…

Das Patriarchat …

… die Herausforderung, vor die es einen stellt, wird deutlicher, wenn wir stattdessen „Ordnung“ sagen. Diese wiederum ist keine rein begriffliche Größe, sondern hängt von den materiellen Verhältnissen ab, die sie einrichtet. Verändern sich diese, verändert sich avec die Ordnung. Es ist deswegen richtig und falsch von einer „Krise des Patriarchats“ zu reden, denn faktisch…

Die Kastrationsangst des ostdeutschen Mannes

Psychoanalytisch ist der Term „Kastration“ natürlich sinnbildlich aufzufassen, drückt aber vor allem emotional gut aus, worum es geht. „Alle Frauen sind kastriert, aber nicht nur“, las ich neulich bei Lacan, und: „Alle Männer sind kastriert, außer einem“ – der im unbewussten DDR-Männergemüt in Wandlitz lebte. Ich erinnere mich noch gut an die ratlosen Kamera-Bewegungen, welche…

Warum das Christentum auch verhasst ist

Hat mit seinem Menschenbild zu tun, zusammengefasst im Dogma der Erbsünde. Die Vorstellung dahinter: dass der Mensch ein Mängelwesen ist, eine Art Krüppel, angewiesen auf Prothesen. Die schlimmste Sünde ist folglich der „Hochmut“, also Auffassung, man sei nicht verkrüppelt. Denn erst dieses Eingeständnis macht die Beschaffung und Optimierung von Prothesen möglich, die allerdings niemals die…

Joan Copjec LIES MEIN BEGEHREN

Die Autorin bringt in ihrem Klassiker das psychoanalytischen Mantra in Stellung, um Kritiker von Ideologie und Zwängen mit einer übersehenen Freiheitschance zu konfrontieren. Die Kapitel ihres Buches nehmen dabei vor allem Ansichten Foucaults aufs Korn im Hinblick auf etwas Überschüssiges, das er Punkt für Punkt vernachlässige und das nicht in den Ordnungen oder Neurosen der…

Unbelastet von den Beschuldigungen des Irrtums

Nach Descartes gibt es ja eine Instanz, die über jegliche Aussage hinausgeht, die ein Subjekt machen kann, und deswegen unbelastet bleibt von allen Beschuldigungen des Irrtums. Entsprechend die heutige Vorstellung von Demokratie mit einer Menschlichkeit als Basis, die durch die Verschiedenartigkeit der Bürger, die daran beteiligt sind, nicht verfälscht werden kann. Was diesen Bürger ausmacht,…

Was ist denn dann „Geschlecht“?

Ich habe in der Auseinandersetzung mit J. Butlers Gender Trouble gefunden, dass „Geschlecht“ nicht auf derselben Stufe wie „Rasse“ oder „Klasse“ stehen, sich deswegen nicht entwickeln kann, also eine kulturübergreifende Alterität ausmacht. Die aber worin besteht? Spontan fällt mir als Antwort ein: Im voneinander abweichenden Verhältnis zur Schokolade! Da gibt es eindeutig ein „weibliches“ und…

Taubheit gegenüber der Melodie der Triebe

Die Queer-Theorie ist vor allem der Ansicht, dass wir das Geschlecht dekonstruieren können. Alles nur Mache! “Die Koexistenz oder Überschneidung diskursiver Anweisungen”, schreibt Judith Butler in Das Unbehagen der Geschlechter, “bringt die Möglichkeit einer komplexen Rekonfiguration und Wiedereinsetzung hervor.” Der Alltag kann mit anderen Worten durcheinander geraten oder gewirbelt werden und findet sich wieder in…

Der blinde Flecken im Phantasma der LGBTQ-Heroen

Die subversiven Dekonstrukteur*innen des Geschlechterunterschieds und kritischen Stimmen im Hinblick auf die Stabilität sexueller Zweiteiligkeit unterstellen ausnahmslos, dass der Heterosexismus die Ergänzung von Mann und Frau in einer wechselseitigen Beziehung vorsieht. Was niemand, der die Traute hatte, sich darauf einzulassen, bestätigen wird. Die heterosexuelle Beziehung besteht gerade in der Unvereinbarkeit ihrer Bestandteile, einer vitalen Spannung,…

