Wahrheit entspringt eher dem Irrtum als der Verwirrung

…truth will sooner come out from error than from confusion. Francis Bacon Eine falsche Hypothese ist besser als gar keine, denn daß sie falsch ist, ist gar kein Schade, aber wenn sie sich befestigt, wenn sie allgemein angenommen, zu einer Art von Glaubensbekenntnis wird, woran niemand zweifeln, welches niemand untersuchen darf, dies ist eigentlich das…

Gefühle sind Gedanken sind Gefühle

EMOTIONEN werden ja gern gegen Gedanken oder Ideen ausgespielt. Aber gehört nicht zu jedem Gefühl eine mehr oder weniger abstrakte Vorstellung, die von ihm durchwirkt ist? Es gibt überhaupt kein Gefühl ohne einen Gedanken. Wie Denken signalisert somit Fühlen immer eine Abwesenheit. Wenn ich mich z. B. auf etwas freue, dann doch solange nur, wie…

Nietzsches Posthumanismus

Was kann allein unsre Lehre sein?— Dass Niemand dem Menschen seine Eigenschaften giebt, weder Gott, noch die Gesellschaft, noch seine Eltern und Vorfahren, noch er selbst (—der Unsinn der hier zuletzt abgelehnten Vorstellung ist als “intelligible Freiheit” von Kant, vielleicht auch schon von Plato gelehrt worden). Niemand ist dafür verantwortlich, dass er überhaupt da ist, dass er so und so beschaffen ist,…

Ertrag und Begabung des Todestriebs

Siegmund Freud  Der Todestrieb durchstreicht das Lustprinzip, denn Lust besteht im Abbau von etwas, worauf dem Todestrieb ankommt: Erregung. Der Todestrieb zerstört um der Zerstörung willen. Wir gewinnen unmittelbar nichts, indem wir ihm nachgehen. Trotzdem nimmt er uns gefangen, wir opfern ihm alles. Beim Fort-da-Spiel von Freuds Enkelsohn ist der zweite Akt, der Wiederkehr des…

Nicolas Gomez Davila

Aus der Trivialität der Existenz können wir nicht durch die Türen entkommen, sondern über die Dächer. Ersetzen wir all die Definitionen der “Menschenwürde”, die lediglich ekstatische Stoßgebete sind, durch eine einfache und schlichte: alles langsam tun. Die Idee der “freien Entfaltung der Persönlichkeit” scheint ausgezeichnet, solange man nicht auf Individuen stößt, deren Persönlichkeit sich frei…

Philosophie als Funktion der Lebensform

Daß die einzelnen philosophischen Begriffe nichts Beliebiges, nichts Für-sich-Wachsendes sind, sondern in Beziehung und Verwandtschaft zueinander emporwachsen, daß sie, so plötzlich und willkürlich sie auch in der Geschichte des Denkens anscheinend heraustreten, doch ebensogut einem Systeme angehören als die sämtlichen Glieder der Fauna eines Erdteils: das verrät sich zuletzt noch darin, wie sicher die verschiedensten…

Truth emerges more readily from error than from confusion. – Francis Bacon

…die Priesterinnen zu Dodona haben im Wahnsinn vieles Gutes in privaten und öffentlichen Angelegenheiten unserer Hellas zugewendet, bei Verstande aber Kümmerliches oder gar nichts. – Sokrates im Phaidros No supposition seems to me more natural than that there is no process in the brain correlated with associating or with thinking; so that it would be…

Subjektivität . . .

. . . kommt nämlich von subiugare: unterjochen. Als Subjekt bin ich vergattert, und subjektiv bedeutet: eingespannt. Zu meiner persönlichen Meinung bin ich gekommen, ihr angemessen.

Blondels Haupt-Gedanke

Mir scheint, dass das proton pseudos [der fundamentale Betrug] sowohl der dogmatischen Metaphysik als auch des kritischen Idelismus wie der spinozischen und hegelschen Ethik darin lag, entweder die gekannte Wahrheit oder die formelle Intention als hinreichende Lösung für das Problem des Lebens zu betrachten, ohne dem Leben selbst das vorzubehalten, was es an nicht-mitteilbarer Belehrung…

Wenn der Künstler in einem auflebt . . .

. . . wird man, egal auf welchem Gebiet, zu einem erfinderischen, erpichten, kühnen, sich selbst ausdrückenden Wesen. Man wird interessant in den Augen der anderen. Man stört, erregt, erleuchtet und öffnen Weisen zum besseren Verständnis. Wo die Nichkünstler das Buch zuschlagen, öffnet der Künstler es und zeigt, dass es mehr Seiten zu entdecken gibt….

Warum Ideologie (notwendig falsches Bewußtsein) der Anschauung von Raum und Zeit entspringt

Gottfried Wilhem Leibnitz: „Nicht nur geschieht nichts in der Welt, das absolut irregulär wäre, sondern man könnte sich etwas derartiges gar nicht vortäuschen. Denn nehmen wir an, zum Beispiel, dass jemand ganz zufällig eine Menge Punkte aufs Papier aufbringt, wie sie es tun, die die lächerliche Kunst der Geomantrik praktizieren, so sage ich, dass es…

Vom Neid

Gier ist die Triebfeder der Kapitalismus, Neid jene des Sozialismus. Hinter jeder Revolution steckt Neid, die unschöne Anhäufung enttäuschter Hoffnungen, unbefriedigten Talents, von Misserfolgen und verwundeten Bestrebungen. Neid hängt eng zusammen mit Vornehmtuerei, blüht auf in Schadenfreude. Demokratische Einrichtungen entwickeln den Neid am erfolgreichsten im menschlichen Herzen. 

