Silicon Valley soll eine techno-nationalistische Elite werden, aber im Gegensatz zu Amerikas erstem Eastern Establishment (das durch den Bürgerkrieg geschmiedet wurde und durch politische Koalitionen, wirtschaftliche Interessen, Heiratsverbindungen, gemeinsame Institutionen und eine klare moralische Vision über 70 Jahre die Nation prägte) bietet es keine konkreten Mechanismen, keine reproduktive Strategie und vor allem keine substantiellen Antworten auf die Frage bieten, welche Werte und welches “gute Leben” diese neue Elite eigentlich vertreten soll.
Schlagwort: Mahnung
Der globale Anstieg des Single-Leben
Immer mehr Menschen bleiben allein, leben ohne Partner oder verzichten auf feste Beziehungen und Sex – mit weitreichenden sozialen, wirtschaftlichen und demografischen Folgen.
Warum wir das Klima nicht erzählen können
In einer radikal veränderten Welt, in der der Meeresspiegel die Sundarbans verschlungen und Metropolen wie Kolkata, New York und Bangkok unbewohnbar gemacht hat, werden sich die Menschen der Zukunft, wenn sie sich der Kunst und Literatur unserer Zeit zuwenden, nicht zuerst und mit größter Dringlichkeit fragen, wo in diesen Werken die Zeichen jener veränderten Welt aufscheinen, die sie geerbt haben? Und wenn sie solche Spuren nicht finden – was bleibt ihnen dann anderes, als zu schließen, dass unsere Epoche eine war, in der Kunst und Literatur sich überwiegend in Formen der Verhüllung einrichteten, die den Blick auf die Wirklichkeit der eigenen Gefährdung verdeckten? Gut möglich also, dass gerade diese Zeit, die so sehr von ihrem Selbstbewusstsein überzeugt ist, einst als das Zeitalter der Großen Verwirrung in Erinnerung bleiben wird.
Natur als Trostfigur – Warum Klimaskepsis und Impfskepsis zusammengehören
Klimaskepsis und Impfskepsis entspringen derselben modernen Illusion einer moralisch verklärten „Natur“, die erst in einer technisch abgesicherten Welt möglich wird und reale, unsichtbare Naturprozesse zugunsten von Gefühl und Authentizitätsglauben ausblendet.
Unwille zu bleiben
“Are we doomed?” fragt David Runciman – London Review of Books Vol. 47 No. 21 · 20 November 2025 – Der moderne Mensch stirbt nicht an Katastrophen, sondern an seiner eigenen Bequemlichkeit, dem Überfluss an Möglichkeiten und dem schwindenden Willen, sich fortzupflanzen.
Penetranz der negativen Reste
Je weniger echte Laster und Gefahren bleiben, desto empfindlicher reagieren wir auf ihre Reste – und verwandeln selbst den harmlosen Schluck Cola in ein gesellschaftliches Bekenntnis.
Von der Kreativität
Ursprung, Tat und Gerinnung bleiben nur dann lebendig, wenn Theorie, Institutionen, Kapital und KI nicht als Quellen missverstanden werden, sondern als Werkzeuge, während Schöpfung letztlich Mut, Freiraum und Liebe braucht.
Die Vergangenheit vergeht nicht, sie formt die Gegenwart: Die widersprüchliche Rolle Deutschlands
Die nationalsozialistische Besiedlungspolitik im Osten, ihre ideologische Radikalität, die industrielle Vernichtung und die darauf folgende, historisch einzigartige Wiedergutmachung durch die Bundesrepublik Deutschland zeigen, dass ohne das Verständnis dieser Vergangenheit – und der prekären Existenz Israels in den 1950er-Jahren – heutige geopolitische Spannungen und moralische Maßstäbe nicht zu begreifen sind.
Wie das Internet die Wissensvermittlung erschwert und verzerrt
Das Internet demokratisiert zwar den Zugang zu Wissen, doch Paywalls, fragmentierte Informationshäppchen, Echokammern, Filterblasen, Desinformation, algorithmische Verzerrungen und ein schwindendes Vertrauen erschweren die verlässliche Vermittlung hochwertiger Inhalte.
