Über die Weiber

Schopenhauer vertritt die Ansicht, dass Frauen aufgrund ihrer begrenzten Vernunft und ihrer natürlichen List weniger gerecht und ehrlicher als Männer sind, aber gleichzeitig pragmatischer, mitfühlender und menschenfreundlicher handeln.

Inwieweit Meinungen keine Privatsache sind

Jeder kennt die Diskussionssituation, die etwa so endet: „Das ist Deine Meinung – dagegen habe ich meine Meinung. Und das ist gut so, wir leben schließlich in einer Demokratie. Ich würde alles dafür tun, dass Du Deine Meinung äußern kannst, auch wenn ich sie nicht teile.“ Es wird vielleicht Zeit, dass wir hierin die ultimative…

Femme Fatale

Joan Copjec stellt in „Lies mein Begehren“ fest, dass die Femme fatale im Film Noir als Hülle dient, in die die männliche Hauptfigur ihr destruktives Treiben auslagert, was darauf hinweist, dass der Todestrieb stärker ist als die Vernunft und, wenn keine filmische Darstellung vorhanden ist, sich in der Realität manifestieren könnte.

Der Unterschied zwischen Gattung und Geschlecht

Judith Butler ist kürzlich wieder in die Schlagzeilen geraten, diesmal wegen ihrer Kritik an Israel als Jüdin. Hat mich aber auch daran erinnert, dass sie die Begründerin der Gender-Theorie ist. Und an die Kritik, die sie damals von Joan Copjec in deren Buch “Lies mein Begehren” erhielt, das Butlers Vorstoß zerpflückte. Copjec weist nach, dass…

Die Frau existiert nicht … III

… so lautet der notorische und auf den ersten Blick skandalöse Satz von Lacan. Leicht missverständlich, denn er bedeutet eigentlich: Menschen, die nicht existieren, sind – unabhängig von ihren reproduktiven Eigenschaften – Frauen. Immer noch verwirrend, denn wie können Menschen nicht existieren? Mit der Definition über ein Merkmal, meint Lacan bzw. die Logik, auf die…

Wie Kultur uns wissend und dadurch notwendig auch blind macht

In seinem Buch „Rückblick auf die Natur“ (München 1997) analysiert Rolf Peter Sieferle unter anderem die tiefgreifende Transformation von Jäger- und Sammlergesellschaften zu agrarisch basierten Zivilisationen, betont die Rolle der Entstehung und Verfestigung von Traditionen durch wiederholte Kommunikation und untersucht die daraus resultierenden sozialen, kulturellen und machtstrukturellen Wandlungen.

Feindesliebe – oder was das Christentum zur einzigen Religion macht

Im Gegensatz zu Religionen, die durch Offenbarungen an Propheten wie Moses oder Mohammed geprägt sind und deren heilige Texte eine Repräsentation des Übernatürlichen darstellen, betont das Christentum die unmittelbare Begegnung mit dem Göttlichen im Mitmenschen, insbesondere in Situationen der Feindseligkeit und Traumatisierung.

Typisch deutsch

Dieser Text erkundet die tiefe Verbindung zwischen deutschem Denken, geprägt durch Philosophen wie Fichte, Schelling und Hegel, und dem Einfluss des Protestantismus, wobei er die Unterschiede zur griechischen Philosophie und die Auswirkungen auf politische Bewegungen wie die Grünen sowie das russische Denken hervorhebt.

KI & Hegel

Hegels Philosophie wird von ihm zusammengefasst in folgendem Satz der Phänomenologie des Geistes: „Es kömmt nach meiner Einsicht, welche sich durch die Darstellung des Systems selbst rechtfertigen muß, alles darauf an, das Wahre nicht als Substanz, sondern ebensosehr als Subjekt aufzufassen und auszudrücken. Zugleich ist zu bemerken, daß die Substantialität sosehr das Allgemeine oder die…

Ruth Herschberger ADAM’S RIB

Ruth Herschberger, geboren 1917 in Philipse Manor, New York, gestorben am 14. Oktober 2014, war eine amerikanische Schriftstellerin.

Herschberger wuchs in Chicago auf und studierte an der University of Chicago und am Black Mountain College. Sie war Feministin zu einer Zeit, als es noch keine aktive Frauenbewegung gab. Ihre Gedichte wurden in Fachzeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Sie veröffentlichte zwei Gedichtbände, A Way of Happening (1948) und Nature & Love Poems (1969), sowie das Prosabuch Adam’s Rib (1948), ein Protest gegen Geschlechterstereotypen. Außerdem verfasste sie preisgekrönte Übersetzungen von Wladimir Majakowski. Zu ihren Auszeichnungen gehören der Hopwood Award for Poetry, der Midland Authors Award for Poetry und der Harriet Monroe Memorial Prize.

Hat Tolkien uns die Suppe eingebrockt?

Tolkien und Hesse sind beides einflussreiche Autoren, die die westliche Kultur und Gegenkulturen geprägt haben. Während Tolkiens Herr der Ringe für seine moralische Dualität kritisiert wird, die auch in der heutigen politischen Landschaft widerhallt, wird Hesses Glasperlenspiel für seinen subtilen Ansatz und die Vision einer friedlichen Synthese menschlicher Kultur gewürdigt. Tolkien und Hesse adressierten eine ähnliches Publikum, doch Tolkien wurde populärer, trotz der kritischen Sicht auf seinen konservativen Unterton. Beide Autoren beschäftigen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Bösen und Konflikten, wobei Hesse innere Konflikte betont und Tolkien das Böse als äußere Macht darstellt. Dies spiegelt sich auch in modernen Videospielen wie Warhammer und der politischen Landschaft wider.

