Würzburg

Wenn ich heute auf meinem Kassettenrekorder ältere Musik höre, muss ich an meine Studentenzeit in Würzburg damals denken, wo ich sie aufgenommen habe. Ich lebte in einem kleinen Zimmer von 10 qm, wo ich die meiste Zeit über Kafka und Broch schwitzte. In der Universität hatten wir Fußbodenbeläge aus Kunstfaser, die Strom zuweilen durch den…

Mit der Hand geschrieben

Ich komme von der Arbeit nach Haus, da tritt ein junger Mann auf mich zu. Unverschämt erkundigt er sich nach den Umständen meines Lebens, doch bald finde ich Gefallen an meinem Gerede. Wir kommen auf die Leute zu sprechen. Ich gebe ihm meine präzise Definition meiner Freunde und Bekannten. Z. B. Frau K., die jeden…

Karl Philipp Moritz

ANTON REISER Wie groß ist die Seligkeit der Einschränkung, die wir doch aus allen Kräften zu fliehen suchen! Sie ist wie ein kleines glückliches Eiland in einem stürmischen Meere; wohl dem, der in ihrem Schoße sicher schlummern kann, ihn weckt keine Gefahr, ihm drohen keine Stürme. Aber wehe dem, der von unglücklicher Neugier getrieben, sich…

A Vision of the Last Judgement

Error is Created. Truth is Eternal. Error, or Creation, will be Burned up, & then, & not till Then, Truth or Eternity will appear. It is Burnt up the Moment Men cease to behold it. I assert for My Self that I do not behold the outward Creation & that to me it is hindrance…

Wintermärchen (III, 3)

BÖHMEN, EINE WÜSTE GEGEND AM MEER (Antigonus kommt mit einem Bündel, dass ein Baby enthält, welches er aussetzen soll) ANTIGONUSKomm, armes Kind: –Ich hörte wohl, doch glaubt’ ich’s nicht, die GeisterVerstorbner gingen um: wenn’s wahr, erschien mirHeut nacht wohl deine Mutter, denn kein TraumGleicht so dem Wachen. Zu mir kommt ein Wesen,Das Haupt bald rechts,…

Nächtlicher Ausgang

Unser Dorf liegt in den Feldern, weiter draußen aber steht das Haus des Schrankenwärters. Seine Schmalheit, seine drei Stockwerke, seine Vereinzelung lassen es wie einen Turm erscheinen. In drei Tagen wird die Ernte eingebracht, jetzt hört man noch den Wind im reifen Kornfeld. Kurz bevor wir schlafen müssen, wollen wir noch den Abendzug sehen. Die…

Frank O’Connor DIE KÖNIGSKINDER

Ich habe nie begriffen, was an den Romanen von Charles Dickens übertrieben sein sollte. Bis heute kann ich die Geschichte irgendeines Straßenjungen lesen, der in Armut und Elend aufwächst und sich als verschollener Sproß einer Königsfamilie herausstellt, ohne mich im geringsten darüber zu wundern. Mir kommt das ganz natürlich vor. Als Mutters Liebling wurde mir…

Arbeitswerttheorie als Weiterung des Christentums

Die Arbeitswerttheorie behauptet, dass die Quelle des Wertes einer Ware ausschließlich rührt aus der Arbeit eines Menschen, der ihr gegenüber lebt – nicht also etwa eines Toten, der z. B. eine Maschine gebaut oder erfunden hat, oder eines Tieres, einer Naturkraft; die leisten alle keine Arbeit im Sinne der Arbeitswerttheorie. Weder Tiere noch tote Menschen,…

Das Wesen der Linken

Die linke Gesinnung besteht im Aufzeigen und Einbeziehen von Schönheitsfehlern, welche die Rechte überschminken oder wegbrennen möchte. Die faschistische Fantasie stellt sich dafür eine Radikaloperation vor durch Namhaftmachung und Ausstoßung von Verantwortlichen. Die bürgerliche Rechte begnügt sich noch mit Lenkung von dem, was ihr in die Quere kommt, durch entsprechende (Sozial-)Gesetzgebung. Die radikalen Rechten erleben,…

Wittgensteins Fluß-Metapher

„Man könnte sich vorstellen, daß gewisse Sätze von der Form der Erfahrungssätze erstarrt wären und als Leitung für die nicht erstarrten, flüssigen Erfahrungssätze funktionierten; und daß sich dieses Verhältnis mit der Zeit änderte, indem flüssige Sätze erstarrten und feste flüssig würden. // Die Mythologie [i. e. die unbezweifelten Sätze] kann wieder in Fluß geraten, das Flußbett…

Warum der Mensch sich unterwerfen muss

“Der Mensch ist ein Tier, das, wenn es unter anderen seiner Gattung lebt, einen Herrn nötig hat. Denn er mißbraucht gewiß seine Freiheit in Ansehung anderer seinesgleichen … Er bedarf also eines Herrn, der ihm den eigenen Willen breche und ihn nötige, einem allgemeingültigen Willen, dabei jeder frei sein kann, zu gehorchen” IMMANUEL KANT

Hegels Philosophie in zwei Sätzen

Es kömmt nach meiner Einsicht, welche sich durch die Darstellung des Systems selbst rechtfertigen muß, alles darauf an, das Wahre nicht als Substanz, sondern ebensosehr als Subjekt aufzufassen und auszudrücken. Zugleich ist zu bemerken, daß die Substantialität sosehr das Allgemeine oder die Unmittelbarkeit des Wissens als diejenige, welche Sein oder Unmittelbarkeit für das Wissen ist,…