Vom Sinn der Sakramente

Nach Maurice Blondels Hauptthese bringt das Handeln das Denken hervor, nicht umgekehrt. Wir können durch Denken nie so weit kommen, wie durch Tun: Um zu wissen, woran man sich zu halten hat, muss man trotzdem vorwärts gehen.   Blondel untersucht weiter, wieso die Menschen zuerst handeln – nämlich aus einer Unruhe des Herzen: um etwas…

Über das Wesen der Liebe

So enthüllt sich eine Art von Wechselseitigkeit oder sozusagen Einheit zwischen der echten Liebe und dem aktiven Leiden. Denn wenn uns nicht der Schmerz erzieht, gelangen wir nicht zur selbstlosen und mutigen Tat. Die Liebe wirkt auf die Seele wie der Tod auf den Leib: Sie versetzt den Liebenden in das Geliebte und das Geliebte…

Gedanken hängen nicht vom Gehirn ab

Keine Annahme scheint mir natürlicher, als daß dem Assoziieren oder Denken kein Prozeß im Gehirn zugeordnet ist; so zwar, daß es also unmöglich wäre, aus Gehirnprozessen Denkprozesse abzulesen. Ich meine das so: Wenn ich rede oder schreibe, so geht, nehme ich an, ein meinem gesprochenen oder geschriebenen Gedanken zugeordnetes System von Impulsen von meinem Gehirn…

Vom Tun

Es ist ganz klar, dass wir als Menschen handeln, ununterbrochen. Selbst wenn wir uns passiv wähnen, tut sich doch etwas – hat es für uns Folgen. Wenn ich etwas absichtlich tue, kommt nur ungefähr dabei heraus, was ich mir vorstellte. Keine Praxis ist so genau wie das Denken. Ich kann deswegen nicht aufgrund rein von…

Wie heute alles eine Frage der Macht ist

Ich bin noch sehr katholisch erzogen worden von meiner Großmutter, die selber, weil sie die Beichte fürchtete, nie in die Kirche ging, so wenig wie sonst irgendjemand in meiner Familie. Ich dagegen wurde, nicht zuletzt aus Preisgründen, fast 10 Jahre auf ein katholisches Internat gesteckt und war als Teenager jeden morgen in der Messe. Die…

Walter Benjamins Begriff der Geschichte

Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der…

BENJAMINS SPRACHBEGRIFF stellt eigentlich die gesamte seitherige Sprachphilosophie heraus als Verirrung.

Benjamin möchte wohl sagen, dass die Sprache sich zur Welt eher wie ein Teil zum Ganzen verhält, daher nicht dessen Spiegel sein kann (nichts reflektiert). Wenn ich etwas sage, besteht dessen Witz nicht darin, dass etwas weiter geschieht oder erhellt; Sprechen wird bedeutend nicht durch etwas, für das es ein-, sondern mit dem es zusammensteht….

Wittgensteins Utopie

Man kann einen alten Stil gleichsam in einer neuen Sprache wiedergeben; ihn sozusagen neuaufführen in einer Weise, die unserer Zeit gemäß ist. Man ist dann eigentlich nur reproduktiv. Das habe ich beim Bauen getan. – Was ich meine, ist aber nicht ein neues Zurechstutzen eines alten Stils. Man nimmt nicht die alten Formen & richtet…

Fiat-Geld als Begriff schlechthin

Die Börsen sausen mal talwärts in atemberaubendem Tempo. Wer immer dort investiert ist, verliert sein Vermögen. Auch der Preis des angeblichen Rettungsankers Gold wird mit in die Tiefe gerissen. Bei gleizeitig explodierender physischer Nachfrage und Engpässen bei Prägeanstalten und Edelmetallhändlern. Man kann Gold also nirgends kaufen, gleichzeitig aber fällt der Preis – unentwegt. Wie ist…

R|EVOLUTION DURCH VIREN

Unser heutiger Leib wurde, befragt man den Fachverstand der Virologen, sachte zur Quelle menschlichen Bewußtseins durch den ständigen Einfluss | Einbau von Viren und entwicklet sich kraft ihrer immer noch weiter – in unvorstellbare Dimensionen (Deleuze lässt grüßen). Selbst der Aids-Virus wird solcherart eingemeindet mit der Zeit und Bestandteil einer unerhörten Zusammenstellung, die sich mit…

Goethes Facebook

“Sollte es nicht möglich sein, daß eine ein für allemal gebetene Gesellschaft, sich täglich, bald in größerer, bald in kleinerer Zahl, in meinem Hause zusammen fände? Jeder käme und bliebe nach Belieben, könnte nach Herzenslust Gäste mitbringen. Die Zimmer sollten von sieben Uhr an immer geöffnet, erleuchtet, Thee und Zubehör reichlich bereit sein. Man triebe…

Der Irrtum der Emanzipation

Wenn ich die Treppe hinunterfalle, ist das etwas anderes, als wenn ich sie hinuntergehe. Im zweiten Fall lebt mein Wille, ist’s eine Tat, nicht nur Geschehen. Was unterscheidet eine Tat von Geschehen? Dass Tuen, denke ich, immer auch unterbleiben könnte. Wenn ich handele, mache ich etwas, das missglücken oder aussetzen kann – das ich mich…

Das Hauptanliegen des neoliberalen Denkkollektivs scheint es, Zweifel und Unwissenheit in der Bevölkerung zu säen

Der Eingeweihte findet Unwissenheit gut, befördert sie doch die Niederlage politischer Gegner, die Gesundheit des Kosmos und den Triumph der neoliberalen Marktgesellschaft. Friedrich August von Hayek, der geistige Vater des Neoliberalismus, verachtete Wissenschaftler und Experten, die er für bezahlte Apologeten hielt. In seinen Augen war es unmöglich, die Klugheit des einzelnen zu fördern. In Der…