Impfgegnerschaft & Geburtstrauma

Wenn ich die Beiträge jener, die gegen’s Impfen sind, in meinem Nachrichtenstrom nach etwas durchgehe, das sie gemeinsam haben, find‘ ich im Regelfall eine starke Zurückweisung von, for lack of a better word, Abkühlung. Am meisten machen sie sich Sorgen über Persönlichkeit und sehen deren Entäußerung als lauter Missbrauch an. Sollten Impfgegnernde somit eingeordnet werden…

Impfskepsis

Das Bewusstsein für die Unverletzlichkeit des Körpers ist ganz grundsätzlich gestiegen – mein ganzes Leben hindurch, wenn ich’s recht bedenke. Wir waren früher wesentlich leichtsinniger oder, würden wir inzwischen wohl sagen, „rücksichtsloser“ in dieser Hinsicht. Heute gibt es kaum einen größeren Horror als die Vorstellung, jemand könnte an meinem Körper rummachen. Was ist schlimmer? (Die…

Die Mongolen an der Wiege der Aufklärung …

Ich lese gerade A. Komlosys Arbeit, darin die Autorin die These vertritt, dass der Mongolensturm die Europäer mit asiatischen Gütern bekannt gemacht und an ein Niveau gewöhnt hätte, das sie bisher nicht kannten. Nach Zusammenbrechen des Mongolenreichs seien die Europäer dann genötigt gewesen, die „asiatischen“ Produkte, an die sie sich gewöhnt hätten, selber herzustellen –…

Luxury Escape …

… heißt eine Freizeit-Gruppe, deren Anzeige heute früh in meinen FB-Nachrichtenstrom gespült wurde. Sie bieten unter anderem für 12.000 € einen Wochenurlaub auf einer Maldiven-Insel in einem 480 qm-Bungalow mit Schwimmbecken. Es steht auf Stelzen im Meer. Die aufgelisteten Angebote – schaden eigentlich alle der Gesundheit: Essen den ganzen Tag über, Alkohol, Bewegungsarmmut. Wer bucht…

Statistik-Analphabetismus gefährdet die Demokratie

Es ist sehr schwer, der Bevölkerung Wahrheiten zu vermitteln, die sich aus der bedingten Wahrscheinlichkeit ergeben, da diese nicht intuitiv begriffen werden kann, vor allem auch auf der Schule nicht unterrichtet wird. Noch die aufs Einfachste heruntergebrochene Berechnung macht dann irgendwie schwindelig und erweckt den Eindruck, es werde „getrixt“, selbst wenn’s die reine Wahrheit ist…

True Crime

Eines der Projekte, in dem ich Ersatzdienst geleistet hatte, betreute Strafentlassene. Damals habe ich viele Menschen kennengelernt, die lange Zeit hinter Gittern saßen. Die meisten kamen sich wie Genies vor, waren in Wirklichkeit aber unterdurchschnittlich intelligent, leicht zu durchschauen. Kriminelle sind in der Regel kaum interessante Menschen. Erstaunlich daher, wie sie das Interesse der Öffentlichkeit…

Zombiehafte Endlosigkeit

Die Nachrichtenströme der sozialen Medien vermitteln etwas Hoffnungsloses, indem wir nie ihr Ende einrollen können.  Sie sind – im wahrsten Sinne des Wortes – untot. Ähnlich der virtuelle Raum der Videospiele, in dem sich immer noch eine Umgebung hinter derjenigen auftut, die wir gerade durchqueren. Die endlosen Fernsehserien, Walking Dead! Ist das endlich die nomadische…

GESCHICHTE DES MÄNNLICHEN ELEMENTS – biologische Spekulationen nach Lester Ward

Das männliche Element taucht in der Natur erstmals zweifelhaft und kaum unterschieden auf im Hermaphrodismus der Hohltiere – als winziger Parasit, der sich an ein Weibchen anklammert, das fünfzig bis hundertmal so groß ist wie er und ihn bei sich trägt als ein bloßes Instrument der Befruchtung. Auch die meisten rankenfüßlerartigen Tiere sind Hermaphroditen, bei…

Novissima Sinica

Nach dem Untergang des Osmanischen Reiches könnte sich mit China erstmals wieder eine Weltmacht mit einem nicht westlichen kulturellen Erbe zu Wort melden. Es ist ja das uns fremde Gedanken- und Wertesystem des Konfuzianismus, das Leibniz in seiner Novissima Sinica in Relation setzte zu einem europäischen Gedanken- und Wertesystem, das er für dringend reformbedürftig hielt…

Frauen in Macht-Postionen . . .

