Kunst soll . . .

. . . weniger der „Gesellschaft einen Spiegel vorhalten“ (wär‘ eher was für Journalisten) als die Menschen lehren, ihre Spieltalente zu entdecken. Kultur besteht bestenfalls darin, möglichst viele Ernstfälle in den Spielfall zurückzuverwandeln, den Möglichkeitssinn absolut zu strapazieren, um einer Fanatisierung des Wirklichkeitswillens entgegenwirken und gefahrfrei an die Grenze zu gehen. Virtuosen gehen ja gerne an Grenzen mit ihren Pilotprojekten. Ich erinnere mich an die spontane Reaktion eines bekannten Künstlers auf das Bild der in die Zwillingstürme jagenden Maschinen: ästhetische Begeisterung. Auch das Bild der damals aus der Höhe stürzenden Menschen – das muss man erst mal bringen! Usf. Insofern werden die Extreme besser kapillar gehalten und die heiße Zone der Kunst in ihrer Logik unterschieden von jener der Politik oder Religion. Ich finde, dass das in Deutschland schlecht gelingt, weil irgendwie die Vorstellung regiert, Künstler müssten politisch handeln, die Wirklichkeit nicht grundsätzlich erweitern, sondern spiegeln.

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