Hegels Haupt-Gedanke

In der Tat hat das nicht spekulative Denken sein Recht, das gültig. PHÄNOMENOLOGIE DES GEISTES 61 Der tägliche Verstand reicht aus, um sein Leben zu bewältigen. Treibt man, was er sagt, auf die Spitze, wird man geistreich. In seiner unbestimmten Unmittelbarkeit ist . . . [das Sein] nur sich Selbst gleich und auch nicht ungleich…

Hegel als Psychoanalytiker

Wenn dann weiter bei löblichen Leistungen anderer, um dieselben zu verkümmern, von Heuchelei gesprochen wird, so ist dawider zu bemerken, daß der Mensch sich zwar im einzelnen verstellen und manches verbergen kann, nicht aber sein Inneres überhaupt, welches im decursus vitae unfehlbar sich kundgibt, dergestalt daß auch in dieser Beziehung gesagt werden muß, daß der…

Hegels Vernunft

Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig heißt es in der PHILOSOPHIE DES RECHTS. Der Satz kann zu einem kolossalen Missverständnis bis hin zur Ablehnung Hegels schlechthin führen. Um ihn zu deuten, sollte man Hegels tiefsinnige Verwendung des Begriffes “Vernunft” nachvollziehen – als das Vermögen, letzte Wahrheit aus dem…

Von der Persönlichkeit der Dinge – Hegels originelle Ontologie

Die Stelle, welche Hegels gesamte Philosophie zusammenfasst, steht in der Vorrede zur PHÄNOMENOLOGIE DES GEISTES: Es kömmt nach meiner Einsicht . . . alles darauf an, das Wahre nicht als Substanz, sondern ebensosehr als Subjekt aufzufassen und auszudrücken. Zugleich ist zu bemerken, daß die Substantialität sosehr das Allgemeine oder die Unmittelbarkeit des Wissens als diejenige,…

Zur Innigkeit von Liebe und Begriff

Die Liebe ist daher der ungeheuerste Widerspruch, den der Verstand nicht lösen kann, indem es nichts Härteres gibt als diese Punktualität des Selbstbewußtseins, die negiert wird und die ich doch als affirmativ haben soll. GRUNDLINIEN DER PHILOSOPHIE DES RECHTS § 158 Der Verliebte macht einen Strich durch seine Person. Er verleiht dem Geliebten mehr Bedeutung…

Raum und Zeit als primärer Verblendungszusammenhang – Hegels Kritik der Erfahrung

Erst nehmen wir die Dinge wahr, wie sie in Raum und Zeit erscheinen, dann stellen wir Überlegungen zu ihnen an – glaubt man heut’ in der Regel und denkt nicht weiter darüber nach. Bestenfalls hält man noch die Meinung für richtig, durch Geistesanstrengungen würde der erste Eindruck nachträglich frisiert und ein ideologisches (notwendig falsches) Bild der Wirklichkeit erzeugt. Hegel erkennt das…

Vom wirklichen Ende der Geschichte

Für Hegel besteht die Geschichte in einer mählichen Zunahme und Entfaltung von Freiheit, allerdings nicht im liberalen oder romantischen Sinn der Besiegung gesellschaftlicher Einflüsse. Hegels Freiheit hat nichts Ursprüngliches, sondern entspringt der Befragung des unmittelbaren Eindrucks der Welt, weil der Mensch als Geist nicht ein Unmittelbares ist, sondern wesentlich ein in sich Zurückgekehrtes. Diese Bewegung…

Freiheit ist etwas Positives – Hegels Kritik der Auflehnung

Nach Hegel heißt das erhabendste Ziel des Lebens FREIHEIT. Sie geht einher mit Vernunft, welche einsetzt durch Überwindung des Selbstbewusstseins. Selbstbewußtsein verdankt sich zunächst der Anerkennung, zerfällt aber, indem diese prekär wird, in die Gesinnungen des Herren und des Knechtes. Die Furcht, welche den Unterlegenen der beiden in Knechtschaft hält und daran hindert, sein Leben…

Singularität kann nie besonders, nur allgemein sein

Die Singularität ist kein Paradigma, sondern Anzeichen des Widerspruchs. Je mehr wir das Allgemeine zurückweisen gegenüber dem Besondere, desto verhafteter bleibt es diesem. Sie sind unterschiedliche Seiten derselben Medaille. Der Weg zu echter Einmaligkeit aber führt nur über das Allgemeine. Denn indem wir dieses durchdenken bis zum Ende, stoßen wir auf den Widerspruch als unhinterfragbaren…

Marx’ Abweichung ins bürgerliche Lager

Laut Marx entstammen die Veränderungen in der menschlichen Geschichte nicht dem Streben nach immer mehr Freiheit, sondern einem Kampf um Güter zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Materielle Bedingungen und nicht Ideale treiben uns zum Handeln. Hegels Philosophie liefert den Grund für ein politisches Programm der Befreiung durch den Widerspruch und nicht infolge seiner Überwindung. Die freie…

Gesellschaftlicher Fortschritt – Aufgabe der Philosophie nach Hegel

Um noch über das Belehren, wie die Welt sein soll, ein Wort zu sagen, so kommt dazu ohnehin die Philosophie immer zu spät. Als der Gedanke der Welt erscheint sie erst in der Zeit, nachdem die Wirklichkeit ihren Bildungsprozeß vollendet und sich fertig gemacht hat. Dies, was der Begriff lehrt, zeigt notwendig ebenso die Geschichte,…

