Warum Facebook mehr Feinde als Freunde (imgrunde gar keine Freunde) schafft.

The imaginary register, nahm ich gestern in einer akademischen Hördatei wahr, was successfully toxified . . . Herrlich schräger Satz, der aber dann doch viele Gedankenverbindungen bei mir auslöste.
 
Der Sprecher wollte wohl sagen, dass leider das “Gesichtsfeld tabu” sei in der Ideologiekritik, um die es in dem Beitrag ging. Ideologiekritik wiederum setzt Täuschungen oder “Lügen” auseinander, die unsere Wahrnehmung verzerren. Hier steht als erster Urheber das Gesichtsfeld in Verdacht, also die Tatsache, dass wir die Welt andauernd zusammenhängend sehen, wenn wir die Augen öffnen, nicht das Gefühl haben, die würde zerfallen oder auseinanderstreben. Das geht nur, wenn wir von vielem in ihr absehen, und darin liegt dann “Ideologie”.
 
Gemeint könnte sein, denke ich mal, dass wir z. B. einen Gegenstand, indem wir ihn betrachten, nie von allen Seiten zugleich, sondern immer nur die Vorder-ohne-Rückseite sehen (wenn wir ihn umrunden, wird die Rück- zur Vorderseite und umgekehrt usf.). Die Wirklichkeit tritt dadurch in unseren Gesichtssinn, dass wir – teilweise – von ihr absehen. Erst durch diesen unheilbaren ideologischen Schnitt geht sie uns etwas an.
Was aber verursacht die Auffassung oder Verzerrung? Eben das, würde ich spekulieren, was man vorhat. Man sieht die Welt und die Dinge immer hinsichtlich dessen, was man “als nächstes” ihr “antun” möchte. Nur das dafür Nötige weckt und komponiert den Blick. Deswegen ist man ja z. B. auch immer etwas beunruhigt, wenn jemand anderer einen bemerkt. Vor Menschen, heißt es, die wissen, welche Augenfarbe man hat, gilt es sich in acht zu nehmen.
 
Der Blick ist immer interessiert, handhabend. Während das Gehör – vergleichsweise – teilnimmt, nichts gleich ausrichten, sondern anwesend sein möchte.
 
Alles, was sich über den Gesichtssinn vermittelt, hat daraus McLuhan abgeleitet, wirkt deswegen auf uns wie ein Vorstoß. Also z. B. auch jeder Text – wenn er dann auch noch länger wird, wie dieser – löst weniger oder gar keine Geneigtheit aus, sondern den Wunsch, sich seinem “Angriff” zu entziehen. Einfach, weil er uns über das Auge erreicht.
 
Was uns hingegen über das Ohr erreicht, wirkt vergleichsweise inniger. Im Rahmen der sozialen Medien spielt das Ohr nur kaum eine Rolle. Ihre Erfinder haben vielmehr ihren angriffslustigen, augenbasierten Kommunikationsstil populär oder endemisch gemacht – texting und Fotos statt Töne – und damit etwas erzeugt, was wir gut in FB beobachten können: ein allgegenwärtiges Gefühl der Bedrohung sowie den Reflex, sich dagegen zu verteidigen. Aus diesem Grund, nehme ich an, tritt über Beiträge und Kommentare keine Kommunikation in Kraft ohne das Ziel, irgendwie “Beute zu machen”, Dinge zu “deichseln” statt etwa einzuräumen.
 
Wer Freunde sucht, kann sie in sozialen Medien, weil das Auge hier über das Ohr herrscht, nicht finden. Denn der Gesichtssinn – aufgereizt durch Bilder und zusammengezogen in allem Geschriebenen – ist feindsinnig.
 
Man müsste, will man Kontakte pflegen oder vertiefen, wohl aufs Telefon umsteigen und, wenn man den gesellschaftlichen Frieden wiederherstellen möchte, die an den Gesichtssinn gerichteten Komponenten der Kommunikation zurückfahren. Sie zerstören vieles!