Aktualität im Dichten

Was der beginnende Journalist, wenn er die Feder zum erstenmal in Tinte getaucht hat, unter der Einflüsterung seiner Straßenmuse sofort zu Papier bringt, das vermag der junge Dichter nur sehr schwer auf seiner Laute zum Erklingen zu bringen: das Aktuelle. Die jungen Dichter nehmen stets eine hochgestimmte, aber nach dem Gehör der vorangegangenen Zeit gestimmte Laute zur Hand. Die Dichtung ist die älteste Kunstgattung, sie ist von der längsten Tradition belastet. Auch die kühnste Neuerung ist hier nur dank der Tradition neu. Nirgendwo tritt das Neue so despotisch auf, nirgendwo will es so langlebig sein. Nichts ist schwieriger in ein Gedicht zu übertragen als das, was Lehrlinge und Kutscher schon auf den Lippen haben, was sie aber nur pfeifen können. Gyula Ilyés PETÖFI

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