Ferrero Hegel

Zunächst eine Stelle aus der Vorrede Hegels zu seiner Phänomenologie des Geistes: Denn die Sache ist nicht in ihrem Zwecke erschöpft, sondern in ihrer Ausführung, noch ist das Resultat das wirkliche Ganze, sondern es zusammen mit seinem Werden; der Zweck für sich ist das unlebendige Allgemeine, wie die Tendenz das bloße Treiben, das seiner Wirklichkeit…

Das Wesen der Magersucht oder der Todestrieb Slavoj Žižeks

Gemütlich erscheint das vorbewusste Streben, fort und fort zu bestehen, in jener Idee, die Trieb heißt. Da nun von allem, was uns bewusst ist, sein Gegenteil vorstellbar sein muss, zerfällt auch der Trieb in die Gegensätze Lebens- und Todestrieb. Diese widersprechen sich nicht, sondern sind begriffliche Kehrseiten derselben organischen Bewegung, welche in ihnen protoideologisch wirkt….

Der Schüchterne weiß etwas . . .

. . . das der Nicht-Schüchterne nicht weiß: dass unser Selbst sich nämlich nicht darstellen lässt – dass es Schwachsinn höheren Grades erfordert, nicht schüchtern zu sein – dass gerade die Unvertretbarkeit unseres Selbsts der einzige Anhaltspunkt ist, den wir für seine Bedeutung haben.

Warum es keine Psychosynthese gibt, nur Psychoanalyse

Die Psychoanalyse versöhnt mit dem Halbfertigen, predigt die Erlösung durch Abstieg. In dem Entdecken seines Zerfallenseins erlebt sich das Selbst neu als Mensch. Der psychoanalytische Abbau würdigt das Stückwerk – nicht die Glätte – als Wesen des Daseins. Wittgenstein in den Philosophischen Untersuchungen 107: “Je genauer wir die tatsächliche Sprache betrachten, desto stärker wird der…

Das Wesen der Postmoderne . . .

. . . ist weniger der Relativismus, als die Betonung des Unausgesprochenen. Damit überhaupt etwas gesagt wird, kann nie alles ausgesprochen werden. Der postmoderne Vormarsch erinnert an den notwendig verschwiegenen Teil jeder Bedeutung, das Zwischendenzeilen, den Staub, der übrig bleibt, nachdem saubergemacht wurde.

Felix Culpa

“So braucht der Christ Ironie, um den Teufel zu züchtigen”, lese ich gerade bei Hamann, ein merkwürdiger deutscher Autor und Freund Immanuel Kants, der sich Sorgen um dessen Seelenheil machte, während dieser Hamann für unbedacht hielt. Hamann fasste Gott als einen Ironiker auf, der sich “sabbernd” seiner Schöpfung nähert, um, so maskiert, diese zu sich…

Platos Gastmahl – letzter Satz

“Und zwar zuerst sei Aristophanes eingeschlafen, dann aber, als es schon heller Tag war, auch Agathon. Sokrates aber sei, nachdem er sie so in den Schlaf geredet, aufgestanden und fortgegangen . . .”

Dreifaltigkeit

Bei der Vorbereitung meines im übrigen in Deutschland einmaligen Seminars “Erfolgreich Fernsehkrimis schreiben” bin ich im Werk der sehr erfolgreichen Krimi-Klassikerin und Theoretikerin, aber auch Dante-Übersetzerin und Theologin Dorothy Sayers, einer so hässlichen wie leidenschaftlichen Frau, auf den merkwürdigsten und inspirierendsten Titel “Homo Creator” (auf Deutsch) gestossen: Sayers Deutung der Dreifaltigkeit – die, wie ich…

Was ist Denken?

Ludwig Wittgenstein BEMERKUNGEN ÜBER DIE PHILOSOPHIE DER PSYCHOLOGIE Ich suche mir wieder irgendeinen Eintrag nach Zufall heraus: 184 – und tippe ohne Verständnis: “Wir können natürlich sein ‘Denken’ von der Tätigkeit nicht trennen. Das Denken ist eben keine Begleitung der Arbeit; so wenig wie der denkenden Rede.” Hier geht es wohl, nehme ich mal an,…