. . . machen nur Sinn in Gruppen, welchen sie erhalten bleiben. Je mehr ich die Geschichte der Menschheit nachvollziehe, desto deutlicher wird, dass Frauen zwischen Gemeinschaften – zur Vorbeugung von Inzucht-Schäden – fast immer getauscht worden sind. Daraus folgte eine Heimatlosigkeit der Frau. Die vertraute Umgebung ihrer Kindheit | Jugend geht ihr grundsätzlich verloren….

Vom Gold (Geld)

Wer Beßres in dir sucht, dem würz‘ den Gaumen Mit deinem schärfsten Gift! Was find‘ ich hier? Gold? kostbar, flimmernd, rotes Gold? Nein, Götter! Nicht eitel fleht‘ ich. Wurzeln, reiner Himmel! So viel hievon macht schwarz weiß, häßlich schön, Schlecht gut, alt jung, feig tapfer, niedrig edel.[965] Ihr Götter! warum dies? warum dies, Götter? Ha!…

Kunst soll . . .

. . . weniger der „Gesellschaft einen Spiegel vorhalten“ (wär‘ eher was für Journalisten) als die Menschen lehren, ihre Spieltalente zu entdecken. Kultur besteht bestenfalls darin, möglichst viele Ernstfälle in den Spielfall zurückzuverwandeln, den Möglichkeitssinn absolut zu strapazieren, um einer Fanatisierung des Wirklichkeitswillens entgegenwirken und gefahrfrei an die Grenze zu gehen. Virtuosen gehen ja gerne…

Opium

Interview mit dem famosen Manfred Osten zu Wesen und Geschichte des Rauschgifts. No Title Die Opiumkriege (1840 bis 1868) waren Präventivschläge des Westens gegen China. Sie entstanden in dem Moment, in dem sich chinesische Behörden gegen den Opium-Import durch britische Kaufleute wehrten. Sie endeten mit der Öffnung der chinesischen Häfen für den Opiumhandel und andere…

Vom geringeren Wert der Frauen

Selbst die kriegerischsten Stämme in der Vorzeit haben sich regelmäßig getroffen, um Frauen auszutauschen. Falls nicht vorgezogen wurde, sie einander zu rauben, ein Akt, der weniger empört als im Glorienschein gesehen wurde. Der Grund liegt im Nachteil der Verwandten-Ehe für die Gruppe. Je kleiner und intensiver die Einheit, desto höher wird die Gefahr für Erbkrankheiten….

Hässlichkeit verschlingt die Zukunft

Schönheit ist immer zerbrechlich, strahlt Unbestand aus und damit das Neue, durch das sie ersetzt werden soll.  Hässlichkeit wirkt dagegen robust, muss die Zukunft nicht fürchten, weil sie sie verschlungen hat. Der hässliche Stolz ist zeitlos, versperrt die Verheißung und muss sich im Kreis drehen. Wo nichts zerbrechen will, kann auch nichts werden.

Dokumentarfilme sind Harz-4-Fernsehen für Gebildete

Paul Schrader on Making and Watching Movies in the Age of Netflix Richard Brody discusses the history and future of the feature film in the age of streaming with Paul Schrader, the screenwriter of „Taxi Driver“ and „The Last Temptation of Christ,“ and the writer and director of „First Reformed.“

Vom Wahnsinn der Raumfahrt

As noted in Cory’s review, Kim Stanley Robinson’s Aurora makes an undeniable case for ecological stewardship through a rigorous, gripping technological speculation about climate science, biology, space propulsion and sociodynamic factors. In this exclusive feature essay, Robinson explains the technology behind the best science fiction novel of 2015. The Earth is the cradle of humanity, but one cannot…

Vor mir nichts, nach mir nichts, außer mir nichts – die queere Mission

Michel Foucault als theoretischer Impulsgeber der queeren Bewegung predigt die ungehemmte Identitätsschöpfung. Der Mensch ist nach ihm keinem echten Selbst verpflichtet, muss überhaupt nichts treu sein. Es geht nicht darum, richtig oder falsch zu liegen, das Leben ist keine moralisches, sondern ein übermenschliches, ästhetisches Projekt. Es geht um die Befreiung von den Formen auch seines…

SARS-CoV-2-Infektionen töten mehr Männer als Frauen

Fairerweise müssten danach von 10 Dosen 7 an Männer, 3 an Frauen verimpft werden. https://www.nature.com/articles/s41467-020-19741-6 Coronavirus: Warum Männer oft schwerer erkranken als Frauen Bei Männern ist der Verlauf einer Covid-19-Erkrankung oft schwerer als bei Frauen. Warum reagiert das weibliche Immunsystem schneller und stärker auf eine Coronavirus-Infektion?