Sigmund Freud, Zur Psychologie des Gymnasiasten

Man hat ein sonderbares Gefühl, wenn man in so vorgerückten Jahren noch einmal den Auftrag erhält, einen »deutschen Aufsatz« für das Gymnasium zu schreiben. Man gehorcht aber automatisch wie jener ausgediente Soldat, der auf das Kommando »Habt Acht!« die Hände an die Hosennaht anlegen und seine Päckchen zu Boden fallen lassen muß. Es ist merkwürdig,…

Johann Peter Hebel “Die Juden”

Sendschreiben an den Sekretär der Theologischen Gesellschaft zu Lörrach (die wenig bekannt ist) Wenn du, o Zenoides, es ratsam finden solltest, der Theologischen Gesellschaft diese Epistel vorzulesen, so habe ich außer dem Schatten des seligen Ritters Michaelis nicht nur dich, sondern auch sie um Verzeihung zu bitten, wenn ich diesmal mancherlei durcheinander sagen und hie…

Gegen totale Demokratie – Hegels radikales Plädoyer für den Monarchen

Dieses “Ich will” macht den großen Unterschied der alten und modernen Welt aus, schreibt Hegel in den GRUNDLINIEN DER PHILOSOPHIE DES RECHTS (449) und so muss es in dem großen Gebäude des Staates seine eigentümliche Existenz haben. Leider aber wird die Bestimmung nur als äußere und beliebige angesehen. “Ich will” steht hier für den Monarchen,…

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – Hegels “ontologische Tatsachen”

Gleichheit und Solidarität entspringen dem ontologischen Spannungsgrund des Widerspruchs. Wenn es überhaupt keine spontanes Selbst, keinen Ur-Grund gibt, Stolz zu empfinden, und alles, was uns danach ausmacht, verstrickt ist in sein Gegenteil, trifft und vereint das alle Menschen. Es ist die Isolation ohne die Basis eines verbürgten Selbsts, die der einzelne mit seinesgleichen teilt. Sie…

Vom Paradies auf Erden

Widerspruch prägt das Wesen einer Gesellschaft und ist der Treibsatz hinter jeder ihrer Bewegungen. Wer das nur erkennt, versteht auch die Fruchtbarkeit solcher Grundspannung. Ihre Unbedingtheit leitet Hegels politische Vorstellungen. Sie setzen nicht auf Äußerlichkeiten, um den Widerspruch zu bewältigen. Erst wenn [das Subjekt] . . . die Hoffnung aufgegeben, auf eine Äußerliche, d. h….

Der reaktionäre Respekt vor anderen Kulturen

Die tolle Hochachtung vor “Kulturen” hat etwas Touristisches und ist womöglich das eigentlich abzuschüttelnde Erbe des Kolonialismus. Oft im Gewand von Befreiungs-Anliegen, liefert sie den Vorwand für eher bedrückende gesellschaftliche Beziehungen. Ungleichheit geht zurück auf die Ablehnung von Universalität und Feier des Unterschieds. Sobald man sich abwendet vom Allgemeingültigen dem Besonderen zuliebe, verlässt man den…

Rassissmus

In seiner ÄSTHETIK (I 456-7) äußert sich Hegel über die Kunst der Ägypter: Die Aufgaben bleiben ungelöst, und die Lösung, die wir geben können, besteht deshalb auch nur darin, die Rätsel der ägyptischen Kunst und ihrer symbolischen Werke als diese von den Ägyptern selbst unentzifferte Aufgabe aufzufassen. Er macht mit anderen Worten keinen Unterschied zwischen…

“Das Wahre ist das Ganze.”

Die wahre Gestalt, in welcher die Wahrheit existiert, kann allein das wissenschaftliche System derselben sein, heißt es in der PHÄNOMENOLOGIE, ein sogenannter Grundsatz oder Prinzip der Philosophie, wenn es wahr ist, schon darum auch falsch ist, weil er Grundsatz oder Prinzip ist. Nur die Vorstellung eines umfassenden Systems ohne Anfangsgrund ermöglicht es Hegel, die Unausweichlichkeit…

Warum nur der Staat uns frei machen kann

Als Einrichtung, die Grenzen setzt, stellt der Staat die ultimative Freiheit sicher, findet Hegel. Man muss sehen, wie er zu diesem Schluss kommt, um nicht anders zu können, als ihm recht zu geben. Das stärkste Missverständnis, was sich der richtigen Erkenntnis sofort in den Weg schiebt, kommt vom Bild des “totalitären Staates”, der seine Kinder…

Links <> Rechts

Die linke Gesinnung besteht im Aufzeigen und Einbeziehen von Schönheitsfehlern, welche die Rechte überschminken oder wegbrennen möchte.  Die ultrarechte Fantasie stellt sich dazu eine Radikaloperation vor durch Namhaftmachung und Ausstoßung von Verantwortlichen – die bürgerliche begnügt sich mit Lenkung von in die Quere Kommendem durch entsprechende Gesetzgebung. Die Radikalen erleben, was nicht zusammengeht, unversöhnlicher: als Angehörige einer anderen Rasse  oder Minderheit, der vernichtet werden muss. Die radikale Rechte sehnt…