Hegels & Wittgensteins Kernpunkte

HEGEL fasst sein ganzes Denken inmitten der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes zusammen in folgendem Satz:  ‚Es kömmt nach meiner Einsicht, welche sich durch die Darstellung des Systems selbst rechtfertigen muß, alles darauf an, das Wahre nicht als Substanz, sondern ebensosehr als Subjekt aufzufassen und auszudrücken.‘  WITTGENSTEIN sagt an ähnlich versteckter Stelle mitten in der…

Goethe über Gott

»Wenn man die Leute reden hört,« sagte Goethe, »so sollte man fast glauben, sie seien der Meinung, Gott habe sich seit jener alten Zeit ganz in die Stille zurückgezogen, und der Mensch wäre jetzt ganz auf eigene Füße gestellt und müsse sehen, wie er ohne Gott und sein tägliches unsichtbares Anhauchen zurechtkomme.  In religiösen und…

Nietzsches philosophisches Programm

Mein neuer Weg zum »Ja«. – Philosophie, wie ich sie bisher verstanden und gelebt habe, ist das freiwillige Aufsuchen auch der verabscheuten und verruchten Seiten des Daseins. Aus der langen Erfahrung, welche mir eine solche Wanderung durch Eis und Wüste gab, lernte ich Alles, was bisher philosophirt hat, anders ansehn: – die verborgene Geschichte der Philosophie, die Psychologie…

Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.

Das Leben kein Argument. – Wir haben uns eine Welt zurechtgemacht, in der wir leben können – mit der Annahme von Körpern, Linien, Flächen, Ursachen und Wirkungen, Bewegung und Ruhe, Gestalt und Inhalt: ohne diese Glaubensartikel hielte es jetzt keiner aus zu leben! Aber damit sind sie noch nichts Bewiesenes. Das Leben ist kein Argument;…

Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind?

. . . schreibt Paulus im Ersten Korintherbrief – eine bemerkenswerte Feststellung, denn Glieder sind nicht Mitglieder, keines gleicht dem anderen. Jeder Mensch ist – als “Glied Christi” – also unersetzlich, nicht kraft seiner Individualität, sondern als Bestandteil von etwas Größerem, dem sonst seine Vollkommenheit abgehen würde. Wir Menschen wären dann gleich kraft unseres Beitrags,…

Der Ernst des Handwerks

Redet nur nicht von Begabung, angeborenen Talenten! Es sind große Männer aller Art zu nennen, welche wenig begabt waren. Aber sie bekamen Größe, wurden »Genies« (wie man sagt), durch Eigenschaften, von deren Mangel niemand gern redet, der sich ihrer bewußt ist: sie hatten alle jenen tüchtigen Handwerker-Ernst, welcher erst lernt, die Teile vollkommen zu bilden,…

Träume sind Zahnschmerzen

Ludwig Wittgenstein ist sicher der Philosoph, der am meisten über Zahnschmerzen nachdenkt. Sie werden unentwegt herangezogen als Beispiel für „innere Zustände“. Insofern stehen sie auf derselben Ebene wie z. B. Absichten, Vorstellungen, Gedanken, Erinnerungen, Hoffnungen, Meinungen, welche sich alle – wie Zahnschmerzen – von Häusern, Autos, Wolken oder Pferden dadurch unterscheiden, dass man sie z….

Heraklit

Ein Philosoph, den ich so ganz wie gar nicht verstehe und, obwohl eigentlich anderes dran wäre, im Kopf herumwälze. Hier der sagenhafte 50te Satz seiner Fragmente: „Habt ihr nicht mich, sondern mein Wort vernommen, ist es weise zuzugestehen, dass alles eins ist.“ Deutung 1: Indem wir sprechen, macht alles Sinn. Deutung 2: Wenn ich rede,…

Wittgenstein über das Denken

Man könnte sagen: in allen Fällen meint man mit “Gedanke” das Lebende am Satz. Das, ohne welches er tot, …eine bloße Lautfolge oder Folge geschriebener Figuren ist. Wenn ich aber ebenso von einem Etwas spräche, welches einer Konfiguration von Schachfiguren Bedeutung gibt, d.h., sie von einer beliebigen Zusammenstellung von Holzklötzchen unterscheidet, was könnte ich da…

Französische Philosophen in einem Satz

LACAN ortet im Unter|Bewußtsein keine Erlebnisse, sondern Deutungen. FOUCAULT steckt jede Epoche der abendländischen Geschichte ab als Bewußtseins- oder Wissensblase, die bestimmte Dinge auf Kosten anderer sicht- und aussprechbar macht. DERRIDA baut vor allem Widersprüche ab, welche das westliche Denken verzerren, indem sie einer Seite eines dialektischen Begriffspaares mehr Rechte vor ihren Gegenteil einräumen. DELEUZE…