Lego-Wittgenstein

1 Die Welt besteht aus Lego-Bauten.1.1 Die Welt ist die Gesamtheit der Lego-Bauten, nicht der Legosteine.1.11 Die Welt ist durch Lego-Bauten bestimmt und dadurch, dass es alle Lego-Bauten sind.1.12 Denn die Gesamtheit der verbauten Steine bestimmt, welche Bauten es gibt und welche es nicht gibt.1.13 Die Bauten aus Lego-Steinen sind die Welt.1.2 Die Welt zerfällt…

Begabung

In einer so hoch entwickelten Menschheit, wie die jetzige ist, bekommt von Natur jeder den Zugang zu vielen Talenten mit. Jeder hat angeborenes Talent, aber nur wenigen ist der Grad von Zähigkeit, Ausdauer, Energie angeboren und anerzogen, so daß er wirklich ein Talent wird, also wird, was er ist, das heißt: es in Werken und Handlungen entladet.

Vom Wesen der Identität

In seiner WISSENSCHAFT DER LOGIK hat Hegel etwas Ultimatives zu sagen über das, was uns je besonders macht, unsere IDENTITÄT: daß sie darin besteht, Trennung als solche zu sein oder in der Trennung wesentlich, d. i. nichts für sich, sondern Moment der Trennung zu sein. II, 42 Damit meint er, dass Identität keine Eigenschaft ist,…

Wesen des Christentums nach Hegel

Da nun der Mensch überhaupt dieser Prozeß ist, die Negation des Unmittelbaren zu sein und aus dieser Negation zu sich selbst, zu seiner Einheit zu kommen, so soll er also seinem natürlichen Wollen, Wissen und Sein entsagen. Dieses Aufgeben seiner Natürlichkeit wird angeschaut in Christi Leiden und Tod und in seiner Auferstehung und Erhebung zur…

Wie spricht man eine Katze an

Nachdem ich die Cats-Verfilmung gestern gesehen habe, geht mir die Abschluss-Song nicht aus dem Kopf (ich kannte das Musical vorher kaum). Das Lied heißt auf deutsch “Wie spricht man ein Katze an” und ist wohl ein Gedicht von T. S. Eliot. Ich finde es brilliant. Die alte Katze Deuteronimus richtet sich ans Publikum, um ihm…

Emanzipation vergrössert den Klimafußabdruck

Philosophien, welche den Klimawandel fördern, sind jene der Emanzipation, der Befreiung von Zwängen und der größtmöglichen Ausübung spontaner Macht. Der Körper und seine Bedürfnisse spielen die Hauptrolle. Was sein Zunehmen, seine Äußerungen hemmt, ist abzulehnen. Inbegriff dieser Funktion ist das Auto: das “authentische” Kraftgefühl, welches einem der Druck aufs Gaspedal vermittelt. Philosophen vom Gegenpol sind…

Frei macht einen erst das Trauma des Misserfolgs . . .

. . . denn wie sonst ist es überhaupt möglich, die Erfahrung echter Ungebundenheit zu machen? Was anders als Demütigung vermöchte einen zu lösen von den substantiellen Vorstellungen, die man über sich hegt? Mit dem Hinschmelzen derselben erst wird eine Person frei von allem, was sie festlegte. Dies Bewußtsein hat die Furcht des Todes, des…

Abgeschiedenheit ist besser als Liebe

Die Lehrer loben gar gewaltig die Liebe, wie zum Beispiel Sankt Paulus mit den Worten: »Was ich auch üben mag, habe ich nicht Liebe, so habe ich gar nichts.« Ich aber lobe die Abgeschiedenheit mehr als alle Liebe. Zum ersten darum, weil das Gute an der Liebe ist, dass sie mich zwingt, Gott zu lieben….

Identität geht vorüber

Ehrgeiz ist der Tod des Denkens, denn er pocht auf das Ich und dessen dessen Besitztümer: Theorien, Vorstellungen, Träume, Urteile, Wissensstücke – Inbegriff von Identität. Ist aber Identität nicht ein Trugbild? Klar, zwei Steine z. B. können nicht identisch sein, sonst wär’ es einer. Dass aber ein Ding mit sich selbst identisch sein soll, ist…

Dionysos

Den Griechen war deshalb das geschlechtliche Symbol das ehrwürdige Symbol an sich, der eigentliche Tiefsinn innerhalb der ganzen antiken Frömmigkeit. Alles einzelne im Akte der Zeugung, der Schwangerschaft, der Geburt erweckte die höchsten und feierlichsten Gefühle. In der Mysterienlehre ist der Schmerz heilig gesprochen: die »Wehen der Gebärerin« heiligen den Schmerz überhaupt, – alles Werden und Wachsen, alles Zukunft-Verbürgende bedingt den…

Wesen der Wahrheit

Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen. MENSCHLICHES ALLZUMENSCHLICHES Das Leben kein Argument. – Wir haben uns eine Welt zurechtgemacht, in der wir leben können – mit der Annahme von Körpern, Linien, Flächen, Ursachen und Wirkungen, Bewegung und Ruhe, Gestalt und Inhalt: ohne diese Glaubensartikel hielte es jetzt keiner aus zu leben! Aber damit…

Grausamer Grund der Kreativität

. . . das Sein der endlichen Dinge als solches ist, den Keim des Vergehens als ihr Insichsein zu haben; die Stunde ihrer Geburt ist die Stunde ihres Todes. – HEGEL Logik Dionysos: Sinnlichkeit und Grausamkeit. Die Vergänglichkeit könnte ausgelegt werden als Genuß der zeugenden und zerstörenden Kraft, als beständige Schöpfung. – NIETZSCHE Wille zur…

Hass auf die Einsamen

Ungerechtigkeit und Schmutz werfen sie nach dem Einsamen: aber mein Bruder, wenn du ein Stern sein willst, so mußt du ihnen deshalb nicht weniger leuchten! Und hüte dich vor den Guten und Gerechten! Sie kreuzigen gerne die, welche sich ihre eigne Tugend erfinden – sie hassen den Einsamen. ALSO SPRACH ZARATHUSTRA

Was ist also Wahrheit?

Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen, kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die, poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem Gebrauche einem Volke fest, kanonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind, Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind, Münzen,…

Was den Menschen vom Tier unterscheidet

. . . und wenn die gesamte Natur sich zum Menschen hindrängt, so gibt sie dadurch zu verstehen, daß er zu ihrer Erlösung vom Fluche des Tierlebens nötig ist und daß endlich in ihm das Dasein sich einen Spiegel vorhält, auf dessen Grunde das Leben nicht mehr sinnlos, sondern in seiner metaphysischen Bedeutsamkeit erscheint. Doch…

Der Intellekt als Mittel zur Erhaltung des Individuums entfaltet sein Hauptkräfte in der Verstellung

. . . denn diese ist das Mittel, durch das die schwächeren, weniger robusten Individuen sich erhalten, als welchen einen Kampf um die Existenz mit Hörnern oder scharfem Raubtier-Gebiß zu führen versagt ist. Im Menschen kommt diese Verstellungskunst auf ihren Gipfel: hier ist die Täuschung, das Schmeicheln, Lügen und Trügen, das Hinter-dem-Rücken-Reden, das Repräsentieren, das…

Der gemütliche Atheismus der DDR

Es gibt eine verblüffende Stelle in Nietzsches ANITCHRIST (10): “Der protestantische Pfarrer ist Großvater der deutschen Philosophie, der Protestantismus selbst ihr peccatum originale [ihre Erbsünde]. Definition des Protestantismus: die halbseitige Lähmung des Christentums – und der Vernunft …” IMHO hatte das von Nietzsche beklagte deutsche Programm – der Säkularisierung im Kielwasser des Protestantismus – seine…

Der Ernst des Handwerks

Redet nur nicht von Begabung, angeborenen Talenten! Es sind große Männer aller Art zu nennen, welche wenig begabt waren. Aber sie bekamen Größe, wurden »Genies« (wie man sagt), durch Eigenschaften, von deren Mangel niemand gern redet, der sich ihrer bewußt ist: sie hatten alle jenen tüchtigen Handwerker-Ernst, welcher erst lernt, die Teile vollkommen zu bilden,…

Etappen zur Überwindung des Nihilismus

Nackt hatte ich einst Beide gesehn, den grössten Menschen und den kleinsten Menschen: allzuähnlich einander, allzumenschlich auch den Grössten noch! Von da an sind alle meine Schriften Angelhaken: vielleicht verstehe ich mich so gut als jemand auf Angeln? … Wenn Nichts sich fing, so liegt die Schuld nicht an mir. Die Fische fehlten. Wir aber…

Todestrieb

Das Jasagen zum Leben selbst noch in seinen fremdesten und härtesten Problemen; der Wille zum Leben im Opfer seiner höchsten Typen der eignen Unerschöpflichkeit frohwerdend – das nannte ich dionysisch, das verstand ich als Brücke zur Psychologie des tragischen Dichters. Nicht um von Schrecken und Mitleiden loszukommen, nicht um sich von einem gefährlichen Affekt durch…

Identität ist einer Funktion der Schwäche

Daß die Lämmer den großen Raubvögeln gram sind, das befremdet nicht: nur liegt darin kein Grund, es den großen Raubvögeln zu verargen, daß sie sich kleine Lämmer holen. Und wenn die Lämmer unter sich sagen »diese Raubvögel sind böse; und wer so wenig als möglich ein Raubvogel ist, vielmehr deren Gegenstück, ein Lamm – sollte…

Nur das Unnatürliche kann die Natur zur Preisgabe ihrer Geheimnisse zwingen

Es giebt einen uralten, besonders persischen Volksglauben, dass ein weiser Magier nur aus Incest geboren werden könne: was wir uns, im Hinblick auf den räthsellösenden und seine Mutter freienden Oedipus, sofort so zu interpretiren haben, dass dort, wo durch weissagende und magische Kräfte der Bann von Gegenwart und Zukunft, das starre Gesetz der Individuation, und…

Naivität des Wissenschaftlers

Jede Zeit hat ihre eigene göttliche Art von Naivetät, um deren Erfindung sie andre Zeitalter beneiden dürfen: – und wie viel Naivetät, verehrungswürdige, kindliche und unbegrenzt tölpelhafte Naivetät liegt in diesem Überlegenheits-Glauben des Gelehrten, im guten Gewissen seiner Toleranz, in der ahnungslosen schlichten Sicherheit, mit der sein Instinkt den religiösen Menschen als einen minderwerthigen und…

Logik des Traums

Freud soll irgendwann aufgehört haben, Nietzsche zu lesen, weil es ihn demotivierte, seine Theorie fortzubauen. Vielleicht hat er ihn aber heimlich doch gelesen und dann nurmehr ausgedeutet. Der 13 Aphorismus in Menschliches Allzumenschliches, in welchem Nietzsche beschreibt, wie und warum wir träumen, ist eines des bemerkenswertesten Zeugnisse deutscher Luzidität: “Im Schlafe ist fortwährend unser Nervensystem…

