Der gemütliche Atheismus der DDR

Es gibt eine verblüffende Stelle in Nietzsches ANITCHRIST (10): “Der protestantische Pfarrer ist Großvater der deutschen Philosophie, der Protestantismus selbst ihr peccatum originale [ihre Erbsünde]. Definition des Protestantismus: die halbseitige Lähmung des Christentums – und der Vernunft …”

IMHO hatte das von Nietzsche beklagte deutsche Programm – der Säkularisierung im Kielwasser des Protestantismus – seine Vollendung in der DDR erfahren in einem auf der Welt einmaligen, unbelehrbaren, volkstümlichen Atheismus, dessen Weiterungen wie Selbstgerechtigkeit, Besserwisserei und Gefühlskälte uns wohl heute noch zu schaffen machen. Es handelt sich dabei, wohlgemerkt, um kein „DDR-Problem“. Der Osten ist deutsch, durch und durch, hat unser Erbe nur auf seinen tauben Höhepunkt geführt.

Ich komme dazu nochmal auf Nietzsches Polemik gegen Luther: “Dieser Mönch, mit allen rachsüchtigen Instinkten eines verunglückten Priesters im Leibe, empörte sich in Rom gegen die Renaissance …“ (Genealogie der Moral I, 16) Auch die Dialektik der Aufklärung fühlt eher das Problem heraus, als es namhaft machen zu können.

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