Genozid-Fantasien der Bibel

„Wenn du dich einer Stadt näherst, um sie anzugreifen, so biete ihr zuerst Frieden an. Wenn die Stadt den Frieden annimmt und ihre Tore öffnet, dann sollen alle Bewohner der Stadt für dich arbeiten und dir dienen. Wollen sie aber keinen Frieden und kämpfen gegen dich, so belagere die Stadt. Wenn Gott dir den Sieg…

Die Philosophien von Hegel und Wittgenstein – Zusammenfassung

Hegels Betrachtung gilt einem fortlaufenden Prozess, der uns durch das nötige Auftauchen von Widersprüchen immer wieder dazu zwingt, unsere Annahmen, Überzeugungen und Handlungen zu überprüfen und anzupassen. Hegel würde sagen, dass dieser Prozess der Dialektik ein zentraler Mechanismus ist, durch den sich die Vernunft entfaltet und die Freiheit realisiert wird. Für Ludwig Wittgenstein ist dabei…

Hegel und die moderne Gesellschaft – ein Plädoyer für die Akzeptanz von Widersprüchen

Hegel war Schwabe, lehrte als Professor in Berlin mit schwerem Akzent. Hat nicht der vertrixte Stamm der Schwaben mit dem Automobil, der Mondfahrt (die nach Keplers Berechnungen stattfand) und dem Computer die Grundlagen der Moderne geschaffen? Die hier beheimatete Philosophie schätzt Widersprüche und Komplexität als wesentliche und höchste Bestandteile des Lebens und seiner Erkenntnis und…

Liebe und Scham

In Platons Symposion präsentiert Aristophanes, einer der anwesenden Gäste, als Komödiendichter eine humorvolle, aber extrem einflussreiche Rede über die Natur der menschlichen Liebe. Er erzählt eine Schöpfungsgeschichte, in der die ursprünglichen Menschen vier Arme, vier Beine und zwei Gesichter hatten. Diese Wesen waren sehr mächtig und stellten eine Bedrohung für die Götter dar.   Aus…

Gleichheit – sät Gewalt?

Ich folge gerade den Gedanken René Girards in einem Blitzkurs zum bitteren Ende, der eine Art Zen-Rückzug vor der Welt empfiehlt, damit diese nicht zugrunde geht. Girard leitet das alles aus der von ihm unterstellten Tatsache ab, dass wir nichts spontan machen, sondern alles lernen. Wir werden also zu Menschen, indem wir Vorbilder nachahmen, zunächst…

Gottesbeweise

Als das Buch Gödel, Escher, Bach noch ein Bestseller war, ließ es mich nicht los. Unter anderem wird darin Gödels Theorem verständlicher gemacht. Ihm zufolge kann es nichts Verständliches geben, außer es kreist um etwas Unerklärbares – was keine Forderung des Glaubens, sondern eine der Logik ist. Später las ich in Wittgensteins Logisch-philosophische Abhandlung, einem…

René Girard vs. Psychoanalyse

Sowohl Sigmund Freud als auch René Girard bieten tiefgreifende, aber deutlich unterschiedliche Theorien über die Natur des menschlichen Begehrens an, wobei Freud das Begehren auf familiäre Beziehungen und frühe Kindheitserfahrungen konzentriert, während Girard ein Modell des mimetischen Begehrens und der Sündenbocktheorie vorschlägt, wobei beide Ansätze ihre eigenen Kritikpunkte und potentiellen Begrenzungen aufweisen.

Hegels Rezension über Hamann

Der Original-Text ist hier zu finden. Hegels Artikel handelt von der Wertschätzung, die das Publikum für die Herausgabe von Hamanns Werken durch einen engagierten Herausgeber empfinden sollte. Früher waren Hamanns Werke schwer zugänglich und nur wenige besaßen eine vollständige Sammlung. Einige Personen, darunter Goethe, hatten erwogen, Hamanns Werke herauszugeben, aber niemand hatte es tatsächlich getan….

Ursache des Denkens ist der Hass auf Geschwister …

Der Wissensdrang der Kinder erwacht … überhaupt nicht spontan, etwa infolge eines eingeborenen Kausalitätsbedürfnisses, sondern unter dem Stachel der sie beherrschenden eigensüchtigen Triebe, wenn sie – etwa nach Vollendung des zweiten Lebensjahres – von der Ankunft eines neuen Kindes betroffen werden. Diejenigen Kinder, deren Kinderstube nicht im Hause selbst eine solche Einquartierung empfängt, sind dann…

Arbeitsethik

Sexuell aufgelegt werden wir eigentlich nie durch eine Person, sondern immer nur durch einen Teil von ihr: Stimme, Geste, Geruch, bestimmte Stelle des Körpers usf. Sex hat keine eigenen Gegenstände, sondern „besetzt“ irgendetwas, das bereits besteht und überzieht es mit seinem Mehrwert. Wir könnten daher sagen, dass Sex schlechthin nicht stattfindet, sondern erst, wenn er…