Das Ungriechische im Christentum

Die Griechen sahen über sich die homerischen Götter nicht als Herren und sich unter ihnen nicht als Knechte, wie die Juden. Sie sahen gleichsam nur das Spiegelbild der gelungensten Exemplare ihrer eignen Kaste, also ein Ideal, keinen Gegensatz des eignen Wesens. Man fühlt sich miteinander verwandt, es besteht ein gegenseitiges Interesse, eine Art Symmachie. Der…

Persönliche Notwendigkeit des Unglücks

…alles, was mit dem Unglück verbunden sein kann, kümmert den lieben Mitleidigen nicht: er will helfen und denkt nicht daran, daß es eine persönliche Notwendigkeit des Unglücks gibt, daß mir und dir Schrecken, Entbehrungen, Verarmungen, Mitternächte, Abenteuer, Wagnisse, Fehlgriffe so nötig sind wie ihr Gegenteil, ja daß, um mich mystisch auszudrücken, der Pfad zum eigenen…

Wer nicht genau sieht, sichert sich einen Vorsprung

Herkunft des Logischen. – Woher ist die Logik im menschlichen Kopfe entstanden? Gewiß aus der Unlogik, deren Reich ursprünglich ungeheuer gewesen sein muß. Aber unzählig viele Wesen, welche anders schlossen, als wir jetzt schließen, gingen zugrunde: es könnte immer noch wahrer gewesen sein! Wer zum Beispiel das »Gleiche« nicht oft genug aufzufinden wußte, in betreff der…

P. Bowles HIMMEL ÜBER DER WÜSTE

Da wir nicht wissen wann wir sterben werden, sehen wir das Leben wie einen unerschöpflichen Brunnen. Und doch geschieht alles nur wenige Male. Unsere Erlebnisse wiederholen sich nur sehr selten. Wie oft noch wirst du dich an einen Nachmittag in deiner Kindheit erinnern? Einen Nachmittag, der sich so tief in dein Wesen eingeprägt hat, das…

Arbeitswerttheorie als Weiterung des Christentums

Die Arbeitswerttheorie behauptet, dass die Quelle des Wertes einer Ware ausschließlich rührt aus der Arbeit eines Menschen, der ihr gegenüber lebt – nicht also etwa eines Toten, der z. B. eine Maschine gebaut oder erfunden hat, oder eines Tieres, einer Naturkraft; die leisten alle keine Arbeit im Sinne der Arbeitswerttheorie. Weder Tiere noch tote Menschen,…

Wittgensteins Fluß-Metapher

„Man könnte sich vorstellen, daß gewisse Sätze von der Form der Erfahrungssätze erstarrt wären und als Leitung für die nicht erstarrten, flüssigen Erfahrungssätze funktionierten; und daß sich dieses Verhältnis mit der Zeit änderte, indem flüssige Sätze erstarrten und feste flüssig würden. // Die Mythologie [i. e. die unbezweifelten Sätze] kann wieder in Fluß geraten, das Flußbett…

Warum der Mensch sich unterwerfen muss

“Der Mensch ist ein Tier, das, wenn es unter anderen seiner Gattung lebt, einen Herrn nötig hat. Denn er mißbraucht gewiß seine Freiheit in Ansehung anderer seinesgleichen … Er bedarf also eines Herrn, der ihm den eigenen Willen breche und ihn nötige, einem allgemeingültigen Willen, dabei jeder frei sein kann, zu gehorchen” IMMANUEL KANT

Hegels Philosophie in zwei Sätzen

Es kömmt nach meiner Einsicht, welche sich durch die Darstellung des Systems selbst rechtfertigen muß, alles darauf an, das Wahre nicht als Substanz, sondern ebensosehr als Subjekt aufzufassen und auszudrücken. Zugleich ist zu bemerken, daß die Substantialität sosehr das Allgemeine oder die Unmittelbarkeit des Wissens als diejenige, welche Sein oder Unmittelbarkeit für das Wissen ist,…

Hegels Haupt-Gedanke

In der Tat hat das nicht spekulative Denken sein Recht, das gültig. PHÄNOMENOLOGIE DES GEISTES 61 Der tägliche Verstand reicht aus, um sein Leben zu bewältigen. Treibt man, was er sagt, auf die Spitze, wird man geistreich. In seiner unbestimmten Unmittelbarkeit ist . . . [das Sein] nur sich Selbst gleich und auch nicht ungleich…

Hegel als Psychoanalytiker

Wenn dann weiter bei löblichen Leistungen anderer, um dieselben zu verkümmern, von Heuchelei gesprochen wird, so ist dawider zu bemerken, daß der Mensch sich zwar im einzelnen verstellen und manches verbergen kann, nicht aber sein Inneres überhaupt, welches im decursus vitae unfehlbar sich kundgibt, dergestalt daß auch in dieser Beziehung gesagt werden muß, daß der…

Hegels Vernunft

Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig heißt es in der PHILOSOPHIE DES RECHTS. Der Satz kann zu einem kolossalen Missverständnis bis hin zur Ablehnung Hegels schlechthin führen. Um ihn zu deuten, sollte man Hegels tiefsinnige Verwendung des Begriffes “Vernunft” nachvollziehen – als das Vermögen, letzte Wahrheit aus dem…

Von der Persönlichkeit der Dinge – Hegels originelle Ontologie

Die Stelle, welche Hegels gesamte Philosophie zusammenfasst, steht in der Vorrede zur PHÄNOMENOLOGIE DES GEISTES: Es kömmt nach meiner Einsicht . . . alles darauf an, das Wahre nicht als Substanz, sondern ebensosehr als Subjekt aufzufassen und auszudrücken. Zugleich ist zu bemerken, daß die Substantialität sosehr das Allgemeine oder die Unmittelbarkeit des Wissens als diejenige,…

