In einer dunklen Nächte

In einer dunklen Nächte,
Als Liebesangst beflammend mich durchwerkt,
(Oh Fall von Glücksgeschlechte!)
Entkam ich, allen unbemerkt,
Da schon mein Haus die Still‘ und Ruh‘ verstärkt.

Im Dunkeln, doch statt sicher,
Die Treppen war’n geheim und ich verkleid’t,
(Oh Fall von Glückesbücher!)
Das Finstre gab Verhohlenheit,
Da schon mein Haus gestillt zu dieser Zeit.

In jener Nacht voll Segen,
In dem geheim, da keiner mich erblickt,
Noch ich was sah bewegen,
Da alles Licht und all’s entrückt,
Ohn‘ das im Herz auslodernd mich beglückt.

[. . .]

Das Bett ist ganz durchblümet,
Mit Löwen ist behöhlet rings sein Ring!
Bepurpurt, als geziehmet,
Im Fried‘ erbaut, voll Wunderding!
Je tausend Schild‘ von Gold warn hier gering.

Aus Blumen und Gesteinen,
Die höchster früh erlesen aller Art,
Lass uns die Kränze feinen!
Sie blüh’n in Lieb‘ aus dir gepaart:
Dies ein’ge Haar hat sie sehr fest bewahrt.

Zu Felses Höhlen Höhen
Eil’n wir zugleich still zum Granatmost ein.
Des Feindes sein Vergehen
Entlägert uns. Das Feld ist rein.
Der Wasser Schall macht alles mein und dein.

 

Quirinus Kuhlmann

(Der einzige mir bekannte Dichter, der auf dem Scheiterhaufen endete. Die Beschreibung seines Todes in Arnolds Kirchen- und Ketzerhistorie brennt und raucht im Leser nach. Könnte sein, dass Kuhlmann sich noch als der bedeutendste Dichter Deutschlands herausstellt, auch unserer Zeit voraus.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.