Wesen des Christentums und seine Weiterungen

Das Christentum kann man nicht in eine Reihe mit anderen Religionen stellen, da es keine Gesetze, sondern – an deren Stelle – Liebe predigt. Dadurch wird eine neue Form des Gemeinschaftslebens erfunden. Denn in der Liebe kommt, wer ich bin, zustande erst durch eine Person, die ich nicht bin. Als Liebender bin ich innerlich entzweit,…

Deleuzes Film-Philosophie

Deleuze liefert keinen Leitfaden für spannende Geschichten, da er Konfliktscheu predigt. Die unhinterfragte Grundannahme von Deleuzes Philosophie besteht in der Vorrangigkeit des Unterschieds: die Welt begegnet uns zuerst nicht als dieser oder jener Gegenstand, sondern als Vielfalt, bewegt und vermehrt von einer lebensfreundlichen Kraft. Konflikt ist die Folge einer äußeren Störung dieses Überschwangs, nicht seiner…

Derrida als Verfechter des Glaubens

Why the controversy? Because the genius of Derrida lay in brushing against the grain. He showed the left that Enlightenment “reason” was to a great extent an historical construction, a more scrupulous account of which would have to include a lot more about faith, contingency and context. He showed the right that “tradition” was also…

Selbstverständlich kann ich jede Geschichte spannender machen – sogar ein Fußballspiel

Es gehört zu meinem Job, Geschichten, die mit vorgelegt werden, spannender zu machen. Fast immer lässt sich da mit ein paar Handgriffen viel erreichen. Gestern fragte mich jemand, ob ich es auch schaffen würde, ein Fußballspiel spannender zu machen. Aber sicher doch. Wenn sich die Bundesliga von mir beraten ließe, würde ich ihr nur eine…

Vergangenheitsbewältigung

Die Amerikaner und Engländer verstehen ihre Oligarchien als Wiege der Demokratie. Deutschland musste folglich besessen gewesen sein von etwas Vormodernem, als es mit ihnen in Krieg geriet. Bei dieser Auffassung scheint es mir bis heute geblieben zu sein, auch im Kopf der deutschen Eliten. Es gibt national nichts, auf dem man aufbauen, nur eine Vergangenheit,…

Wir müssen reden . . .

“Wenn der Dialog der letzte Ausweg ist, ist die Situation nicht mehr zu retten.” – Davila “Und wenn dich jemand eine Meile nötigt, so geh mit ihm zwei.” – Matth. 5:41

Spannung | Überraschung

Spannung wie Überraschung sind Gefühle in Anbetracht eines Wechsels, entspringen einer drohenden oder erfolgten Veränderung. Wenn etwas anders werden könnte, ist man gespannt – auf das, was eintreten möchte. Wenn etwas eintrat, ist man überrascht – durch die Ungeheuerlichkeit der neuen im Hinblick auf die vorige Lage. In beiden Fällen bewirkt die – drohende oder…

Demokratie ist keine Volksabstimmung . . .

. . . sondern eine politische Methode oder gewisse Art institutioneller Ordnung, um zu politischen, legislativen und administrativen Entscheidungen zu gelangen. Der Volks-Souveränitäts-Gedanke geht davon aus, dass der Bürger zu jeder Frage weiß, was es will, und Vertreter entsendet, um dies durchzusetzten. An erster Stelle kommt nach dieser Auffassung der “Wille des Volkes”, diesem nach-…

Aktualität im Dichten

Was der beginnende Journalist, wenn er die Feder zum erstenmal in Tinte getaucht hat, unter der Einflüsterung seiner Straßenmuse sofort zu Papier bringt, das vermag der junge Dichter nur sehr schwer auf seiner Laute zum Erklingen zu bringen: das Aktuelle. Die jungen Dichter nehmen stets eine hochgestimmte, aber nach dem Gehör der vorangegangenen Zeit gestimmte…

Buddha nach der netten Fabel . . .

. . . starrt auf seinen fetten Nabel. Beim Wandern durch Pécs erschien uns neulich die Kathedrale. Auf deren Dach: eine Reihe Heiligenfiguren, Ausschau haltend in den Abend. Dringend, nie in sich ruhend, strahlen diese christlichen Standbilder das Gegenteil der weltlosen Heiterkeit östlicher Figuren aus. Später in der Fußgängerzone bei japanischem Whiskey bildeten wir uns…

Pädophilie und Mathematik

Wenn heute ein mittelalter Dekan ein Nymphen-Foto wie Lewis Carroll von der Tochter eines Kollegen machen würde, die ihn zu Alice im Wunderland inspirierte, wäre der Mann mindestens seinen Job los. Der inzwischen tot in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefundene Jeffrey Epstein war – wie Carroll – Mathematiker. Dieses Talent meine ich schon öfters bei…

Negation

NEIN betrifft immer etwas. Hat es daher wie genießen oder zögern keinen eigenen, sondern verfeinert nur einen bestehenden Inhalt? Oder salzt es ihn eher ein = zombiefiziert nein einen Inhalt? Bestand darin das Essen vom Baum der Erkenntnis? Wenn z. B. ein Partner auf einmal sagt: “Ich habe nie daran gedacht, dich zu verlassen” –…

Wesen der Häresie

Eine Häresie ist immer eine Vereinfachung von etwas – im Grunde – Zweifachen, die Ausblendung des Gegenteils. Gott z. B. ist allmächtig sowie sterblich, Vater und Sohn zugleich. Der Herätiker vergöttert das eine Moment einer Polarität auf Kosten des anderen. Dem Dekonstruktivismus liegt am Aufheben der Häresie durch Herausarbeitung des Gegenteils.