Trieb | Begehren

Die Verwechslung dieser beiden sehr unterschiedlichen klinischen und begrifflichen Kategorien rührt daher, dass sie uns beide auf außergewöhnliche Weise „antreiben“: Die Befriedigung, die sie anstreben, entspricht nicht der Befriedigung unserer organischen oder biologischen Bedürfnisse. Aber darüber hinaus sind sie sehr unterschiedlich. Wir begehren, was wir nicht bekommen haben, nachdem unsere Wünsche erfüllt wurden – das…

Plotten und zersetzen

KI-generierte Texte stellen keine Gefahr für das fiktionale Schreiben dar, da dieses – letztlich – auf den Durchbruch des Unbewussten (Überraschung, Sex, Epiphanie, nenn’s, wie du sonst noch möchtest) aus ist. In einer guten fiktionalen Geschichte wird eine Maske heruntergerissen, um einen zu ergötzen mit dem, was sich darunter befindet. Das nicht anders zu erreichen…

Die 13. Fee

Mich interessiert auch, woher der rhetorische Elan und die Neigung zur radiklaen Gleichberechtigung, kombiniert mit der Auflösung der Geschlechter des Wokismus kommt. Einen Schlüssel könnte die Weltanschauung der Psychoanalyse liefern. Diese würde ich, wie folgt, zusammenfassen: Es gibt eine Grundsubstanz oder Energie, aus welcher sich der Kosmos, schließlich das organische Leben bildet. Diese wird im…

Die Frau existiert nicht … II

… einer dieser reizenden Gedanken von Lacan, der erst fruchtbar wird, wenn wir uns unerschrocken auf ihn einlassen. Dann wird nämlich klar, dass „Frau“ und „Mann“ nicht körperlich, sondern als Einstellung zu der Rolle gemeint sind, die uns das Leben auferlegt. Nach solcher Auffassung kommen wir nicht umhin, irgendeine Rolle zu spielen, einen Text zu…

MY OWN LIFE von David Hume

[1] It is difficult for a man to speak long of himself without vanity; therefore, I shall be short. It may be thought an instance of vanity that I pretend at all to write my life; but this Narrative shall contain little more than the History of my Writings; as, indeed, almost all my life…

Vom Wesen des Sexes

Die Psychoanalyse hat sich nicht auf die Sexualität gestürzt, sie ans Licht gezerrt und dann versucht, mehr oder weniger alles mit ihr zu erklären. Dies würde voraussetzen, dass Sexualität ein klar abgegrenzter (wenn auch schamhaft verschleierter) Bereich der menschlichen Natur ist, an sich unverfänglich und problematisch nur in ihrer Beziehung zu anderen menschlichen Formaten, insbesondere…

Scham

Wann schämen wir uns eigentlich? Ein schockierendes Beispiel liefert die portugiesische Pianistin Maria Joao Pires. Sie merkt in dem Clip, auf den ich hier zeige, dass sie für das Mittagskonzerts in Amsterdam das falsche Mozart-Konzert einstudiert hat. Es gelingt ihr zwar, die Situation zu retten, aber für einen Moment tut sich ein Abgrund auf. Dieser…

Männerfreundschaften …

… beruhen auf zwei wunden Punkten. Männer vertrauen einander nur, wenn sie den wunden Punkt des anderen kennen. Ihre Freundschaft besteht dann darin, diesen vor anderen – besonders vor Frauen – zu verleugnen. Männerfreunde helfen sich bei der Simulation der Überlegenheit des anderen. Genau aus diesem Grund ist sein Schwachpunkt die Voraussetzung. Erst wer diesen…

Der Detektiv ist eine Frau

Gender bezeichnet eine Rolle, die wir zufällig spielen, Geschlecht dagegen die Art und Weise, wie wir uns vergnügen – es gibt nur zwei: die schweinische und die durchtriebene. Die beiden ergänzen sich nicht, sondern schließen einander aus. Schweinische klingt „männlich“, durchtrieben „weiblich“. Es gibt aber, das macht die Sache komplizierter, „schweinische“ Frauen und „durchtriebene“ Männer….

Geschlecht als Form der Begierde

Das Geschlecht ist eine Antwort auf die Beleidigung der Geburt. Denn indem wir zur Welt kommen, werden wir sterblich. Wir sind nicht in der Lage, uns zu vermehren, sondern können uns nur noch fortpflanzen, einen Teil beitragen zu etwas Neuem, das uns nie ganz wiederholt. Unser Leib ist, so gesehen, nicht vollständig. Ihm fehlt Unsterblichkeit….

Die Blaue Blume des Sex

Wir können uns nicht durch Teilung vermehren, sind daher verkürzt. Wenn wir Klone absondern könnten, würden wir ewig leben. Hingegen kommen wir dadurch zur Welt, dass zwei Erbgutträger aus diversen Quellen sich vereinen. Diese müssen notwendig rudimentär – sterblich – sein, sonst wäre die Fusion ihrer Beiträge überflüssig. Darin besteht das Wesen des Geschlechts (engl….

