Vergangenheitsbewältigung

Die Amerikaner und Engländer verstehen ihre Oligarchien als Wiege der Demokratie. Deutschland musste folglich besessen gewesen sein von etwas Vormodernem, als es mit ihnen in Krieg geriet. Bei dieser Auffassung scheint es mir bis heute geblieben zu sein, auch im Kopf der deutschen Eliten. Es gibt national nichts, auf dem man aufbauen, nur eine Vergangenheit, vor der man sich hüten möchte. Was aber, wenn Deutschland ebenso modern war wie die Alliierten? Es hätte dann in demselben Geist gehandelt wie sie. Und würde wenigstens taugen als abschreckendes Beispiel. Dem soll aber nicht so sein. Man kann als Nichtdeutscher aus dem deutschen Schicksal nichts lernen, eben weil es ein rein deutsches Problem ist. Als Deutscher wiederum muss man deswegen wie ein trockener Alkoholiker auf der Hut sein, dass es einen nicht wieder erwischt. Auch bei Enkeln kann das noch der Fall sein – und deren Kindern. Das ist alles, was von einem verlangt wird. Und ist doch nun wirklich nicht zuviel verlangt. Wer als Deutscher dazu nicht die Nerven oder Demut hat, flüchtet ins Ausland und lebt dort als Dissident, die Heimat mit kritischen Augen beobachtend und kommentierend. Das ist schon das meiste.

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