Vom Gott der Christen

Den dreifaltigen Gott muss man sich vorstellen wie Eltern, die nach Hause kommen, und entdecken, dass eines ihrer Kinder die anderen umgebracht hat, aber trotzdem versuchen, diese Scharte wieder auszuwetzen. Dieses Auswetzen der Scharte beschreibt die Bibel.

Greisenalter

“Viel richtiger schätzt Plato das Greisenalter glücklich, sofern es den bis dahin uns unablässig beunruhigenden Geschlechtstrieb endlich los ist. Sogar ließe sich behaupten, daß die mannigfaltigen und endlosen Grillen, welche der Geschlechtstrieb erzeugt, und die aus ihnen entstehenden Affekte, einen beständigen, gelinden Wahnsinn im Menschen unterhalten, so lange er unter dem Einfluß jenes Triebes oder…

Vom Heiligen Geist

“Deshalb sage ich: Alle Sünden können den Menschen vergeben werden, selbst die Gotteslästerungen, die sie aussprechen. Wer aber den Heiligen Geist lästert, wird keine Vergebung finden. Wer etwas gegen den Menschensohn sagt, dem kann vergeben werden. Wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Welt noch in der…

Ewiges Leben

6.4312 Die zeitliche Unsterblichkeit der Seele des Menschen, das heißt also ihr ewiges Fortleben nach dem Tode, ist nicht nur auf keine Weise verbürgt, sondern vor allem leistet diese Annahme gar nicht das, was man immer mit ihr erreichen wollte. Wird denn dadurch das Rätsel gelöst, daß ich ewig fortlebe? Ist denn dieses ewige Leben…

Die Lüge des Sokrates

“‘Ihr seid alle Brüder’, soll den Menschen erzählt werden, ‘den geborenen Herrschern unter euch aber ist wertvolles Gold beigemischt, den Kadern Silber, den übrigen Eisen und Erz. Meist werdet ihr euch ähnliche Kinder erzeugen, manchmal aber auch aus Gold einen silbernen Nachkommen, aus Silber einen eisernen und so fort. Immer sollen deswegen die Herrscher auf…

Gogol “Brief an die Zarin”

ACH, IHR ALTEN ZEITEN! Welch eine Freude, welch eine Lust dringt ins Herz, wenn man hört, was vor langer, langer Zeit, deren Jahr und Monat niemand angeben kann, in der Welt geschah! Wenn aber irgendein Verwandter, ein Großvater oder Urgroßvater, in die Geschichte verwickelt ist, so ist es aus: mag mir der Lobgesang auf die…

Über Gewissheit

Warum bin ich denn so sicher, daß das meine Hand ist? Beruht nicht auf dieser Art Sicherheit das ganze Sprachspiel? Oder: Ist in dem Sprachspiel diese »Sicherheit« nicht (schon) vorausgesetzt? Dadurch nämlich, daß der es nicht spielt, oder falsch spielt, der Gegenstände nicht mit Sicherheit erkennt. Wenn Einer mir sagte, er zweifle daran, ob er…

Grundlosigkeit der Skepsis

Wenn einer Zweifel in mir immer aufrufen wollte und spräche: da täuscht dich dein Gedächtnis, dort bist du betrogen worden, dort wieder hast du dich nicht gründlich genug überzeugt, etc., und ich ließe mich nicht erschüttern und bliebe bei meiner Gewißheit – dann kann das schon darum nicht falsch sein, weil es erst ein Spiel…

Paris ojaja

Oja! Auch ich war in Parih Oja! Ich sah den Luver Oja! Ich hörte an der Sehn die Wifdegohle-Rufer Oja! ich kenn die Tüllerien Oja! Das Schöhdepohme Oja! Ich ging von Notterdam a pjeh zum Plahs Wangdohme Oja! Ich war in Sackerköhr Oja! Auf dem Mongmatter Oja! Ich traf am Mongpahnass den Dichter Schang Poll Satter Oja! Ich kenne mein Parih. Mäh wih! Robert Gernhardt

Wittgenstein und Deleuze

Jene Philosophen, die hiezu mir das Interessanteste mitzuteilen haben, sind – via Spinoza – Wittgenstein und Deleuze, vor allem aufgrund von drei Merkmalen, die sie teilen: 1 – Zurückweisung, was die Mittel des Denken betrifft, des Übersinnlichen oder Unanschaulichen 2 – Philosophie als Wagnis – nicht Verwaltung oder Weitergabe bekannter, sondern Herausdenken abenteuerlicher, der Überlieferung…

Spinozas Gefühle

Spinoza geht davon aus, jeder von uns brauche Energie, um zu überleben, und macht das menschliche Wesen in der Kraft oder Fähigkeit ausfindig, über welche es verfügt, um zu handeln oder zu denken. Das ist neu und originell, man liest schnell darüber hinweg. Unser Wesen besteht m. a. W. (nach Spinoza) nicht darin, dass wir…

Virtue and Romance: Allan Bloom on Jane Austen and Aristotelian Ethics

Bemerkenswerter Aufsatz über die Möglichkeit von Liebe & Freundschaft in den Romanen Jane Austens von Mary Beth Garbitelli, adjunct instructor of English at the University of Southern Maine. Within Allan Bloom’s last book, Love and Friendship, stands a chapter on Jane Austen’s Pride and Prejudice.1 The chapter is short—just over seventeen pages in length—but that it exists at…