Erzählung und Zunge

Die Zunge ist ein übersinnlicher Muskel, im Leib hat er allein nur ein Ende oder, könnte man auch sagen, ein „virtuelles“ zweites Ende. Ohne dieses gäbe es keine Geschichten, die einer Frucht der Sprache, also vor allem Zunge sind. Die Zunge ist das in uns, was nach dem anderen Ende sucht. Deswegen wollen Geschichten immer…

L’amour, c’est donner ce qu’on n’a pas à quelqu’un qui n’en veut pas

„Liebe ist, jemandem, der es nicht will, etwas zu geben, das man nicht hat“, raunt Lacan. Ein mystischer Gedanke, wie die meisten Lacans, was ihm den Ruf des „Scharlatans“ (Chomsky) eingetragen hat. So gesehen, braucht man nicht weiter nachzudenken über seine Äußerung. Was, wenn man’s doch tut? Kann ich jemandem etwas geben, das ich nicht…

Sex – Gender – Geschlecht

Sex ist ein Überschuss an Lebensenergie, der an keine besonderen Vorgänge gebunden ist, sondern sich irgendwelchen Dingen anschließt, die auch ohne ihn Bestand hätten. Ein schöner Bild dafür ist der Schnuller des Säuling, an dem zweckfrei ein Überschuss an Energie abgenuckelt wird. Auch wenn Kinder nicht einschlafen können, schwelt in ihnen noch ein Überschuss, der…

Menschen sind immer im Übergang – nie da …

Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist. FRIEDRICH NIETZSCHE

Frauen …

Die Frauen sind von den Männern bisher wie Vögel behandelt worden, die von irgend welcher Höhe sich herab zu ihnen verirrt haben: als etwas Feineres, Verletzlicheres, Wunderlicheres, Süßeres, Seelenvolleres, — aber als Etwas, das man einsperren muß, damit es nicht davonfliegt.

Sexuelle Fantasie der Frau

In La Maison beschreibt die Autorin Emma Becker ihre Zeit als Hure. Die Fantasie kreist dabei um einen merkwürdigen Freier, zu dessen „Bedienung“ sich alle Frauen des Privat-Bordells, in dem sie zwei Jahre anschaffte, drängten. Die von Becker beschriebenen Freudenmädchen blieben, sie eingeschlossen, im Kontakt mit ihren Kunden meist körperlich taub, beim „Professor“ aber kamen…

Bemerkungen über die Philosophie der Psychologie

Ludwig Wittgensteins Beobachtungen zum Wesen der menschlichen Seele stellen die überkommene Weisheitslehre des Abendlandes auf den Kopf, sind bis heute kaum wahrgenommen und ausgelegt worden. Ich zitiere hier einige Paragrafen aus Wittgensteins erstaunlichen „Bemerkungen über die Philosophie der Psychologie“ und kommentiere sie.

Der Körper ist erstaunlicher als die Seele

Zwischen Wachen und Träumen kein wesentlicher Unterschied. Wie unsere Träume nichts sind, als ganz willkürliche Interpretationen unserer Nervenreize während des Schlafens, wo nur immer ein anderer Trieb der zufällige Souffleur ist, so ist unser ganzes Bewusstsein ein mehr oder weniger phantastischer Kommentar über einen unbewussten, vielleicht unwißbaren, aber gefühlten Text. Friedrich Nietzsche

Rechtfertigung des Widerspiels

In de Sades Juliette spekuliert der mörderische „Papst Pius“, die Natur sei eine rein schöpferische Kraft, Urgrund des Seins, aus dem sie eine Vielzahl von Formen hervorbringe, mineralische, pflanzliche und tierische. Der Wunsch der Natur nach immer neuen und anderen Nachkommen sei unerschöpflich. Sind einzelnen Formen jedoch einmal geschaffen, hat die große „blinde Mutter“ kein…

Grammatik spiegelt uns innere Festigkeit vor

Was den Aberglauben der Logiker betrifft: so will ich nicht müde werden, eine kleine kurze Tatsache immer wieder zu unterstreichen, welche von diesen Abergläubischen ungern zugestanden wird – nämlich, daß ein Gedanke kommt, wenn »er« will, und nicht wenn »ich« will; so daß es eine Fälschung des Tatbestandes ist zu sagen: das Subjekt »ich« ist die Bedingung…

Diversität und Wunde des Seins

Das Mantra der Diversität sieht systematisch ab von einem Quell der Vielfalt, welche demnach ursachenlos vorgestellt werden soll. Und wenn sie trotzdem stimuliert ist, sich also etwas verdankt, das sie hervortreibt? Was immer das sein mag, es wäre dann in der Lage, Diversität nicht nur ins Leben zu rufen, sondern auch wieder zurückzunehmen, eine Urkraft…

Geschlecht | Gender

Der Begriff Gender ist eine Pointe der feministischen Theorie des Sexus, die zu guter Letzt nicht nur das männliche Privileg, sondern den Unterschied Mann|Frau überhaupt abschaffen will. Ab Mitte der 80er wurde die Vorstellung des Geschlechts immer verdächtiger und zusehends aufgegeben um der entschärften Kategorie des Genders willen. Dessen These hat die Sexualität abgelöst vom…

Angst – Leitung zur Sprache

Horror-Film und Komödie haben mit dem zu tun, was uns Angst macht: der obszönen Gegenwart der Universalie – deren unheimliche Abwesenheit sonst das Gewebe von Sprache und Sein verursacht.

