Geschichtenerzählen nach Hegel

Den besten Storytelling-Rat habe ich noch bei Hegel gelesen, nach seinen Rezepten kann eine Geschichte nicht misslingen.


Bloß ist H. erst mal vollkommen unverständlich. Deutet man aber sein Gesagtes, kommt ein Aha heraus.


Hier eine entscheidende Stelle aus der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes: „Indem die wahre Gestalt der Wahrheit in die Wissenschaftlichkeit gesetzt wird – oder, was dasselbe ist, indem die Wahrheit behauptet wird, an dem Begriffe allein das Element ihrer Existenz zu haben -, so weiß ich, daß dies im Widerspruch mit einer Vorstellung und deren Folgen zu stehen scheint, welche eine so große Anmaßung als Ausbreitung in der Überzeugung des Zeitalters hat.“


Soll wohl heißen, dass die letzte Wahrheit darin besteht, alles irgendwie Vorkommende als die Entfaltung eines Begriffes in seine Besonderheiten aufzufassen. Immer noch ein bisschen rätselhaft. Wahrscheinlich ist gemeint, dass bei einem Geschehen erst dessen tieferer Sinn uns gefangen nimmt.


Hegel weiter: „Wenn nämlich das Wahre nur in demjenigen oder vielmehr nur als dasjenige existiert, was bald Anschauung, bald unmittelbares Wissen des Absoluten, Religion, das Sein – nicht im Zentrum der göttlichen Liebe, sondern das Sein desselben selbst – genannt wird, so wird von da aus zugleich für die Darstellung der Philosophie vielmehr das Gegenteil der Form des Begriffs gefordert.“


Also: Wer Wahrheit allein unmittelbar gelten lässt, überträgt nicht nur religiöses auf philosophisches Merken, sondern fordert das Gegenteil einer Ausgestaltung von Bedeutung. Auch noch zu rätselhaft. Wahrscheinlich soll gesagt sein, dass ein tieferer Sinn nicht unmittelbar, sondern erst durch Nachdenken zustande kommt. Es reicht nicht, eine Sache zu sagen oder zu zeigen, sondern man muss eine größere Menge an Material zusammenbringen und ordnen, um tieferen Sinn zu erleben. Man wird des Witzes eines Krimis nicht dadurch inne, dass man die letzten 10 Seiten liest, obwohl in ihnen der Täter entlarvt wird.


Weiter Hegel: „Das Absolute soll nicht begriffen, sondern gefühlt und angeschaut, nicht sein Begriff, sondern sein Gefühl und Anschauung sollen das Wort führen und ausgesprochen werden.“


Das, worauf es ankommt, soll mit anderen Worten nicht erst durchstiegen werden müssen, sondern spontan ins Auge springen, und nicht sein Zusammenhang, sondern seine Anmut sollen ausgesprochen werden. Diese Auffassung hält Hegel für falsch. Er lehnt mit anderen Worten das Bauchgefühl ab als Quelle tieferer Bedeutung. Diese entspränge vielmehr der Weise, in welcher etliche Dinge zusammenkommen oder die unterschiedlichsten Momente einer Geschichte sich aufeinander beziehen.

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