WITTGENSTEINS ANLIEGEN

Ludwig Wittgenstein ist der bedeutendste Philosoph der Neuzeit. Ihm ist an der Überwindung der auf Plato und Aristoteles zurückgehenden und die Weltweisheit der letzten 2.000 Jahre prägenden Vorstellung gelegen, dass wir als Menschen einer Außenwelt gegenüberstehen, welcher wir uns durch „Werkzeuge“ des Denkens bemächtigen. Eine die Welt und ihre Verhältnisse handhabende Philosophie, die berechnet und begründet,…

DIE ILLUSION DES FORTSCHRITTS

Wittgenstein will die herkömmliche Philosophie des Gegenständlichen und seiner Berechnung ersetzen durch eine Philosophie spontaner Bedeutung und Besinnlichkeit. Die Philosophie der Berechnung entspringt der Auffassung, der Mensch stehe der Welt gegenüber und bediene sich seiner Vorstellung, um ihre Verhältnisse zu deuten und handzuhaben. Wittgenstein weist nach, dass unser Sein in der Welt nicht auf ihrer…

WOVON MAN NICHT SPRECHEN KANN, DARÜBER MUSS MAN SCHWEIGEN …

So lautet der notorische Schlusssatz der Logisch-philosophischen Abhandlung – Wittgenstein bezieht sich damit auf Ethik, Ästhetik und Logik: Sinnvolle Aussagen lassen sich nur über die Welt treffen, nicht jedoch über das, was diese erschafft oder was in ihrem Kontext nahegelegt wird. „Wenn etwas gut ist, so ist es auch göttlich“, schreibt Wittgenstein in seinen Vermischten…

ENTSCHÄRFUNG DER METAPHYSIK

Wittgensteins stiftet kein eigenes System der Vergegenwärtigung, sondern hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Vergegenwärtigen zu verwinden: die darin liegende Vorstellung einer allem zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeit, deren Nachvollzug den Menschen zum erfolgreichen Verarbeiten von Gegenständen und der Welt bemächtigt. Der Metaphysiker formuliert solche Gesetze im Allgemeinen, bevor sie vom Forscher anschließend „durchgezogen“ und zweckmäßig…

WIE BEDEUTUNG ENTSTEHT

Wittgensteins Vormarsch demonstriert, dass wissenschaftliche Herangehensweisen wie Logik, Mathematik, Naturgesetze usw. Abkömmlinge oder „Abmagerungen“ von etwas Bedeutenderem sind, das in GRAMMATIK, LEBENSFORM und NATURGESCHICHTE sowie im Sinnbild des SPRACHSPIELS zum Ausdruck kommt. Die GRAMMATIK beinhaltet alle Möglichkeiten selbstverständlichen Sprechens und wird durch sonst nichts gerechtfertigt. Sie regelt, was es mit den Dingen auf sich haben…

BEREICHE DER BEDEUTUNG

Wittgenstein philosophiert immanent. Bedeutung kann demzufolge niemals erklärt, also auf etwas Vorgestelltes oder Theoretisches zurückgeführt, sondern nur beschrieben oder erlebbar gemacht werden. Das Besinnliche ist immer phänomenal. Es muss unmittelbar von seiner Erscheinung abgelesen werden. Oder es leuchtet ein infolge einer Neuordnung ursprünglich verwirrender Worte, durch kulturelles Einfühlen (im Fall fremder Rituale) oder die Erinnerung…

RÜCKHOLUNG DES SELBST – Wittgensteins Philosophie der Psychologie

Wittgensteins Neuformulierung des Wesens der Individualität dürfte, sofern sie einmal nachvollzogen wurde, mehr zur geistigen Gesundung Europas und des Westens beitragen als sämtliche parallel vorstellbare Psychotherapien oder ökonomische oder technische Allheilmittel. Wittgensteins Vormarsch gibt die frischeste, unerschrockenste und gesündeste Antwort auf die Fragen „Wer bin ich?“ und „Was ist ein Mensch?“ seit Sokrates. Wittgensteins Spätwerk…