Nietzsches Affinität zur Kirche

“Der protestantische Pfarrer ist Großvater der deutschen Philosophie, der Protestantismus selbst ihr peccatum originale [ihre Erbsünde]. Definition des Protestantismus: die halbseitige Lähmung des Christentums – und der Vernunft …” Der Antichrist 10 Im Streit um die Rechtfertigungslehre zwischen Luther und Papst, ergreift Nietzsche entschieden Partei für den Papst: “Vor allem und zuerst die Werke! Das heißt Übung, Übung, Übung!…

Warum wir auf die eine oder andere Art heute alle tätowiert sind

Der Mensch ist frei, kann zwar nicht immer, aber häufig tun und lassen, was er will. Wenn ich aber das eine tue, muss ich dafür das andere lassen. Mein Fähigsein, das so zum Ausdruck kommt, kann sich weder dem verdanken, was ich tue, noch dem, was ich lasse; denn beide mussten sich ja nach ihm…

Hegel über emotionale Intelligenz

Wenn sonst die leere Möglichkeit, sich etwas auf eine andere Weise vorzustellen, hinreichte, um eine Vorstellung zu widerlegen, und dieselbe bloße Möglichkeit, der allgemeine Gedanke, auch den ganzen positiven Wert des wirklichen Erkennens hatte, so sehen wir hier ebenso der allgemeinen Idee in dieser Form der Unwirklichkeit allen Wert zugeschrieben, und die Auflösung des Unterschiedenen…

Hegel: Entwicklung durch Widerspiel

Es ist übrigens nicht schwer, zu sehen, daß unsre Zeit eine Zeit der Geburt und des Übergangs zu einer neuen Periode ist. Der Geist hat mit der bisherigen Welt seines Daseins und Vorstellens gebrochen und steht im Begriffe, es in die Vergangenheit hinab zu versenken, und in der Arbeit seiner Umgestaltung. Zwar ist er nie…

Hegel übers Rechtbehalten

Wenn auch jener Teil, es sei durch die Kraft der Wahrheit allein oder auch durch das Ungestüm des andern, zum Stillschweigen gebracht ist, und wenn er in Ansehung des Grunds der Sache sich überwältigt fühlte, so ist er darum in Ansehung jener Forderungen nicht befriedigt, denn sie sind gerecht, aber nicht erfüllt. Sein Stillschweigen gehört…

Selbstmord – besser als Mord?

Man steht als Mensch ohne Ausnahme vor der Frage, ob man sein Leben “autonom” im eigenen oder “heteronom” im Sinne von etwas führt, das einen bestimmt. Diese Entscheidung muss auf jeden Fall getroffen werden, und zumindest modern drängt sie in die erste Richtung: es gibt nichts Löblicheres, als Herr oder Frau im eigenen Haus zu…

Tinder Rat

Ich würde eine mir unbekannte Person danach beurteilen, wie viele Entscheidungsmöglichkeiten sie hat in ihrem Leben. Je weniger davon zur Verfügung stehen, desto wahrscheinlicher wird Verrat.

Neue Behörden

Ich habe demnächst einen Termin beim Freistaat Bayern, der imgrunde die Schöpfung einer neuen Behörde impliziert. Es wird schon nicht gleich soweit kommen, aber der Gedanke nimmt mich gefangen, welche neuen Behörden man sonst schaffen könnte. Ich würde zum Beispiel die Stiftung Warentest zu einer Behörde ausbauen, deren Ziel die Verbraucheraufklärung ist. Man könnte sich…

Ausgerechnet beim Zahnarzt

Die Frage taucht immer mal auf, ob ich religiös bin. Ich neige zur Antwort, dass ich zögere, ein Gesamturteil übert das Wesen und Werden einer Welt abzugeben, die mich täglich überrascht. Ich interessiere mich wenig für Metaphysik, halte sie irgendwie für neurotisch. Zugleich kommt es mir so vor, wie wenn der Alltag Risse hat, durch…

Am gelassensten zu ihrem Körper stehen Prostituierte

Freilich haben die wenigsten Männer Ahnung, worauf Frauen abfahren (in punkto fand ich Fleabag so herrlich lehrreich). Aber auch umgekehrt zerbrechen sich die Frauen oft den Kopf über das falsche. Ich erinnere mich an die Zeitungsberichte über eine Versicherungs-Betriebsfeier in einem Budapester Schwimmbad mit Prostituierten, die durch Bändchen nach Schönheit eingeteilt waren, und die Schönsten…

Ein Wort vom Häuptling, und jeder macht, was er will . . .

. . . war ein Sprichwort unter den nordamerikanischen Indianern. Aber ist es nicht bei uns, vielleicht sogar überall auf der Welt nicht dasselbe? In meiner Berufslaufbahn habe ich jedenfalls noch keinen Arbeitszusammenhang kennengelernt, der nachvollziehbar vom Kopf her bestimmt war. Um die Macht zu spüren, muss man Fühlung mit dem mittleren Management aufnehmen. Bei…

Sex bedeutet für die Geschlechter je etwas anderes

Die meisten Männer suchen Sex, um sich ihrer Partnerin auf diesem Weg nahe zu fühlen. Das Ziel der Männer ist Innigkeit. Bei Frauen ist es in der Regel andersherum: Innigkeit ist der Weg zur, nicht das Ergebnis der Wollust. Eine Atmosphäre der Intimität und Vertrautheit gipfelt für sie bestenfalls in einem sexuellen Erlebnis, wird also…

Norman E. Borlaug . . .