Zur Innigkeit von Liebe und Begriff

Die Liebe ist daher der ungeheuerste Widerspruch, den der Verstand nicht lösen kann, indem es nichts Härteres gibt als diese Punktualität des Selbstbewußtseins, die negiert wird und die ich doch als affirmativ haben soll. GRUNDLINIEN DER PHILOSOPHIE DES RECHTS § 158 Der Verliebte macht einen Strich durch seine Person. Er verleiht dem Geliebten mehr Bedeutung…

Raum und Zeit als primärer Verblendungszusammenhang – Hegels Kritik der Erfahrung

Erst nehmen wir die Dinge wahr, wie sie in Raum und Zeit erscheinen, dann stellen wir Überlegungen zu ihnen an – glaubt man heut’ in der Regel und denkt nicht weiter darüber nach. Bestenfalls hält man noch die Meinung für richtig, durch Geistesanstrengungen würde der erste Eindruck nachträglich frisiert und ein ideologisches (notwendig falsches) Bild der Wirklichkeit erzeugt. Hegel erkennt das…

Vom wirklichen Ende der Geschichte

Für Hegel besteht die Geschichte in einer mählichen Zunahme und Entfaltung von Freiheit, allerdings nicht im liberalen oder romantischen Sinn der Besiegung gesellschaftlicher Einflüsse. Hegels Freiheit hat nichts Ursprüngliches, sondern entspringt der Befragung des unmittelbaren Eindrucks der Welt, weil der Mensch als Geist nicht ein Unmittelbares ist, sondern wesentlich ein in sich Zurückgekehrtes. Diese Bewegung…

Freiheit ist etwas Positives – Hegels Kritik der Auflehnung

Nach Hegel heißt das erhabendste Ziel des Lebens FREIHEIT. Sie geht einher mit Vernunft, welche einsetzt durch Überwindung des Selbstbewusstseins. Selbstbewußtsein verdankt sich zunächst der Anerkennung, zerfällt aber, indem diese prekär wird, in die Gesinnungen des Herren und des Knechtes. Die Furcht, welche den Unterlegenen der beiden in Knechtschaft hält und daran hindert, sein Leben…

Singularität kann nie besonders, nur allgemein sein

Die Singularität ist kein Paradigma, sondern Anzeichen des Widerspruchs. Je mehr wir das Allgemeine zurückweisen gegenüber dem Besondere, desto verhafteter bleibt es diesem. Sie sind unterschiedliche Seiten derselben Medaille. Der Weg zu echter Einmaligkeit aber führt nur über das Allgemeine. Denn indem wir dieses durchdenken bis zum Ende, stoßen wir auf den Widerspruch als unhinterfragbaren…

Marx’ Abweichung ins bürgerliche Lager

Laut Marx entstammen die Veränderungen in der menschlichen Geschichte nicht dem Streben nach immer mehr Freiheit, sondern einem Kampf um Güter zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Materielle Bedingungen und nicht Ideale treiben uns zum Handeln. Hegels Philosophie liefert den Grund für ein politisches Programm der Befreiung durch den Widerspruch und nicht infolge seiner Überwindung. Die freie…

Gesellschaftlicher Fortschritt – Aufgabe der Philosophie nach Hegel

Um noch über das Belehren, wie die Welt sein soll, ein Wort zu sagen, so kommt dazu ohnehin die Philosophie immer zu spät. Als der Gedanke der Welt erscheint sie erst in der Zeit, nachdem die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß vollendet und sich fertig gemacht hat. Dies, was der Begriff lehrt, zeigt notwendig ebenso die Geschichte,…

Gegen totale Demokratie – Hegels radikales Plädoyer für den Monarchen

Dieses “Ich will” macht den großen Unterschied der alten und modernen Welt aus, schreibt Hegel in den GRUNDLINIEN DER PHILOSOPHIE DES RECHTS (449) und so muss es in dem großen Gebäude des Staates seine eigentümliche Existenz haben. Leider aber wird die Bestimmung nur als äußere und beliebige angesehen. “Ich will” steht hier für den Monarchen,…

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – Hegels “ontologische Tatsachen”

Gleichheit und Solidarität entspringen dem ontologischen Spannungsgrund des Widerspruchs. Wenn es überhaupt keine spontanes Selbst, keinen Ur-Grund gibt, Stolz zu empfinden, und alles, was uns danach ausmacht, verstrickt ist in sein Gegenteil, trifft und vereint das alle Menschen. Es ist die Isolation ohne die Basis eines verbürgten Selbsts, die der einzelne mit seinesgleichen teilt. Sie…

Vom Paradies auf Erden

Widerspruch prägt das Wesen einer Gesellschaft und ist der Treibsatz hinter jeder ihrer Bewegungen. Wer das nur erkennt, versteht auch die Fruchtbarkeit solcher Grundspannung. Ihre Unbedingtheit leitet Hegels politische Vorstellungen. Sie setzen nicht auf Äußerlichkeiten, um den Widerspruch zu bewältigen. Erst wenn [das Subjekt] . . . die Hoffnung aufgegeben, auf eine Äußerliche, d. h….

