Die Überholung der Schildkröte

Lacan meint, Achilles überhole die Schildkröte „im Realen“, Blondel dasselbe, wenn er von „der Tat“ redet, die etwas fertigbringt, was die reine Berechnung nicht schafft. Der Grenzwert der Unedlichkeitsrechnung ist eine fiktionale, also „nicht bestehende“ oder „nichtige“ Größe.
Lacan und seine Gefolgschaft (Derrida …) nimmt das dann an der Unendlichkeit der Signifikantenreihe auseinander und wundert sich, dass sie nichts feststellen kann, während Wittgenstein meint, dass das Entscheidende eben ungesagt bleiben muss – was aber nur möglich ist, wenn man etwas sagt und – dadurch – ausschweigt.

Wie das geht, zeigt mir der Stil Stifters, der eine nicht zu übertreffende Intensität durch eine merkwürdige Pedantik erreicht, die, darauf kommt es an, sehr viel ungesagt lässt. Sowieso vollendet sich jede Sprache, jeder Text im Ungesagten, auf das es eigentlich ankommt. Am meisten aber wirft dann die Methode ab, die möglichst viel ungesagt lässt, was, denke ich, der sprödere Stil besser erreicht als der blumige (der Nietzsche oft schwer zu lesen macht).

Ist mir eingefallen, weil ich gerade einen kleinen Jugendroman korrekturlese, der zumindest stilistisch sehr von Stifter beeinflusst ist. Die oberflächlich trockenen Passagen sind wesentlich intensiver als jene, die zu viel beschreiben und gekürzt werden müssen.
Übrigens raten auch die Werbepsychologen, sich möglichst ungenau auszudrücken, wenn man etwas suggerieren möchte. Ein Werbetext überzeugt umso weniger, je genauer er wird.

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