VOM WERT DES RITUALS – Wittgensteins Bemerkungen über Frazers Golden Bough

Wittgenstein wurde schnell mehr von Künstlern geschätzt als von Philosophen, denen er die Rundumerklärung untersagte. Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Peter Handke, alles Wittgensteinianer – ebenso wie der US-Amerikaner David Foster Wallace, der eine vielversprechende Karriere als Mathematiker aufgab, um Schriftsteller zu werden. Der Filmemacher Terrence Malick, vom Studium her ein Philosoph, hat seine Doktorarbeit zwar…

MAN WIRD OFT VON EINEM WORT BEHEXT, ZUM BEISPIEL VOM WORT „WISSEN“ – Wittgensteins Über die Gewissheit

Wittgenstein möchte den Ausdruck „Ich weiß“ für Fälle reservieren, „in denen er im normalen Sprachverkehr gebraucht wird“ – weil, wie er in Über die Sicherheit 482 schreibt, „das ‚Ich weiß‘ keine metaphysische Betonung verträgt.“ Unter „metaphysisch“ versteht er, wie gesagt, „strenge Gewissheit“. Das Sprachspiel mit dem Wort „wissen“ aber sieht keine Superwahrheiten vor. Sie klingen…

„WAS AUF EINER LEITER ERREICHBAR IST, INTERESSIERT MICH NICHT“ – Wittgenstein über das Wunder der Normalität

Die Quelle jeglicher Stimmung und echter Besonderheit liegt für Wittgenstein in der Normalität. „Die für uns wichtigsten Aspekte der Dinge sind durch ihre Einfachheit und Alltäglichkeit verborgen“, schreibt Wittgenstein in den Philosophischen Untersuchungen. „(Man kann es nicht bemerken, – weil man es immer vor Augen hat.) Die eigentlichen Grundlagen seiner Forschung fallen dem Menschen gar…

LEERE STATT STOLZ – Wittgenstein zur idiotischen Identität

In seiner Logisch-philosophischen Abhandlung (Tractatus) verblüfft Wittgenstein  mit folgender Behauptung: „Von zwei Dingen zu sagen, sie seien identisch, ist ein Unsinn, und von Einem [sic!] zu sagen, es sei identisch mit sich selbst, sagt gar nichts.” (Tractatus 5.5303) Klar, zwei Steine zum Beispiel können nie ganz übereinstimmen, es wär’ sonst einer. Dass aber ein Ding…

DER NEUE STIL DES DENKENS

Der späte Wittgenstein denkt nicht abstrakt, sondern in Bildern bzw. Metaphern. Zum Beispiel schreibt er in Zettel 452: „Wie kommt es, dass die Philosophie ein so komplizierter Bau ist? Sie sollte doch gänzlich einfach sein, wenn sie jenes Letzte, von aller Erfahrung Unabhängige, ist, wofür du sie ausgibst. – Die Philosophie löst Knoten auf in…

WITTGENSTEINS PROGRAMM

Das Philosophieren Wittgensteins dreht sich in erster Linie um BEDEUTUNG (Stimmung) und weniger um ERKENNTNIS. „Was ist wahr?“ tritt zurück hinter „Was ist erheblich?“. Es geht Wittgenstein dabei weniger um einen klugen als um einen klaren Kopf. Als Sitz echter Bedeutung umkreist Wittgenstein das menschliche Miteinander, verkörpert im unbedachten Alltag und seiner Sprache, welche Wittgenstein…

WITTGENSTEIN UND HEIDEGGER / BUDDHISMUS

Unter den Philosophen kommt als einziger Heidegger an Wittgenstein heran. Was  unterscheidet die beiden noch? Heidegger ist sich wie Wittgenstein unserer unmittelbaren Umgebung und deren selbstverständlicher Verläufe als Sitz und Quelle echter Bedeutung oder Stimmung bewusst. Als trainierter Philosoph fragt er sich jedoch, wieso es dies alles – das Universum und seine Möglichkeiten – gibt…

Hegel kann man endlos nachspüren.

Dass er – zumindest mir – nie ganz einleuchtet, lässt mich immer wieder neugierig zu seinen Sätzen zurückkehren. Z. B. folgeden aus der Phänomenologie des Geistes: Die lebendige Substanz ist ferner das Sein, welches in Wahrheit S u b j e k t, oder, was dasselbe heißt, welches in Wahrheit wirklich ist, nur insofern sie…

Selbstfindung nach Kierkegaard

In Sygdommen til Døden (Krankheit zum Tode) spannt Kierkegaard den Menschen auf zwischen Stolz und Sehnsucht. Die beiden kommen nie zur Deckung: eine verzweifelte Lage, welche das Dasein verdirbt. Der Menschen ist nach Kierkegaard auf jeden Fall entzwei – nicht, weil er etwas verkehrt gemacht hat, sondern weil er so zur Welt kommt: zum Verzweifeln….