Cassiodor über Musik

„Schädliche Melancholie verwandelt er in pure Freude, er weckt den Schläfrigen aus seiner Erstarrung, gibt dem Schlaflosen die Ruhe zurück, führt den durch Lust Verdorbenen zur Keuschheit und Moral zurück und heilt die Trägheit des Geistes, den steten Feind förderlicher Gedanken“, schwärmt Cassiodor, höchster Beamter des Ostgotenreiches, von den Freuden der Musik und den Fähigkeiten…

Neid ist die Wurzel der Gerechtigkeit

Was man dann später in der Gesellschaft als Gemeingeist, esprit de corps usw. wirksam findet, verleugnet nicht seine Abkunft vom ursprünglichen Neid. Keiner soll sich hervortun wollen, jeder das gleiche sein und haben. Soziale Gerechtigkeit will bedeuten, daß man sich selbst vieles versagt, damit auch die anderen darauf verzichten müssen, oder was dasselbe ist, es nicht fordern…

Subjekt ist mehr als Identität

Die Gender-Theorie fragt: Wie kann eine Person dem heterosexuellen Diktat entkommen, in welches sie geboren wurde? Es geht um Identität, wird davon ausgegangen, dass unsere symbolische Ordnung oder Kultur patriarchalisch-heterosexistisch ist und einem die Identität vorschreibt. Deren Grenzen sind aber fließend, weil Identitäten oder Rollen einem nicht ein– für allemal auferlegt werden können, sondern von…

Aus der natürlichen Arbeitsscheu der Menschen leiten sich die schwierigsten Probleme ab

Keine andere Technik der Lebensführung bindet den Einzelnen so fest an die Realität als die Betonung der Arbeit …, [die unerlässlich ist] zur Behauptung und Rechtfertigung der Existenz in der Gesellschaft … Und dennoch wird Arbeit … von den Menschen wenig geschätzt. Man drängt sich nicht zu ihr wie zu anderen Möglichkeiten der Befriedigung.

m/w/d – Ukraine-Krieg & Video-Spiele

Der Ukraine-Krieg veranschaulicht gerade Wesen und Unterschied der Geschlechter, weil Wolodymyr Selenskyj eine Frau ist, Waldimir Putin dagegen ein Mann. Denn Geschlecht bedeutet zwei widersprüchliche Weisen, in der Welt zu sein, die Kant z. B. aufspürte in den mathematischen vs. dynamischen Antinomien, anschaulicher nach ihm Schopenhauer im Vergleich zu dem “weibischeren” Nietzsche. Schopenhauer bestimmt das…

Moral fordert heraus und erfüllt nicht

Tugendhaftes Handeln ist nach Kant nicht daran zu erkennen, dass es Vergnügen bereitet. Das Gegenteil ist der Fall. Jeder moralische Elan ist daher abzuklopfen auf die Begeisterung, die ihn verunreinigt. Echtes moralisches Handeln besiegt wie Leistungssport oder Fasten innere Widerstände.

Künstler

Man ist um den Preis Künstler, daß man das, was alle Nicht-Künstler Form nennen, als Inhalt, als die Sache selbst empfindet. NIETZSCHE

Die Welt als Stottern Gottes

Wenn ich die Monadologie nochmal durchgehe, verdankt sich die Welt einer Art „Stottern“ Gottes: sie existiert infolge eines gewissen Nichtgelingens, welches stückweise eingeholt wird. Das ist dann das Wesen der Geschichte. Die logischerweise im Ende, also Verschwinden der Welt gipfelt. Denn die Welt kann nur bestehen, indem etwas „noch nicht so weit“ ist. „Woher die…

Penis-Wahn

Das auseinandersetzende Denken und Sprechen bleibt gleichwohl im Banne dessen, dem es entkommen möchte – infolge der Zwangsvorstellung einer Superrolle, die alles, wonach einem ist, wirklich wahr werden lässt. Immer am Ziel ihrer Wünsche, widersteht sie jeglicher Auseinandersetzung oder »Entmannung«. So gelingt es der Vernunft niemals ganz, die Einbildung zu verwinden. Ohne auseinandergesetzt zu werden,…

Die Frau existiert nicht … I

Lacans Aussage bleibt nur verblüffend, wenn man die ungewöhnliche Bedeutung seiner Geschlechts-Auffassung nicht nachvollzieht und meint, „Existenz“ sei etwas Echtes. Nach Lacan verdankt dieser Begriff sich aber einem Aberglauben, der Voraussetzung dafür ist, dass wir etwas Bestehendes wahrnehmen.

Je größer die Ungewißtheit, umso größer die Bereitschaft zu teilen …

In seinem 1970-Interview antwortet Orson Welles, dass er sich als Alternativ-Karriere die eines Anthropologen vorstelle (cf. https://www.youtube.com/watch?v=9NTOSevzp4w ). Cavett, der Moderator, liebäugelt statt dessen mit der Philosophie, aber Welles meint, die Philosophie sei erledigt, die Anthropologie „spannender“. Was ich nach der Lektüre des Hauptwerks des bedeutendsten Vertreters der Theorie des Kulturmaterialismus bestätigen kann.

Habermas zu dem Ukraine-Krieg und seinen Folgen

In einem Gastbeitrag für die »Süddeutsche Zeitung« hat der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas sich zur Diskussion um die deutsche Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine geäußert.

Habermas arbeitet heraus, wie die jüngere Generation im Westen keine militärischen Begriffe mehr kennt und daher auf das Geschehen juristisch reagiert, wofür es nur eine vorgestellte, aber keine wirkliche Grundlage gibt.