Der reaktionäre Respekt vor anderen Kulturen

Die tolle Hochachtung vor “Kulturen” hat etwas Touristisches und ist womöglich das eigentlich abzuschüttelnde Erbe des Kolonialismus. Oft im Gewand von Befreiungs-Anliegen, liefert sie den Vorwand für eher bedrückende gesellschaftliche Beziehungen. Ungleichheit geht zurück auf die Ablehnung von Universalität und Feier des Unterschieds. Sobald man sich abwendet vom Allgemeingültigen dem Besonderen zuliebe, verlässt man den…

Rassissmus

In seiner ÄSTHETIK (I 456-7) äußert sich Hegel über die Kunst der Ägypter: Die Aufgaben bleiben ungelöst, und die Lösung, die wir geben können, besteht deshalb auch nur darin, die Rätsel der ägyptischen Kunst und ihrer symbolischen Werke als diese von den Ägyptern selbst unentzifferte Aufgabe aufzufassen. Er macht mit anderen Worten keinen Unterschied zwischen…

“Das Wahre ist das Ganze.”

Die wahre Gestalt, in welcher die Wahrheit existiert, kann allein das wissenschaftliche System derselben sein, heißt es in der PHÄNOMENOLOGIE, ein sogenannter Grundsatz oder Prinzip der Philosophie, wenn es wahr ist, schon darum auch falsch ist, weil er Grundsatz oder Prinzip ist. Nur die Vorstellung eines umfassenden Systems ohne Anfangsgrund ermöglicht es Hegel, die Unausweichlichkeit…

Warum nur der Staat uns frei machen kann

Als Einrichtung, die Grenzen setzt, stellt der Staat die ultimative Freiheit sicher, findet Hegel. Man muss sehen, wie er zu diesem Schluss kommt, um nicht anders zu können, als ihm recht zu geben. Das stärkste Missverständnis, was sich der richtigen Erkenntnis sofort in den Weg schiebt, kommt vom Bild des “totalitären Staates”, der seine Kinder…

Links <> Rechts

Die linke Gesinnung besteht im Aufzeigen und Einbeziehen von Schönheitsfehlern, welche die Rechte überschminken oder wegbrennen möchte.  Die ultrarechte Fantasie stellt sich dazu eine Radikaloperation vor durch Namhaftmachung und Ausstoßung von Verantwortlichen – die bürgerliche begnügt sich mit Lenkung von in die Quere Kommendem durch entsprechende Gesetzgebung. Die Radikalen erleben, was nicht zusammengeht, unversöhnlicher: als Angehörige einer anderen Rasse  oder Minderheit, der vernichtet werden muss. Die radikale Rechte sehnt…

Deleuzes Film-Philosophie

Deleuze liefert keinen Leitfaden für spannende Geschichten, da er Konfliktscheu predigt. Die unhinterfragte Grundannahme von Deleuzes Philosophie besteht in der Vorrangigkeit des Unterschieds: die Welt begegnet uns zuerst nicht als dieser oder jener Gegenstand, sondern als Vielfalt, bewegt und vermehrt von einer lebensfreundlichen Kraft. Konflikt ist die Folge einer äußeren Störung dieses Überschwangs, nicht seiner…

Derrida als Verfechter des Glaubens

Why the controversy? Because the genius of Derrida lay in brushing against the grain. He showed the left that Enlightenment “reason” was to a great extent an historical construction, a more scrupulous account of which would have to include a lot more about faith, contingency and context. He showed the right that “tradition” was also…

Wir müssen reden . . .

“Wenn der Dialog der letzte Ausweg ist, ist die Situation nicht mehr zu retten.” – Davila “Und wenn dich jemand eine Meile nötigt, so geh mit ihm zwei.” – Matth. 5:41

Negation

NEIN betrifft immer etwas. Hat es daher wie genießen oder zögern keinen eigenen, sondern verfeinert nur einen bestehenden Inhalt? Oder salzt es ihn eher ein = zombiefiziert nein einen Inhalt? Bestand darin das Essen vom Baum der Erkenntnis? Wenn z. B. ein Partner auf einmal sagt: “Ich habe nie daran gedacht, dich zu verlassen” –…

Wesen der Häresie

Eine Häresie ist immer eine Vereinfachung von etwas – im Grunde – Zweifachen, die Ausblendung des Gegenteils. Gott z. B. ist allmächtig sowie sterblich, Vater und Sohn zugleich. Der Herätiker vergöttert das eine Moment einer Polarität auf Kosten des anderen. Dem Dekonstruktivismus liegt am Aufheben der Häresie durch Herausarbeitung des Gegenteils.

Greisenalter

“Viel richtiger schätzt Plato das Greisenalter glücklich, sofern es den bis dahin uns unablässig beunruhigenden Geschlechtstrieb endlich los ist. Sogar ließe sich behaupten, daß die mannigfaltigen und endlosen Grillen, welche der Geschlechtstrieb erzeugt, und die aus ihnen entstehenden Affekte, einen beständigen, gelinden Wahnsinn im Menschen unterhalten, so lange er unter dem Einfluß jenes Triebes oder…

Ewiges Leben

6.4312 Die zeitliche Unsterblichkeit der Seele des Menschen, das heißt also ihr ewiges Fortleben nach dem Tode, ist nicht nur auf keine Weise verbürgt, sondern vor allem leistet diese Annahme gar nicht das, was man immer mit ihr erreichen wollte. Wird denn dadurch das Rätsel gelöst, daß ich ewig fortlebe? Ist denn dieses ewige Leben…

Die Lüge des Sokrates

“‘Ihr seid alle Brüder’, soll den Menschen erzählt werden, ‘den geborenen Herrschern unter euch aber ist wertvolles Gold beigemischt, den Kadern Silber, den übrigen Eisen und Erz. Meist werdet ihr euch ähnliche Kinder erzeugen, manchmal aber auch aus Gold einen silbernen Nachkommen, aus Silber einen eisernen und so fort. Immer sollen deswegen die Herrscher auf…