. . . hat mehr Leben gerettet als je ein anderer in der Geschichte der Menschheit, trotzdem bleibt er unbekannt im Vergleich zu den großen Schlächtern, die noch mehr Menschen getötet haben. Dabei wäre es nicht mal ein Problem, die Geschichtsbücher umzugewichten. Der Vater der grünen Revolution

Rassismus

Die Menschen sind so unterschiedlich wie die Sprachen. Je mehr einer spricht, desto vielfältiger wird seine Person. Wobei ich im Falle von Leute, die sehr viele Sprachen beherrschen, eine bestimmte Entschlusslosigkeit festgestellt habe. Das Sprechen von mehr als einer Sprache gleicht dem Verkehr mit mehr als einem Lebenspartner, fördert Untreue. Die Behauptung, alle Menschen seinen…

Das Buch in dir

Mich erreichen immer wieder Anfragen aus dem Kreis von Regisseuren, Produzenten und weiteren Filmschaffenden: man könnte sich durchaus vorstellen, an der Drehbuchwerkstatt teilzunehmen, deren Programm ich gestalte. Verursacht wird diese Vorstellung von “dem Buch”, das jeder*in von euch in sich herumträgt und nicht schafft zu schreiben, weil sie oder er zuviel um die Ohren hat….

Der unmögliche Wunsch

DIE SEHNSUCHT IST ÜBERWÄLTIGEND, die mir aus den meisten Beiträgen von FB-Freunden entgegenschlägt. Signalisieren hauptsächlich Unzufriedenheit mit der Welt – selbige befinde sich “immer noch nicht” in dem Zustand, den sie haben sollte. Der Ton der Klagen nährt mein Vermuten, dass jene, die sie ausstoßen, mit nichts zufrieden wären, das diese Welt zu liefern hätte….

Wahrheit nach Hegel

Sie ist als Subjekt die reine einfache Negativität, eben dadurch die Entzweiung des Einfachen, oder die entgegensetzende Verdopplung, welche wieder die Negation dieser gleichgültigen Verschiedenheit und ihres Gegensatzes ist; nur diese sich wiederherstellende Gleichheit oder die Reflexion im Anderssein in sich selbst – nicht eine ursprüngliche Einheit als solche, oder unmittelbare als solche, ist das…

Meine Hauptfigur muss lernen dass . . .

. . . ist so ein Satz, den Autor*innen, gefragt nach dem Ziel ihres Protagonisten oder ihrer Protagonistin, oft sagen, wenn diese gewaltsam oder zwanghaft etwas anstreben, dessen Verwirklichung kein Heil verspricht. Dass in diesem Fall etwas “gelernt werden” muss legt nahe, dass die Hauptfigur auf der Suche nach Lösung noch nicht den richtigen Trick…

Geschichtenerzählen nach Hegel

Den besten Storytelling-Rat habe ich noch bei Hegel gelesen, nach seinen Rezepten kann eine Geschichte nicht misslingen. Bloß ist H. erst mal vollkommen unverständlich. Deutet man aber sein Gesagtes, kommt ein Aha heraus. Hier eine entscheidende Stelle aus der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes: „Indem die wahre Gestalt der Wahrheit in die Wissenschaftlichkeit gesetzt wird…

Tränen

Ich kann nie weinen, wenn etwas Trauriges passiert, schon als Kind nicht. Kommt mir so vor, als würde den Ursachen dadurch zuviel Ehre gezollt. Hingegen kommen mir öfters Tränen bei großem Glück, im Leben oder in Filmen oder Romanen. Letztesmal spontan geweint hatte ich bei folgender Stelle aus Ilyés Puszta: Unsere Popularität wurde stark durch…

Bridezillas

Serie über normale, freundliche Frauen, die am Tag ihrer Hochzeit den Kopf verlieren, aber nicht die Frauen in den Dreck zieht, sondern eher all jene, die zu kühl bleiben.

Man kann nur auf eine Philosophie einsteigen, die man von vornherein für richtig hält

Der lebendige Geist, der in einer Philosophie wohnt, verlangt, um sich zu enthüllen, durch einen verwandten Geist geboren zu werden. Er streift vor dem geschichtlichen Benehmen, das aus irgendeinem Interesse auf Kenntnisse von Meinungen auszieht, als ein fremdes Phänomen vorüber und offenbart sein Inneres nicht. Es kann ihm gleichgültig sein, daß er dazu dienen muß,…

Phänomenologie des Bewußtseins

Hegel nennt sein Buch erst Wissenschaft der Erfahrung des Bewußtseins. Damit ist Bewußtsein nicht phänomenologisch, sondern als Weise des Erfahrens gemeint. Nicht, wie ich mein oder Bewußtsein schlechthin zum Gegenstand mache, sondern wie es mich subjektiv (widerständig) in einen Verlauf bindet. Wissenschaft der Erfahrung der Zögerns – dieses nicht der Inhalt, sondern die Form meines…

Kann ich die Neigung zum Diebstahl aus Facebook-Profilen lesen?