Am fruchtbarsten fand ich Habermas Bild der Ukraine als Teenager im Vergleich zum „erwachseneren“ Europa. In der Begeisterung für die Sache der Ukraine schwelt, wenn sie z. B. aus Deutschland kommt, immer auch etwas „Berufsjugendliches“, also mehr das eigene Alter und dessen Pflichten Verwerfende. Habermas plädiert stattdessen für eine Unterstützung der Ukraine, die von gegenseitigem Respekt und Wissen um das Alter geprägt ist, welches das eigene Werden erreicht hat.

Habermas meint, dass der Westen, also auch die westlichen Jugendlichen, „alt“ in dem Sinne vor „weiter entwickelt“ sind, indem sie die Welt in juristischen Kategorien deuten — während die Ukrainer, also auch die ukrainischen Großväter, „jung“ sind in dem Sinne von „noch am Anfang stehend“, indem sie Welt in militärischen Kategorien deuten. Das bürokratischere Gemüt des Westens sehnt sich nach der verlorenen Unmittelbarkeit der Entstehung seiner Voraussetzungen und beutet so den Freiheitskampf der Ukraine für seine eigenen Träume aus.

Der Geschlechtstrieb ist unbestimmt

Männer wie Frauen suchen in erster Linie Genuss. Wobei es sein mag, dass beider Organe nur im Koitus völlig zur Auswirkung kommen können – was sie aber nicht von Haus aus oder nur dunkel zu wissen scheinen. Damit es zur Befruchtung kommen kann, müssen zwei eher unbestimmte Begierden zusammenkommen.
Der Sieg über das Unorganische, den Tod, ist eine Folge der Verschwendung in der Natur.

Die Überholung der Schildkröte

Lacan meint, Achilles überhole die Schildkröte „im Realen“, Blondel dasselbe, wenn er von „der Tat“ redet, die etwas fertigbringt, was die reine Berechnung nicht schafft. Der Grenzwert der Unedlichkeitsrechnung ist eine fiktionale, also „nicht bestehende“ oder „nichtige“ Größe. Lacan und seine Gefolgschaft (Derrida …) nimmt das dann an der Unendlichkeit der Signifikantenreihe auseinander und wundert…

Kriegsverbrechen

Meine Großmutter hatte mir früher von Bombenangriffen erzählt, Nächte, welche die Familie in Luftschutzkellern durchzittert hatte. Meine Mutter musste als 15jährige Leichen nach solchen Angriffen von der Straße schleppen, wovon sie sich innerlich einen Leben lang nicht erholt hatte. Meine Großmutter war mehrfach vergewaltigt worden. Sie wäre aber nie auf den Gedanken gekommen, von „Kriegsverbrechen“…

Whataboutismus

Der Neologismus beschimpft lediglich eine Wahrheit, an die man (noch) nicht gewöhnt ist. Man kann sie ablehnen, aber nicht verwerfen.

Unterschied zwischen den Geschlechtern

Trotzdem mache ich einen sogar rigorosen Unterschied zwischen den Geschlechtern, die ich für unterschiedliche Formen des „seelischen Vampirismus“ halte = der Art und Weise, die Abwesenheit dessen zu verarbeiten, wonach uns als Menschen immerzu ist. Der/die Menschende ist nach meiner Beobachtung und inzwischen auch Auffassung unabhängig von dem Geschlechtsteil entweder „männlich“ oder „weiblich“, etwas Weiteres…

Über-Ich und Moralapostel

Das Über-Ich ist nun mal eine Triebgestalt, die ihr Mütchen “im Interesse der Allgemeinheit” kühlt. Die Nummer gleicht dann der dünnen Spiel-Handlung in einem Pornofilm und verrät sich auf Facebook häufig durch die obszöne Verwendung von Stimmung verspritzenden Bildschriftzeichen unter Beiträgen, die es “nicht fassen können” oder die Wortkette “immer noch nicht” wiederholen. Es bleibt…

Anaximander

Woher die Dinge ihre Entstehung haben, dahin müssen sie auch zugrunde gehen nach der Notwendigkeit; denn sie müssen Buße zahlen und für ihre Ungerechtigkeiten gerichtet werden gemäß der Ordnung der Zeit. 

Blick

Eines der fruchtbarsten Konzepte in dem romantischen Gedankengestrüpp Lacans. Er bedeutet nicht, was unsere Perspektive versammelt, sondern etwas in dem Gesichtsfeld, das dessen Ordnung oder Macht zerstört, das „bucklicht Männlein“ in dem Volksgedicht:   Will ich in mein Gärtlein gehn, will mein Zwiebeln gießen; steht ein bucklicht Männlein da, fängt als an zu niesen.  …

Männlich | weiblich – Maskenformen

Je mehr eine Maske als Maske zu erkennen ist, desto weiblicher wirkt ihr Träger. Schminke ist davon der ultimative Ausdruck. Die Maske (Form des Bewusstseins) setzt nur einen Leib, nicht aber dessen weitere Merkmale voraus. Je weniger sie als Maske zu erkennen ist, desto männlicher macht sie die sie tragende Person.