Ibsens Verleger rät ihm ab, Autobiographisches zu veröffentlichen
… abgesehen von diesen besonderen Umständen, handelt es sich, meiner Meinung nach, um eine Niederschrift halb-privater Natur, die das Publikum kaum interessieren dürfte, sofern sie nicht den Namen Henrik Ibsen trüge … Ihre Arbeiten sind allesamt klare, charakteristische Ganzheiten, deren Bedeutung nicht auf derartige, beiseite gesprochene Bemerkungen beruhen sollte, die unwillkürlich in das Bewusstsein der…
Wurzeln des Populismus
Die gesellschaftliche Spaltung in westlichen Ländern lässt sich auf die Vernachlässigung und Abwertung der traditionellen Unterschicht zurückführen, deren soziale Logiken, Kommunikationsweisen und Lebensstrategien in einer zunehmend von Mittelstands- und Oberschichtnormen geprägten Welt weder verstanden noch anerkannt werden – was den Nährboden für Populismus bildet.
Wasser
Wasser ist Ursprung und Träger von Zivilisation, Handel und Macht: Es formt Gesellschaften, ermöglicht günstigen Warenaustausch, entscheidet über wirtschaftliches Wachstum – und trotz neuer Land- oder Nordrouten bleibt der Seeweg auf lange Sicht unersetzlich.
James Joyce …
… die Leute schätzen nie etwas, wenn sie es nicht stehlen müssen. Selbst eine Katze würde sich lieber einen alten Knochen aus dem Mülleimer stehlen, als herbeizukommen und aus Ihrem Teller ein fein säuberlich zubereitetes Kotelett zu fressen. Ein Schriftsteller sollte nie über das Außergewöhnliche schreiben. Das ist etwas für Journalisten.
Was Europa retten dürfte
Die Zukunft Europas könnte in der Auflösung der Nationalstaaten zugunsten regionaler Regierungen mit lokalem Fokus und einer zentralen Instanz für übergeordnete Aufgaben liegen. Die Stärkung der Nationalstaaten hingegen droht die EU zu spalten und alte Machtkonflikte neu zu entfachen.
Die Illusion der Historiker
Geschichte wird von gelehrten Männern geschrieben, deswegen ist es natürlich und angenehm für sie zu glauben, dass die Umtriebigkeit ihrer Klasse die Grundlage für die Bewegung der gesamten Menschheit schafft. Leo Tolstoi, Krieg und Frieden
Kritik an Deleuze und Guattaris Theorie des Begehrens: Die Grenzen der reinen Positivität
Deleuze und Guattaris Theorie des Begehrens als rein produktive Kraft vernachlässigt die fundamentale Rolle von Mangel, Negation und sozialen Einschränkungen im menschlichen Leben.
Plädoyer für die Lüge
Lügen sind in demokratischen Gemeinschaften unvermeidlich und ermöglichen durch die Akzeptanz menschlicher Unvollkommenheiten tiefere Verbindungen und ein lebendiges soziales Miteinander, das nicht allein auf Fakten und Vernunft beruht.
Man darf das Drama nicht mit Literatur verwechseln …
James Joyce stellt fest, dass das Drama, im Gegensatz zur Literatur, zeitlose menschliche Wahrheiten und unveränderliche Naturgesetze darstellt, und dass die Kunst, insbesondere das Drama, dazu beitragen kann, das Leben in seiner Realität zu begreifen und schöpferisch zu gestalten.
Das Kolloquium der beiden Hunde
Ich stelle fest, dass ich, obwohl ich ein Tier bin, nur ein paar Mal den Mund öffnen muss und schon kommen die Worte bösartig und verleumderisch heraus. Darum wiederhole ich: Wir erben unsere schlechten Worte und Taten von unseren Vorfahren, sie sind in unserer Muttermilch. Man sieht es bei Kindern, die kaum aus den Windeln…
Wer auf Respekt pocht, kann kein Dichter sein
John Keats sieht den Dichter als ein wandelbares Medium ohne feste Identität, das verschiedene Erfahrungen und Perspektiven verkörpert, wodurch er in der LGBTQIA+-Formel im “+” aufgeht, da keine der spezifischen Kategorien seinen Kern ausmacht.