Klauen wird in erster Linie eine Person, die sich dazu berechtigt fühlt, irgendeinen Anspruch auf Ausgleich hegt. Ich denke da etwa an eine Arbeitskraft in der Altenpflege, die einer diskriminierten Minderheit angehört, sich für ihre Arbeit zu schlecht bezahlt vorkommt und teuren Käse stiehlt in Supermärkten, weil sie sich dazu irgendwie berechtigt fühlt. Auch Scheidungskinder…

Ferrero Hegel

Zunächst eine Stelle aus der Vorrede Hegels zu seiner Phänomenologie des Geistes: Denn die Sache ist nicht in ihrem Zwecke erschöpft, sondern in ihrer Ausführung, noch ist das Resultat das wirkliche Ganze, sondern es zusammen mit seinem Werden; der Zweck für sich ist das unlebendige Allgemeine, wie die Tendenz das bloße Treiben, das seiner Wirklichkeit…

Von Milch, Reiselust und Zombies

Der Todestrieb im Menschen, ergänzt um die Fähigkeit, über das Säuglingsstadium hinaus von Milch zu leben, hat uns an den Rand der Klimakatastophe gebracht. Es gibt etwas Ruheloses am Boden unserer Existenz, das zusammengefasst erscheint im Sinnbild des Untoten. Ein Zombie lebt weiter ohne lebendigen Körper, kann daher keine Funktion desselbe sein. Er versinnbildlicht eine…

Das Wesen der Magersucht oder der Todestrieb Slavoj Žižeks

Gemütlich erscheint das vorbewusste Streben, fort und fort zu bestehen, in jener Idee, die Trieb heißt. Da nun von allem, was uns bewusst ist, sein Gegenteil vorstellbar sein muss, zerfällt auch der Trieb in die Gegensätze Lebens- und Todestrieb. Diese widersprechen sich nicht, sondern sind begriffliche Kehrseiten derselben organischen Bewegung, welche in ihnen protoideologisch wirkt….

Neue Welt

Apocalypse ohne Zombies – die Besitzverhältnisse sind ungeklärt, und die 10% der Menschheit, die überleben, können die Ressourcen neu unter sich verteilen. Wenn 10% überleben, muss die Ordnung nicht zusammenbrechen, im Gegenteil wird vieles möglich, was zuvor verhidnert wurde.

Abtreibung . . .

. . . stürzt mich als Thema in ein Dilemma, da ich garantiert abgetrieben worden wäre, wenn dies zur Zeit meiner Geburt so einfach gewesen wäre wie heute. Mein Vater, Gott habe ihn selig, wollte unbedingt eine Abtreibung, und für meine Mutter war meine Geburt ein schweres Karriere-Hindernis. Ich mache meinen Eltern deswegen keine Vorwürfe,…

Welche Farbe haben meine Augen?

Diese Frage können nur Leute stellen, die es für ein Kompliment halten würden, von jemand zu hören: „Die unterhaltsamste Fläche der Erde ist für mich die deines Gesichtes.“ Der Mensch ist sein Körper, zusammengefasst in seinem Gesicht und dieses wiederum zusammengefasst in seinen Augen, in deren Ausdruck, nicht in der Farbe. Wer diese bemerkt, gleicht…

König Drosselbart

Tinder-Dates – pro Folge ein neues . . . Dabei etwas mehr die Tiefen auskosten, die jeder Mensch zu bieten hat.

Im Buschtaxi durch Madagaskar

Steppengras silberweich im Mondlicht, am Horizont die Riesenschatten kahler Felsenberge unter dem Glitzersand der Sterne, zwei Minibusse schräg am Pistenrand, Insassen vertreten sich die Beine. Eine Safari-Gruppe? Mit Kleinkindern? Um Mitternacht? Nein, wir befinden uns auf der Ost-Südwest-Magistrale Madagaskars, und hier pausiert gerade der Überland-Dienst. Die Bundesstraßen der roten Rieseninsel sind oft Pisten, kaum passierbar….

Kabul – wo die internationale Gemeinschaft wohnt

Einmal wöchentlich verkehrt die staatliche Airline Ariana zwischen Frankfurt und Kabul – die einzige Interkontinental-Verbindung nach Afghanistan. Das Visum des afghanischen Generalkonsulates im Pass, kann man los fliegen mit einer bunten Truppe, die sich allwöchentlich im Untergeschoss des Frankfurter Flughafens vor dem Ariana-Schalter drängelt. Ihre Maschine, ein von Indien geschenkter Airbus, wartet weiter draußen auf…

Die Kakao-Inseln

São Tomé und Príncipe im Atlantischen Ozean unterhalb Nigerias gehört zu den kleinsten Staaten der Welt, bis jetzt vom Tourismus noch völlig unberührt Aller Kakao dieser Welt kam einmal hierher – vom Äquator, wo Anfang des Jahrhunderts während einer Sonnenfinsternis Einsteins E=mc2 bewiesen wurde, und heute „Honnecker“ zu Hause ist am einzig echten Barcadi-Strand: im…

Das Florida Europas

Es gibt eine EU-Gegend, die 12 Monate jährlich in der Sonne liegt und nicht Kanarische Inseln heißt: das französische Übersee-Departement Le Réunion vor Madagaskar im Indischen Ozean Nach Mauritius setzt man im Fährboot über, die Seychellen liegen in Kurzflugnähe – trotzdem akzeptieren die Geldautomaten hier EC-Karten, wird für die Einreise kein Pass benötigt – mitten…