Nietzsches Beitrag zum Wesen des Geistes

Unbewusstes Morgenröte 119 Erleben und Erdichten. – Wie weit Einer seine Selbstkenntniss auch treiben mag, Nichts kann doch unvollständiger sein, als das Bild der gesammten Triebe, die sein Wesen constituiren. Kaum dass er die gröberen beim Namen nennen kann: ihre Zahl und Stärke, ihre Ebbe und Fluth, ihr Spiel und Widerspiel unter einander, und vor…

Bewusstsein als politisches Organ

Was den Aberglauben der Logiker betrifft: so will ich nicht müde werden, eine kleine kurze Tatsache immer wieder zu unterstreichen, welche von diesen Abergläubischen ungern zugestanden wird – nämlich, daß ein Gedanke kommt, wenn »er« will, und nicht wenn »ich« will; so daß es eine Fälschung des Tatbestandes ist zu sagen: das Subjekt »ich« ist die Bedingung…

Psychoanalyse und Katholizismus

Es gibt ja diese Interviewantwort von Lacan, die „einzig echte Religion“ sei „die römische“. Als Sohn einer strengkatholischen Mutter (sein kleiner Bruder wurde Mönch …) sollte Lacan also einen heimliches Kirchenprogramm mit seiner „Rückkehr zu Freud“ verfolgt haben? Nach der Seinslehre der Psychoanalyse kommt der Mensch, weil er zu früh geboren wird, uneinheitlich oder ohne…

Ma-ma | Pa-pa – vom Wesen der Sprache und Selbstwerdung

In unseren ersten Worten zeigt sich etwas Wiederholendes, Festhaltendes: „Ma-ma“ – „Pa-pa“. Es entspricht dem Ausschnitt, den wir immer nur von der Welt gewahren, der Tatsachen, dass wir keine Augen im Hinterkopf haben. Indem wir etwas ausmachen, heben wir es ab von seiner Umgebung – die es dadurch bedeutet. Wörter oder „Signifikaten“ treiben dies nur…

Wesen der Verdrängung

Freud: Zum psychischen Mechanismus der Vergesslichkeit Freud_Vergesslichkeit Einen mächtigen Zuwachs an Interesse aber gewinnt das hier erläuterte Beispiel, wenn man erfährt, dass es uns geradezu als Vorbild für die krankhaften Vorgänge gelten darf, denen die psychischen Symptome der Psychoneurosen – Hysterie, Zwangsvorstellen und Paranoia – ihre Entstehung verdanken. … vermittels ähnlich oberflächlicher Assoziationen bemächtigt sich …

Pierre ist nicht da

Aber man muß beachten, daß es in der Wahrnehmung immer Konstituierung einer Form auf einem Hintergrund gibt. Kein Objekt, keine Gruppe von Objekten ist speziell bestimmt, sich als Hintergrund oder als Form zu organisieren: alles hängt von der Richtung meiner Aufmerksamkeit ab. Wenn ich in dieses Cafe eintrete, um dort Pierre zu suchen, bildet sich…

Die Faszination klassischer Literatur

„Aber die Schwierigkeit liegt nicht darin, zu verstehn, daß griechische Kunst und Epos an gewisse gesellschaftliche Entwicklungsformen geknüpft sind. Die Schwierigkeit ist, daß sie für uns noch Kunstgenuß gewähren und in gewisser Beziehung als Norm und unerreichbare Muster gelten“ schreibt Karl Marx – überraschend als Theoretiker der Literatur – in seiner Einleitung zur Kritik der…

Kunst-Theorie Karl Marx‘

Bei der Kunst bekannt, daß bestimmte Blütezeiten derselben keineswegs im Verhältnis zur allgemeinen Entwicklung der Gesellschaft, also auch der materiellen Grundlage, gleichsam des Knochenbaus ihrer Organisation, stehn. Z.B. die Griechen verglichen mit den modernen oder auch Shakespeare. Von gewissen Formen der Kunst, z.B. dem Epos, sogar anerkannt, daß sie, in ihrer Weltepoche machenden, klassischen Gestalt…

The Lady Eve …

… scheint mir unübertroffen. Der Wirrkopf (Screwball) wird hier gespielt von Peter Fonda, der ständig über seine eigenen Füße stolpert. Seine Partnerin macht ihn zum kompletten Narren, verliebt sich dabei aber in ihn. Kann sich eine Frau also nur in einen Mann verlieben, den sie durch den Kakao zieht? Das ist es nicht, und Peter…

Metonymie & Metapher

Es ist eben wie mit der Familienähnlichkeit: wir können sie in jedem Gesicht eines Mitgliedes wahrnehmen, es aber nicht als Paradebeispiel für etwas allen Gemeinsames vorzeigen, da dieses letztlich in einem Muster liegt, das durch etliche Bestandteile zustande kommt. Gleich dem Bild, welches in einem Mosaik, in jedem seiner Teile, anwesend ist, ohne in irgendeinem…

Das Patriarchat …

… die Herausforderung, vor die es einen stellt, wird deutlicher, wenn wir stattdessen „Ordnung“ sagen. Diese wiederum ist keine rein begriffliche Größe, sondern hängt von den materiellen Verhältnissen ab, die sie einrichtet. Verändern sich diese, verändert sich avec die Ordnung. Es ist deswegen richtig und falsch von einer „Krise des Patriarchats“ zu reden, denn faktisch…

Die Kastrationsangst des ostdeutschen Mannes

Psychoanalytisch ist der Term „Kastration“ natürlich sinnbildlich aufzufassen, drückt aber vor allem emotional gut aus, worum es geht. „Alle Frauen sind kastriert, aber nicht nur“, las ich neulich bei Lacan, und: „Alle Männer sind kastriert, außer einem“ – der im unbewussten DDR-Männergemüt in Wandlitz lebte. Ich erinnere mich noch gut an die ratlosen Kamera-Bewegungen, welche…