Über Gewissheit

Warum bin ich denn so sicher, daß das meine Hand ist? Beruht nicht auf dieser Art Sicherheit das ganze Sprachspiel? Oder: Ist in dem Sprachspiel diese »Sicherheit« nicht (schon) vorausgesetzt? Dadurch nämlich, daß der es nicht spielt, oder falsch spielt, der Gegenstände nicht mit Sicherheit erkennt. Wenn Einer mir sagte, er zweifle daran, ob er…

Grundlosigkeit der Skepsis

Wenn einer Zweifel in mir immer aufrufen wollte und spräche: da täuscht dich dein Gedächtnis, dort bist du betrogen worden, dort wieder hast du dich nicht gründlich genug überzeugt, etc., und ich ließe mich nicht erschüttern und bliebe bei meiner Gewißheit – dann kann das schon darum nicht falsch sein, weil es erst ein Spiel…

Wittgenstein und Deleuze

Jene Philosophen, die hiezu mir das Interessanteste mitzuteilen haben, sind – via Spinoza – Wittgenstein und Deleuze, vor allem aufgrund von drei Merkmalen, die sie teilen: 1 – Zurückweisung, was die Mittel des Denken betrifft, des Übersinnlichen oder Unanschaulichen 2 – Philosophie als Wagnis – nicht Verwaltung oder Weitergabe bekannter, sondern Herausdenken abenteuerlicher, der Überlieferung…

Spinozas Gefühle

Spinoza geht davon aus, jeder von uns brauche Energie, um zu überleben, und macht das menschliche Wesen in der Kraft ausfindig, über welche es verfügt. Das ist neu und originell, man liest schnell darüber hinweg. Unser Wesen besteht m. a. W. (nach Spinoza) nicht darin, dass wir denken oder eine Seele haben, sondern dass wir…

Virtue and Romance: Allan Bloom on Jane Austen and Aristotelian Ethics

Bemerkenswerter Aufsatz über die Möglichkeit von Liebe & Freundschaft in den Romanen Jane Austens von Mary Beth Garbitelli, adjunct instructor of English at the University of Southern Maine. Within Allan Bloom’s last book, Love and Friendship, stands a chapter on Jane Austen’s Pride and Prejudice.1 The chapter is short—just over seventeen pages in length—but that it exists at…

Nietzsches Affinität zur Kirche

“Der protestantische Pfarrer ist Großvater der deutschen Philosophie, der Protestantismus selbst ihr peccatum originale [ihre Erbsünde]. Definition des Protestantismus: die halbseitige Lähmung des Christentums – und der Vernunft …” Der Antichrist 10 Im Streit um die Rechtfertigungslehre zwischen Luther und Papst, ergreift Nietzsche entschieden Partei für den Papst: “Vor allem und zuerst die Werke! Das heißt Übung, Übung, Übung!…

Warum wir auf die eine oder andere Art heute alle tätowiert sind

Der Mensch ist frei, kann zwar nicht immer, aber häufig tun und lassen, was er will. Wenn ich aber das eine tue, muss ich dafür das andere lassen. Mein Fähigsein, das so zum Ausdruck kommt, kann sich weder dem verdanken, was ich tue, noch dem, was ich lasse; denn beide mussten sich ja nach ihm…

Hegel über emotionale Intelligenz

Wenn sonst die leere Möglichkeit, sich etwas auf eine andere Weise vorzustellen, hinreichte, um eine Vorstellung zu widerlegen, und dieselbe bloße Möglichkeit, der allgemeine Gedanke, auch den ganzen positiven Wert des wirklichen Erkennens hatte, so sehen wir hier ebenso der allgemeinen Idee in dieser Form der Unwirklichkeit allen Wert zugeschrieben, und die Auflösung des Unterschiedenen…

Hegel: Entwicklung durch Widerspiel

Es ist übrigens nicht schwer, zu sehen, daß unsre Zeit eine Zeit der Geburt und des Übergangs zu einer neuen Periode ist. Der Geist hat mit der bisherigen Welt seines Daseins und Vorstellens gebrochen und steht im Begriffe, es in die Vergangenheit hinab zu versenken, und in der Arbeit seiner Umgestaltung. Zwar ist er nie…

Hegel übers Rechtbehalten

Wenn auch jener Teil, es sei durch die Kraft der Wahrheit allein oder auch durch das Ungestüm des andern, zum Stillschweigen gebracht ist, und wenn er in Ansehung des Grunds der Sache sich überwältigt fühlte, so ist er darum in Ansehung jener Forderungen nicht befriedigt, denn sie sind gerecht, aber nicht erfüllt. Sein Stillschweigen gehört…

Selbstmord – besser als Mord?

Man steht als Mensch ohne Ausnahme vor der Frage, ob man sein Leben “autonom” im eigenen oder “heteronom” im Sinne von etwas führt, das einen bestimmt. Diese Entscheidung muss auf jeden Fall getroffen werden, und zumindest modern drängt sie in die erste Richtung: es gibt nichts Löblicheres, als Herr oder Frau im eigenen Haus zu…

Der unmögliche Wunsch

DIE SEHNSUCHT IST ÜBERWÄLTIGEND, die mir aus den meisten Beiträgen von FB-Freunden entgegenschlägt. Signalisieren hauptsächlich Unzufriedenheit mit der Welt – selbige befinde sich “immer noch nicht” in dem Zustand, den sie haben sollte. Der Ton der Klagen nährt mein Vermuten, dass jene, die sie ausstoßen, mit nichts zufrieden wären, das diese Welt zu liefern hätte….