Arbeitswerttheorie

KARL MARX bleibt Ausleger Abrahamitischer Religion, wenn ich die seinem Denken zentrale „Arbeitswerttheorie“ betrachte . Der Mensch, verstehe ich diese, sei die einzige Quelle echten Wertes und legitimer Besitzer der Früchte seiner Arbeit: was wir gemacht haben, gehört unbedingt uns. So wie (das sagt Marx zwar nicht, daher kommt aber, denke ich, die Vorstellung) die…

Die EU ist ein Kind der Kreuzzüge

Die Kreuzzüge waren das erste europäische Unternehmen, hauptsächlich finanziert durch eine transnationale Sondersteuer. Wirtschaftlich eher ein Misserfolg, beförderten und hoben sie den Geist der unterschiedlichen Bevölkerungen zu einem grenzüberschreitenden Ideal. Wie wenn es heute die Möglichkeit gäbe, moralische Fehler  – bis hin zu Mord und Totschlag – ungeschehen zu machen, indem man das Gelübde ablegt,…

Biden|Harris – Antrittszeremonie

Ich schicke voraus, dass ich das Team Biden|Harris der Alternative Trump vorziehe. Die Zeremonie zu ihrem Amtsantritt hat mir jedoch weniger gefallen. Zu bombastisch und spalterisch. Die millionenschweren Künstler sowie jene, die ihnen nacheiferten, sind sich wahrscheinlich nicht im Klaren, wie ihr Auftritt bei jener Hälfte der Bevölkerung ankommt, die sich im Hintertreffen sieht. Es…

Aufklärung

Nach der Renaissance spricht man vom konfessionellen Zeitalter, weil die Zugehörigkeit zu einer der großen Kirchen den Lauf der Dinge bestimmt. Danach vom Zeitalter der Aufklärung. Aber stimmt das? Die Aufklärung ist ja bis heute nicht in die breitesten Schichten vorgedrungen.

Toxische Männlichkeit

Wie sieht eigentlich eine gelungene Männer-Biografie aus heutzutage? An welchem Vorbild könnte sich ein junger Mann –  etwa ab 15 Jahren – orientieren? Spontan fallen einem im heterosexuellen Bereich nur Negativ-Beispiele ein. Positiv besetzt ist da eher die gleichgeschlechtliche Partnerschaft. Sie bietet einen attraktiven Weg aus der Sinnkrise und dürfte auch deswegen immer häufiger werden….

Sag‘ bloß?

Virtuos kann nur sein, wer die Zweifel erwürgt hat. Virtuosität nimmt deswegen nie gefangen. Weil sie nichts riskiert, immer im voraus schon weiß, was Sache ist. Das spekulative oder theoretische Pendant der Virtuosität ist die Ironie (Facebook-Seuche . . . ). Sie signalisiert die unbedingte Herrschaft des Ichs, das sich von jeder äußeren Regel gelöst…

Familie & der Rest der Welt – wie Christentum die Moderne informiert

Unmittelbar nach der Rückeroberung Afghanistans durch die Truppen der Nordallianz war ich ein paar Wochen aktiv in dem Land für das Goethe-Institut, das als kultureller Arm des deutschen Engagements westliche Werte verbreiten wollte. Auch alle anderen Nationen hatten solche Kulturbüros, die vor allem Theaterprojekte förderten. Die Kulturbotschafter stellten auch hauptsächlich das Publikum der unterschiedlichen Premieren….

Kultureller Marxismus

. . . ist so ein Reizwort, das sich aus Blüten wie der Gender-Theorie entwickelt hat. Gewissermaßen geht es bei dem Streit dann darum, ob es das Paradies gegeben hat oder nicht. Das rechte oder konservative Lager nimmt an, die Erzählung vom Garten Eden beschreibe in verklausulierter Form eine „30.000 Jahre alte“ Tatsache, aus der…

Warum Facebook mehr Feinde als Freunde (imgrunde gar keine Freunde) schafft.

