Mit der Hand geschrieben

Ich komme von der Arbeit nach Haus, da tritt ein junger Mann auf mich zu. Unverschämt erkundigt er sich nach den Umständen meines Lebens, doch bald finde ich Gefallen an meinem Gerede. Wir kommen auf die Leute zu sprechen. Ich gebe ihm meine präzise Definition meiner Freunde und Bekannten. Z. B. Frau K., die jeden Tag den Balkon fünfmal putzt und hinter dem Schlüsselloch lauert, ob jemand Schmutz im Treppenhaus hinterlässt. B., der mich ständig mit seiner Meinung über Dinge belästigt, die ich nicht hören will, und meine Gedichte nicht versteht. H., die den ganzen Tag nur frisst und immer vom Abnehmen redet. D., der nur seinen Hund liebt und mit ihm ins Bett geht. E., der mich mit seinen Plattheiten in Gesellschaft in Verlegenheit bringt. F., die sich ständig für ihr Alter entschuldigt, dass es einem auf den Wecker geht. G., der ein Toupet trägt und sich unwiderstehlich vorkommt. J., die immer aus dem Mund stinkt. I., er gibt mit seiner Säuferleber an. J., die mit Timothy Laery die Welt erklärt heute und mit Meher Baber morgen. K., der ihr dabei immer zunickt, wobei er nur auf ihr Becken guckt. L., die Cembalo spielt und an die sich kein Mann wagt. M., der so klug ist, dass ihn niemand versteht. N., die glaubt, ihre Kinder im Kot spielen lassen zu müssen. O., der bei seiner Beföderung 5.000 DM für wildfremde Menschen ausgab. P., die jedem von ihrer Vergewaltigung erzählt. Q., der sich besser vorkommt als alle. R., die jeden Tag in die Sonntagsmesse geht, weil sie in den Prediger verliebt ist. L., dem ein Selbstmordversuch nach dem anderen missglückt. T., der einen mit seiner elenden guten Laune belästigt. U., die immer mehr ihrem Pferd gleicht. V., der nur von seiner Frau spricht. W., die „Proust“ durchgelesen hat. H., die immer droht, Gesichter mit ihren langen Fingernägeln zu zerkratzen. Y., der mir immer eine und dieselbe Platte vorspielt. Z., die mich um Geld und Vermögen gebracht hat.

„Doch, was willst das alles wissen?“ fragre ich den Mann.

„Sie sind alle tot, das wollte ich dir sagen. Mit jedem Satz hast du einen von ihnen umgebracht. Gehe also in Zukunft vorsichtiger mit deinen Worten um, denn du bist mächtiger, als du ahnst.“

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