Liebe ist nicht Freundschaft

Da sie auf Unterschieden beruht. Deswegen verträgt Liebe auch – im Gegensatz zur Freundschaft – den Verrat, wird von ihm sogar angestachelt. Der Feindschaft der Liebe ist das Gleiche. Wir verlieben uns nicht in Menschen, die sind wie wir, sondern in solche, die etwas haben, das uns abgeht. Das Christentum weiß mehr davon als andere…

Zukunft ohne Sex

Mich beschäftigt gerade eine Science Fiction-Idee: in der Zukunft wird ein Körper aus der Antike gefunden. Er stammt aus dem Jahr 2.000 n. Chr. – aber für die Menschen der Zukunft, die ewig leben, ist das die Antike. Der alte Körper liegt in einem Wachkoma, wird seit Urzeiten künstlich intakt gehalten. Mit einem Bildgebungsverfahren gelingt…

Wiederholung

DAS IST ALLES SCHON EINMAL PASSIERT, UND ES WIRD ALLES WIEDER PASSIEREN – hatte mir als Kind Lust auf das Märchen gemacht, welches dieser Einleitung folgte. Später fallen wir jemandem ins Wort, der uns eine Geschichte erzählt, die wir schon kennen. Die Person schweigt, beschämt, und etwas Totes steht im Raum. Was würde man ihr…

DER LETZTE DEUTSCHE Glosse von Botho Strauß | Deutung

Der Debattenbeitrag wurde am 2. Oktober 2015 im SPIEGEL veröffentlicht und anschließend in den Feuilletons der deutschen Zeitungen, wie ich fand, eher unverständig rezensiert. Ich liefere deswegen hier m|eine Deutung, die – Abschnitt für Abschnitt – den Haupt-Gedanken Strauß’ nachzeichnet und würdigt. “Manchmal habe ich das Gefühl, nur bei den Ahnen noch unter Deutschen zu…

Seelische Vorgänge

Die tiefsinnigste Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen hab‘ ich bis heute bei Ludwig Wittgenstein gelesen – in seinen Philosophischen Untersuchungen, Abschnitt 332 (wie alles Tiefsinnige nicht gleich zu verstehen, aber ich schiebe Deutungen nach): „,Denken‘ nennen wir wohl manchmal, den Satz mit einem seelischen Vorgang begleiten, aber ‚Gedanke‘ nennen wir nicht…

Deutsche vs. französische Philosophie

Die Rivalität zwischen Deutschland und Frankreich entspringt dem Dreißigjährigen Krieg und der aus ihm erwachsenen Überkompensation kriegsbedingter Armut und Provinzialität in Deutschland durch Verachtung des französischen Lebensstils. Die Protagonisten der Aufklärung in Frankreich entstammten dem Adel, während in Deutschland sich die Romantik aus wesentlichen ärmeren sozialen Schichten speiste, was beitrug zur Verachtung des angeblichen französischen Materialismus…

„Der tiefe Aspekt entschlüpft leicht.“ Philosophische Untersuchungen 387

Wittgenstein Philosophische Untersuchungen 129: „Die für uns wichtigsten Aspekte der Dinge sind durch ihre Einfachheit und Alltäglichkeit verborgen. (Man kann es nicht bemerken, – weil man es immer vor Augen hat.) Die eigentlichen Grundlagen seiner Forschung fallen dem Menschen gar nicht auf. Es sei denn, daß ihm dies einmal aufgefallen ist. – Und das heißt: das, was,…

Gedanken sind etwas Organisches

Man könnte sagen: in allen Fällen meint man mit “ Gedanke” das Lebende am Satz. Das, ohne welches er tot, …eine bloße Lautfolge oder Folge geschriebener Figuren ist. Wenn ich aber ebenso von einem Etwas spräche, welches einer Konfiguration von Schachfiguren Bedeutung gibt, d.h., sie von einer beliebigen Zusammenstellung von Holzklötzchen unterscheidet, was könnte ich…