Die Frau gibt es nicht . . .

. . . ist der herausfordernder Witz von Lacans quantischer „Formel der Sexuierung“.
 
Was er damit aber eigentlich sagen will: Männer tragen Toupets – Frauen Schminke.
 
Was ist der Unterschied?
 
Das Toupet will über etwas hinwegtäuschen, die Schminke stellt etwas vor. Schminke ist insofern ehrlicher im Hinblick auf einen Mangel als Toupet.
 
Aber wieso existiert die Frau deswegen nicht?
 
Lacan versteht unter „Mann“ und „Frau“ nicht in erster Linie die Körper, sondern Bewußtseins-Stile, die eben zum Ausdruck kommen durch Verwendung (im übertragenen Sinne) von „Toupet“ oder „Schminke“.
 
Es kann also auch körperlich ausgewiesen „Männer“ geben, die „geschminkt“ sind – oder „Frauen“, die „Toupets“ tragen. Eine Form der männliche „Schminke“ wäre dann zum Beispiel der Hut, der eine Glatze sowohl signalisiert wie versteckt (etwa bei Udo Lindenberg), eine weibliches „Toupet“ wäre etwa der Nimbus der Powerfrau (den z. B. Madonna oder Amal Clooney verstrahlt).
 
Der psychoanalytische Ausdruck für „Glatze“ wäre „Kastration“, die man verstehen muss als Gegenstück zur Frustration. Eine Frustration kann behoben werden, eine Kastration kann man nur – wie eine Verkrüpplung – verstecken oder übertönen.
 
Die psychoanalytische Weltsicht geht davon aus, dass wir alle kastriert sind: an einer unaufhebbaren Wunde leiden, weil wir z. B. sterben müssen. Und die „männliche“ Gesinnung mag sich nicht damit abfinden.
 
Lancan drückt das in logischen Zeichen aus. Sie bedeuten (links): Alle Männer sind kastriert, außer einem – (rechts): Nicht eine Frau ist nicht kastriert, deswegen bleibt es allen erspart.
 
„Alle Männer sind kastriert, außer einem“ meint: die männliche Gesinnung fantasiert, dass es „einen“ gibt, der nicht kastriert ist (das Geheimnis des Erfolges z. B. von Donald Trump). Nicht nur biologische Männer fantasieren das, auch biologische Frauen, wenn sie sich etwa den oder einen Mann als allmächtigen Patriarchen vorstellen.
 
„Nicht eine Frau ist nicht kastriert, deswegen bleibt es allen erspart“ beschreibt dagegen – nach Lacan – ein mit sich ins Reine gekommenes Bewusstsein: dass seine Mängel nur mehr schminkt, nicht mehr verleugnet.
 
„Schminke“ oder „Toupet“ sind wiederum ein anderes Wort für die Sprache, das in ihr verfasste Denken und öffentliche Sein. Wer hier nun das „Theater“ eher mitmacht, „existiert nicht“ oder weniger, als jener, der’s für bare Münze nimmt. Deswegen „gibt es die Frau nicht“. Nach Lacan.
 
Wie komme ich auf dieses Thema – gerade jetzt? Die Quotendiskussion & Ermächtigung der biologischen Frauen bringt mich darauf. Denn sie ist männlich verfasst in dem Sinn, in dem es sich dabei um eine Toupet-Nummer handelt. Die Protagonistinnen sind noch verblendet in dem Wahn und einige gewiss auch unbelehrbar wie ihre Vorbilder, bestimmte Männer (im Vorstand von Wirecard . . .).
 
Eine wirklich kastrierte Frau war in letzter Zeit dagegen Andrea Nahles. Sie ist viel näher an die Wirklichkeit geraten als andere Politikerinnen, und ich finde interessant, wie Kevin Kühnert sich nun an sie erinnert. Man wird sie schon wieder zurückholen wollen, denn sie sieht inzwischen klarer, was es wirklich auf sich hat mit der Welt und dem Mangelwesen Mensch in ihrer Mitte.

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