Warum das Christentum auch verhasst ist

Hat mit seinem Menschenbild zu tun, zusammengefasst im Dogma der Erbsünde. Die Vorstellung dahinter: dass der Mensch ein Mängelwesen ist, eine Art Krüppel, angewiesen auf Prothesen. Die schlimmste Sünde ist folglich der „Hochmut“, also Auffassung, man sei nicht verkrüppelt. Denn erst dieses Eingeständnis macht die Beschaffung und Optimierung von Prothesen möglich, die allerdings niemals die…

Joan Copjec LIES MEIN BEGEHREN

Die Autorin bringt in ihrem Klassiker das psychoanalytischen Mantra in Stellung, um Kritiker von Ideologie und Zwängen mit einer übersehenen Freiheitschance zu konfrontieren. Die Kapitel ihres Buches nehmen dabei vor allem Ansichten Foucaults aufs Korn im Hinblick auf etwas Überschüssiges, das er Punkt für Punkt vernachlässige und das nicht in den Ordnungen oder Neurosen der…

Unbelastet von den Beschuldigungen des Irrtums

Nach Descartes gibt es ja eine Instanz, die über jegliche Aussage hinausgeht, die ein Subjekt machen kann, und deswegen unbelastet bleibt von allen Beschuldigungen des Irrtums. Entsprechend die heutige Vorstellung von Demokratie mit einer Menschlichkeit als Basis, die durch die Verschiedenartigkeit der Bürger, die daran beteiligt sind, nicht verfälscht werden kann. Was diesen Bürger ausmacht,…

Verschwörungstherorien …

… betrachten die Welt wie eine Leinwand oder Gardine vor einer ungeheuren Wirklichkeit, die sich dahinter verbirgt. Der ultimative Einblick bleibt letztlich verwehrt. Immerhin bringen ihn Löcher, die in den Schutzschirm gestoßen werden, näher. Deswegen verstärken gerade die widersinnigsten Behauptungen, die das Gewebe der Wirklichkeit massiv einreißen, die Hoffnungen auf den Durchbruch. Das Verhalten ist…

Was „Geschlecht“ wirklich ist – und warum es nur zwei davon gibt (die sich nicht vertragen)

Der Gender-Vormarsch sieht vieles richtig, nur eine Hauptsache, die ihm obendrein den Namen gibt, ist, wenn auch nicht 100%, so doch im entscheidenden Punkte verkehrt. Denn das Geschlecht ist nicht wie Klasse oder Rasse ein kultureller Oberton, der sozusagen mit der Mode geht, sondern eine unvergleichliche Weise, mit Welt und Leben fertig zu werden und…

Was ist denn dann „Geschlecht“?

Ich habe in der Auseinandersetzung mit J. Butlers Gender Trouble gefunden, dass „Geschlecht“ nicht auf derselben Stufe wie „Rasse“ oder „Klasse“ stehen, sich deswegen nicht entwickeln kann, also eine kulturübergreifende Alterität ausmacht. Die aber worin besteht? Spontan fällt mir als Antwort ein: Im voneinander abweichenden Verhältnis zur Schokolade! Da gibt es eindeutig ein „weibliches“ und…

Warum ich Nichtrauchern mißtraue

Ich rauche schon lange nicht mehr, würde mich deswegen aber nicht als Nichtraucher bezeichnen. Aufgehört habe ich mit dem Rauchen aus derselben Ursache, die meinen lebenslangen Abstand von Drogen bewirkte – Ekel vor Abhängigkeit. Die wenigen Erlebnisse, die ich in meiner Jugend mit Drogen hatte, waren dermaßen genussvoll, dass ich augenblicklich einen Riegel vorgeschoben hatte….

Warum hält Lacan Homosexualität für „pervers“?

Ich versuche mir immer mal wieder einen Reim auf die Lacansche Terminologie und das Gedankengebäude dahinter zu machen, etwa: dass die seelische Ordnung des Menschen entweder “hysterisch”, “obsessiv” oder “pervers” sein muss. Zur Veranschaulichung wird dann von Lacan noch gesagt, Frauen seien in der Regel “hysterisch”, Männer “obsessiv” und z. B. Homosexuelle “pervers” – weil…

objet a als Ungeheuer

Lacan hat den Begriff objet a geprägt für den Gegenstand eines endlosen Grundwollens. Das objet a ist Ausdruck für die Unvollständigkeit der Welt – etwas, das es nie gibt. Außer im Horror-Film, wo es verkörpert wird durch das Ungeheuer. Das Ungeheuer stellt etwas dar, dass es nicht gibt. Diese Widersprüchlichkeit macht es unheimlich. Der Begriff,…

Psychoanalyse | Wittgenstein

Die Psychoanalyse unterscheidet zwei Sprachspiele: Bewusstes und Unbewusstes. Sie ordnen z. T. selbe Gegenstände einander verschieden zu. Lacan setzt nur Verstand gleich mit Bedeutung. Die unterbrochen werden kann, indem unwissende Sprachspiele dieselben Gegenstände reklamieren. Für Wittgenstein ist dagegen jedes Sprachspiel gleich maßgebend, Bewusstsein also nur ein Sonderfall der Bedeutung. Wissen muss falsifizierbar, Verstand optimierbar sein,…