Misshandelte Frauen haben mehr Söhne als Töchter

Einer Untersuchung der Forscherin Satoshi Kanazawa zufolge haben misshandelte Frauen, die mit gewalttätigen Männern zusammen sind, signifikant mehr Söhne als Töchter.

(Der Befund ist so krass, dass ich hier mal genau auf die Quelle zeige, die ihn dokumentiert: Journal of Theoretical Biology. Band 239, Nummer 4, April 2006, S. 450–459. Ich verlinke zusätzlich auf den Abstract in ScienceDirect, eine durch den niederländischen Verlag Elsevier betriebene wissenschaftliche Online-Datenbank.)

Die Beobachtung Satoshis ist konsistent mit einer verallgemeinerten Formulierung des sog. „Trivers-Willard-Prinzips“. Letztlich kommt es bei diesem Prinzip darauf an, welche Männer aus der Sicht der Frauen einen guten Reproduktionserfolg versprechen. Dies können aus evolutionsbiologischer Sicht auch aggressive Männer sein, weil über die längste Zeit der Evolution des Menschen aggressive Männer eine höhere Chance auf erfolgreiche Fortpflanzung hatten. Die Söhne aggressiver Männer, die tendenziell auch selbst aggressiver sind, „erben“ diesen Vorteil. Gemäß dem verallgemeinerten Trivers-Willard-Prinzip lohnt sich für eine Frau mit einem aggressiven Partner die Aufzucht von Söhnen.

Das Trivers-Willard-Prinzip geht davon aus, dass Männer mit guten (materiellen) Ressourcen bessere Chancen bei Frauen haben, da diese Väter für ihre Kinder bevorzugen, die deren Überleben sichern können.

Deswegen lohnt es sich im besonderen für Mütter mit hohem Status, Söhne zu haben, weil ihr männlicher Nachwuchs mit großer Wahrscheinlichkeit eine geeignete Partnerin finden wird. Wenn dagegen eine Mutter mit niedrigem Status in männlichen Nachwuchs investiert, muss sie davon ausgehen, dass der Sohn bei der Partnersuche dennoch keine oder eine geringe Chance hat, eine geeignete Partnerin zu finden.

Für Töchter gilt dies nicht im selben Maß. Die Fortpflanzungschancen von Mädchen werden vor allem durch Jugendlichkeit und Gesundheit maximiert, was durch eine gute Pflege gefördert werden kann, während Ressourcen wie Status, Geld und Einfluss bei Mädchen eine geringere Rolle spielen. Deswegen profitiert eine Frau mit niederem Status biologisch gesehen mehr von Töchtern als von Söhnen.

Für Frauen mit hohem Status sind Töchter dagegen eher von Nachteil, da sie später auch mit Mädchen auch aus niedrigeren Statusklassen konkurrieren müssen, was die Chancen des Reproduktionserfolgs verringert.

Danach sollten statushöhere Eltern eher in die Aufzucht von Jungen investieren, statusniedrigere dagegen eher in die Aufzucht von Mädchen.

Gilt natürlich nur für den Fall einer erwünschten Fortpflanzung, also Weitergabe der Gene.

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