Gegen totale Demokratie – Hegels radikales Plädoyer für den Monarchen

Dieses „Ich will“ macht den großen Unterschied der alten und modernen Welt aus, schreibt Hegel in den GRUNDLINIEN DER PHILOSOPHIE DES RECHTS (449) und so muss es in dem großen Gebäude des Staates seine eigentümliche Existenz haben. Leider aber wird die Bestimmung nur als äußere und beliebige angesehen.

„Ich will“ steht hier für den Monarchen, dessen Worte der Volksherrschaft Hohn sprechen. Ein solches – verkehrtes – Moment muss jeder Zusammenhang einbegreifen, meint Hegel, um sich zu behaupten, im Falle der Demokratie: den Faschismus abzuwehren. Die Vorstellung verdankt sich Hegels Ontologie, welche am Grunde alles Seins nicht diese oder jene Sache sieht, sondern den Widerspruch als Spannung zwischen Bestandteilen, die einander ausschlagen: Alle Dinge sind an sich selbst widersprechend. WISSENSCHAFT DER LOGIK II, 74

Daher das Begehren. Nach Freiheit. Sehnsucht entspringt jedem Schritt als Dringen auf sein Gegenteil – um durch die Spannung zwischen beiden sich erst zu vervollständigen.

So braucht auch die moderne Demokratie eine ihr trotzende Zutat in Art des Monarchen, um sich zu behaupten. Andernfalls schlägt sie früher oder später um in Faschismus. Diesen Pfad will Hegels politische Philosophie versperren.

Die parlamentarische Demokratie versteht sich als Mittel, niemanden von der Vertretung seiner Interessen auszuschließen. Um aber etwas mitzubekommen, muss klar sein, was es heißt, seiner auch nicht teilhaftig zu werden. Die Vorstellung der Demokratie heischt mit anderen Worten nach ihrem Gegenteil, um vollständig zu werden – durch jenen Widerspruch, der ihr den letzten Schliff gibt.

Hegel führt hierfür ins Feld: den Monarchen. Es kann aber auch jeder andere Inhalt sein, der dieselbe Funktion – anti-demokratisch zu wirken – erfüllt. Ohne so einen institutionalisierten Skandal droht die Sehnsucht nach Vervollständigung durch Widerspruch jede Demokratie in Faschismus zu verwandeln.

Der Reiz oder die Heimtücke des Faschismus besteht darin, den Widerspruch nicht nur auszudrücken, sondern ihn zusätzlich in Gegnerschaft zu verwandeln. Es werden irgendwelche Feinde als seine Repräsentanten bestimmt und niedergemacht. Die ad hominem-Argumentation ist das Erkennungszeichen des faschistischen Vormarschs.

Begegnet werden kann ihm nur durch den Einbau des Widerspruchs in jedes System, welches mit einer Grundspannung versorgt werden muss, um zu überleben. Es sind, so gesehen, die Momente ihres Misserfolgs, welche die Demokratie als ganzes retten.

Die Institutionalisierung des Widerspruchs ist das Bollwerk der modernen Gesellschaft gegen den Faschismus. Wenn die Widersprüche verschwinden und alles in soziale Harmonie übergeht, erscheint der Faschistenführer, um den Widerspruch zu personalisieren im persönlichen Feind. Diesen Pfad will Hegels politische Philosophie versperren.

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Was könnte die Rolle des Monarchen in modernen Demokratien übernehmen? Was wäre anti-demokratisch? Zum Beispiel ein gewisses Ausmaß der institutionalisierten Korruption, also etwa der erlaubte Stimmenkauf, jedoch nur mit Hilfe von Steuermitteln. Oder: Die Stimme eines Abgeordneten zählt an seinem Geburtstag das 10-fache. Oder: Bestimmte Sitze im Parlament sind reserviert für Vorbestrafte.

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