The imaginary register, nahm ich gestern in einer akademischen Hördatei wahr, was successfully toxified … Herrlich schräger Satz, der aber dann doch viele Gedankenverbindungen bei mir auslöste. Der Sprecher wollte wohl sagen, dass leider das „Gesichtsfeld tabuisiert“ worden sei durch die Ideologiekritik, um die es in dem Beitrag ging. Ideologiekritik wiederum setzt Täuschungen oder „Lügen“…

Nietzsche | Freud

NIETZSCHE & FREUD, wenn sie auch viel gemeinsam haben, unterscheiden sich doch erheblich im Hinblick auf ihre Erklärung der Bindungskraft des Wortes. Nietzsche denkt, wir gehorchen aus Angst, Freud denkt, wir gehorchen aus Freundschaft. Die Gründe für beider Gegensatz finde ich faszinierend. Nietzsche geht davon aus, dass unser Bewußtsein das Ergebnis eines Dressuraktes ist, voll…

Die groteske Überschätzung des Vaters . . .

. . . hat ihre Ursachen in den Allmachtsfantasien gegenüber der Mutter. Im guten Kinderfilm etwa, merkt unsere kleine Hauptfigur und gibt irgendwann zu, dass es „keinen Weihnachtsmann“ gibt. Am genauest dargestellt im Zauberer von Oz. Der Zauberer ist die Parodie schlechthin des allmächtigen Vaters oder Patriarchen, in Wirklichkeit ein unscheinbarer Mann, der hinterm Vorhang…

Is There Anything Good About Men?

American Psychological Association, Invited Address, 2007 Media Transcript Full Version By Roy F. Baumeister You’re probably thinking that a talk called “Is there anything good about men” will be a short talk! Recent writings have not had much good to say about men. Titles like “Men Are Not Cost Effective” speak for themselves. Maureen Dowd’s…

Eltern-Kind-Konflikt

Eltern-Kind-Konflikt ist ein von Robert Trivers 1974 geprägtes evolutionstheoretisches Modell, aus dem sich ein Konflikt zwischen Eltern und Nachwuchs um die Höhe des Elternaufwands ergibt. Der Elternaufwand ist hierbei definiert als jegliches Verhalten, das die Fitness eines Nachkommen erhöht und gleichzeitig den Elternaufwand für anderen Nachwuchs verringert. Die Eltern streben danach, die Zahl der überlebenden Nachkommen zu maximieren. Der einzelne Nachkomme versucht…

Trivers-Willard-Prinzip

Das Trivers-Willard-Prinzip wurde 1973[1] von Robert Trivers und Dan Willard als soziobiologischer Effekt beschrieben. Das Prinzip besagt, dass aus Gründen der genetischen Fitnessmaximierung statushöhere Eltern eher in die Aufzucht von Jungen investieren, statusniedrigere dagegen eher in die Aufzucht von Mädchen. Der Grund hierfür ist vermutlich, dass im Rahmen der sexuellen Selektion, das heißt im weitesten Sinne der Partnerwahl, Männer mit guten (materiellen) Ressourcen…

Warum Schriftsteller nicht zum TV passen

Anton Tschechow geht in seinem Brief an Suvorin vom 6. Februar 1898 davon aus, dass, wenn Dreyfus schuldig sei, Zola mit seiner Anklageschrift trotzdem recht habe, „weil es Sache der Schriftsteller ist, nicht anzuklagen oder zu verfolgen, sondern sich sogar für die Schuldigen einzusetzen, auch wenn sie schon verurteilt sind und ihre Strafe verbüßen. Man…

Die unterschätztste Tatsache im Hinblick auf das Geschlecht

Is There Anything Good About Men? And Other Tricky Questions BY JOHN TIERNEY  AUGUST 20, 2007 10:56 PM August 20, 2007 10:56 pm What percentage of your ancestors were men? No, it’s not 50 percent, as I’ll explain shortly. But first let me credit the source, Roy F. Baumeister, who answered that question – and…

Misshandelte Frauen haben mehr Söhne als Töchter

Einer Untersuchung der Forscherin Satoshi Kanazawa zufolge haben misshandelte Frauen, die mit gewalttätigen Männern zusammen sind, signifikant mehr Söhne als Töchter. (Der Befund ist so krass, dass ich hier mal genau auf die Quelle zeige, die ihn dokumentiert: Journal of Theoretical Biology. Band 239, Nummer 4, April 2006, S. 450–459. Ich verlinke zusätzlich auf den…

Vom Neid

Gier ist die Triebfeder der Kapitalismus, Neid jene des Sozialismus. Hinter jeder Revolution steckt Neid, die unschöne Anhäufung enttäuschter Hoffnungen, unbefriedigten Talents, von Misserfolgen und verwundeten Bestrebungen. Neid hängt eng zusammen mit Vornehmtuerei, blüht auf in Schadenfreude. Demokratische Einrichtungen entwickeln den Neid am erfolgreichsten im menschlichen Herzen. 

Der wirkliche Herr der Fliegen

The real Lord of the Flies: what happened when six boys were shipwrecked for 15 months When a group of schoolboys were marooned on an island in 1965, it turned out very differently to William Golding’s bestseller, writes Rutger Bregman

Lt. Adam Smith ist das Ziel des Kommerzes, die Öffentlichkeit zu täuschen und zu unterdrücken

To widen the market and to narrow the competition, is always the interest of the dealers…The proposal of any new law or regulation of commerce which comes from this order, ought always to be listened to with great precaution, and ought never to be adopted till after having been long and carefully examined, not only…

Wie heute alles eine Frage der Macht ist

Ich bin noch sehr katholisch erzogen worden von meiner Großmutter, die selber, weil sie die Beichte fürchtete, nie in die Kirche ging, so wenig wie sonst irgendjemand in meiner Familie. Ich dagegen wurde, nicht zuletzt aus Preisgründen, fast 10 Jahre auf ein katholisches Internat gesteckt und war als Teenager jeden morgen in der Messe. Die…

Aurora – der ultimative SF-Roman

Aurora handelt von Menschen, die versuchen, den Weltraum zu kolonialisieren. Was den Roman von vergleichbaren unterscheidet, ist sein Realismus. Wie müsste ein Raumschiff für 2.000 Auswanderer gebaut sein? Was muss es an Bord haben? Wie lang würde die Reise dauern? Was wäre an ihrem Ziel zu erwarten?   Nimmt man die Sache ernst, würde die…

Fiat-Geld als Begriff schlechthin

Die Börsen sausen mal talwärts in atemberaubendem Tempo. Wer immer dort investiert ist, verliert sein Vermögen. Auch der Preis des angeblichen Rettungsankers Gold wird mit in die Tiefe gerissen. Bei gleizeitig explodierender physischer Nachfrage und Engpässen bei Prägeanstalten und Edelmetallhändlern. Man kann Gold also nirgends kaufen, gleichzeitig aber fällt der Preis – unentwegt. Wie ist…

Spurloses Leben

Manchmal blicke ich mit Leuten meines Alters auf die Jahre, die wir schon zurückgelegt haben, und wir gratulieren uns spontan für den herrlichen Abschnitt, der uns auf Erden beschert war, für den Frieden, den Überfluss, die Weltreisen und das Internet. Haben je Menschen wie wir in glücklicheren Umständen gelebt? Erst in letzter Zeit wird mir…

Reality TV

Unscheinbare Leute, die verzweifelt nach etwas Anerkennung suchen und sich nach einer Flucht aus ihrer faden Normalität sehen, opfern sich vor einem Millionenpublikum auf dem Altar restloser Entwürdigung, wo ihnen schmierige Prominente die Leviten lesen.   In „Wetten dass . . .“ hatte man auch als Benachteiligter noch eine Chance zu zeigen, was man drauf…

Entering a dark age of innovation

Wie jeder, der keine Ahnung von Technik hat, glaube imgrunde auch ich, dass alle möglichen Erfindungen uns eine alternative Zukunft voll Sonnenenergie liefern werden, die den Lebensstandard, welchen wir heute genießen, sicherstellen. Aber die Wissenschafts- und Technologie-Geschichte gibt überhaupt keinen Anlass zu solchem Optimismus. Die meisten Erfindungen wurden1873 gemacht, seitdem nimmt ihre Anzahl ab. Man…

Warum der Neoliberalismus den Klimawandel leugnet

Wenn ich versuche, hinter der mir auf Anhieb unverständlichen Leugnung des Klimawandels einen tieferen oder heimlichen Sinn zu entdecken, spekuliere ich, in erster Linie soll damit die Notwendigkeit staatlicher Eingriffe abgewehrt werden. Warum? Wegen einer ultimativen Markt-Gläubigkeit, die weit über das Marktverständnis der klassischen Ökonomie hinaus geht. Für die Neoliberalen ist der Markt kein Ort…

Nur Byzanz verjüngte sich über den Rückbau

Um mit dem Ende der fossilen Brennstoffe fertig zu werden, müsste sich unsere Gesellschaft wieder vereinfachen. Wenn sie überleben möchte. Dies ist, historische gesehen, so gut wie nie gelungen. Vom Energieverlust betroffenen Gesellschaften gingen regelmäßig unter. Einzige Ausnahme: Ostrom Das byzantinische Reich wäre fast zerbrochen. Auch hier hatte man das Problem, dass die Energieproduktion weitgehend…

Moderne Sklaverei

Ein Flasche Benzin enthält die Arbeitskraft von 50 Sklaven, die unseren Kleinwagen 120 Minuten schieben. Die Steckdosen in unseren Wohnungen liefern die Arbeitsleistung von ca. 30 Sklaven. Waschmaschine, Öfen, Mikrowelle, Boiler, Eisschrank, Geschirrspüler verrichten einst von Sklaven geleistete Arbeit, wobei sie ca. 25mal soviel Energie verbrauchen. Ein heutiger Bauer mit all seinem Gerät verfügt über…

Verklärungen des Anti-Kolonialismus

Die Dekolonialisierung nach dem II. Weltkrieg nahm eine erhebliche Last von den Schultern der Akademie. Der Niedergang des Weltreiches ihrer Nation eliminierte zugleich die Notwendigkeit, dieses zu rechtfertigen. Faktisch wurden die meisten europäischen Nationen nach dem II. Weltkrieg selber Kolonien – ihr Weltreich zerschlagen, ihre Wirtschaft abhängig von jener der USA oder UdSSR, sie selber…

Fluch und Segen des Kolonialismus

Mein Leben drehte sich mehrmals um Afrika, nicht weil es mich besonders hinzog, sondern weil ich für einen Kollegen einsprang, um etwas dazu zu verdienen. Dadurch lernte ich Land und Leute kennen, mit denen ich reichlich zu tun hatte. Für mich war es ursprünglich überraschend, wie verfeindet die Stämme und Völker untereinander waren. Es gab…

Klima-Tod ist eine Weiterung der Emanzipation

Wenn ich mir eine kleine Flasche mit Öl vorstelle, daneben ein Auto, und ich soll dieses Auto 20 Kilometer weit befördern. Mit Muskelkraft würde das, sagen wir mal, drei Monate dauern; wenn Steigungen dazwischen liegen, doppelt bis dreifach so lange. Mit dem raffinierten Öl im Tank schaffe ich’s im Bruchteil einer Stunde. Ähnliche Betrachtungen habe…

Emanzipation vergrössert den Klimafußabdruck

Philosophien, welche den Klimawandel fördern, sind jene der Emanzipation, der Befreiung von Zwängen und der größtmöglichen Ausübung spontaner Macht. Der Körper und seine Bedürfnisse spielen die Hauptrolle. Was sein Zunehmen, seine Äußerungen hemmt, ist abzulehnen. Inbegriff dieser Funktion ist das Auto: das „authentische“ Kraftgefühl, welches einem der Druck aufs Gaspedal vermittelt. Philosophen vom Gegenpol sind…

Über die Merkmale des Despotismus

Ich will mir vorstellen, unter welchen neuen Merkmalen der Despotismus in der Welt auftreten könnte: Ich erblicke eine Menge einander ähnlicher und gleichgestellter Menschen, die sich rastlos im Kreise drehen, um sich kleine und gewöhnliche Vergnügungen zu verschaffen, die ihr Gemüt ausfüllen. Jeder steht in seiner Vereinzelung dem Schicksal aller anderen fremd gegenüber: Seine Kinder…

Vergangenheitsbewältigung

Die Amerikaner und Engländer verstehen ihre Oligarchien als Wiege der Demokratie. Deutschland musste folglich besessen gewesen sein von etwas Vormodernem, als es mit ihnen in Krieg geriet. Bei dieser Auffassung scheint es mir bis heute geblieben zu sein, auch im Kopf der deutschen Eliten. Es gibt national nichts, auf dem man aufbauen, nur eine Vergangenheit,…

Pädophilie und Mathematik

Wenn heute ein mittelalter Dekan ein Nymphen-Foto wie Lewis Carroll von der Tochter eines Kollegen machen würde, die ihn zu Alice im Wunderland inspirierte, wäre der Mann mindestens seinen Job los. Der inzwischen tot in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefundene Jeffrey Epstein war – wie Carroll – Mathematiker. Dieses Talent meine ich schon öfters bei…

Norman E. Borlaug . . .

. . . hat mehr Leben gerettet als je ein anderer in der Geschichte der Menschheit, trotzdem bleibt er unbekannt im Vergleich zu den großen Schlächtern, die noch mehr Menschen getötet haben. Dabei wäre es nicht mal ein Problem, die Geschichtsbücher umzugewichten. Der Vater der grünen Revolution

Rassismus

Die Menschen sind so unterschiedlich wie die Sprachen. Je mehr einer spricht, desto vielfältiger wird seine Person. Wobei ich im Falle von Leute, die sehr viele Sprachen beherrschen, eine bestimmte Entschlusslosigkeit festgestellt habe. Das Sprechen von mehr als einer Sprache gleicht dem Verkehr mit mehr als einem Lebenspartner, fördert Untreue. Die Behauptung, alle Menschen seinen…

Von Milch, Reiselust und Zombies

Der Todestrieb im Menschen, ergänzt um die Fähigkeit, über das Säuglingsstadium hinaus von Milch zu leben, hat uns an den Rand der Klimakatastophe gebracht. Es gibt etwas Ruheloses am Boden unserer Existenz, das zusammengefasst erscheint im Sinnbild des Untoten. Ein Zombie lebt weiter ohne lebendigen Körper, kann daher keine Funktion desselbe sein. Er versinnbildlicht eine…

Warum es auch in Europa so gut wie keine guten Filme mehr zu sehen gibt (auch nicht von Lanthimos)

Unsere Leistungsgesellschaft lässt ausschließlich Helden-Geschichten zu – Filme und TV-Stücke, die auf die eine oder andere Art vom Sieg der Gerechtigkeit träumen.Wieso lässt die Erfüllung „immer noch“ auf sich warten? Warum werden Erfolge nicht greifbar? Warum entscheiden die Menschen sich nicht für das offensichtlich Richtige, wenn es in ihrer Macht steht?Weil es, lautet die Antwort,…

Dramaturgie nach dem heiligen Paulus

Wie außerordentlich sachkundig und geschickt jene Filme gemacht sind, die heute Leinwand oder Bildschirm erreichen. Die Macher sind geschult bis zum I-Tüpfelchen in ihrer Disziplin, nicht ein Zipfel Schwäche ist zu erblicken. Ein P r o f i zu sein – gibt es ein höheres Lob? Eine Professionelle. In ihren Produkte, die sich vor unseren…

Die besten Sex-Szenen . . .

. . . die ich je im Kino gesehen haben, waren von Oshima (Reich der Sinne), später und schon ausgebremster von Andrea Arnold (American Honey, Fish Tank). Inzwischen gibt es kaum noch Filme ab 18. Sexualität als Thema im anspruchsvollerem Spielfilm ist ganz verdrängt worden von Identität: Selbst-Erforschung und Bewältigung des eigenen ist bedeutender geworden…

Der Traum des Feminismus

Den Traumpartner gibt es wirklich, er ist keine Illusion. So ließe sich die Überzeugung des radikalen Feminismus zusammenfassen. Und wenn es ihn wirklich noch nicht geben sollte, kann es ihn doch geben. Das ist eine Sache des guten Willens. Wir Menschen verdanken unser Unglück allein der falschen Vorgehensweise. Mit der richtigen würden wir glücklich. Höchstens…

Unterschiede

Die Berichterstattung ist sehr neutral im Hinblick auf die ethnische Zugehörigkeit der Personen. Normalerweise denkt man bei diesem Sprachgebrauch an Migranten. In diesem Fall scheint eher klar, dass es sich um Leute mit deutschen Namen handeln muss. Die Umstände und die Waffen lassen kaum eine andere Deutung zu. Der Sprachgebrauch des Artikels legt dabei nahe,…