Kann ich die Neigung zum Diebstahl aus Facebook-Profilen lesen?

Klauen wird in erster Linie eine Person, die sich dazu berechtigt fühlt, irgendeinen Anspruch auf Ausgleich hegt. Ich denke da etwa an eine Arbeitskraft in der Altenpflege, die einer diskriminierten Minderheit angehört, sich für ihre Arbeit zu schlecht bezahlt vorkommt und teuren Käse stiehlt in Supermärkten, weil sie sich dazu irgendwie berechtigt fühlt. Auch Scheidungskinder oder solche, die zu früh ihre Eltern verloren, neigen wohl eher zum Diebstahl als solche, die, wenn sie sich mit anderen vergleichen, weniger schlecht abschneiden.

FB-Profile erzeugen Meldungsströme, die man nach diesen oder jenen Kriterien vermessen und für Vorhersagen nutzen kann. Da möchte sich hinter Profilen, welche hauptsächlich Mangel signalisieren oder anprangern, eher ein Dieb verbergen als hinter anderen Fassaden, beispielsweise des Wichtigtuns. Könnte mir sogar vorstellen, dass die FB-Soziologen dergl. längst wissen und über entsprechende Einschätzungen verfügen.

Im eigenen Fall war mir im letzten Jahr übrigens aufgefallen, als ich anfing mit dem Intervallfasten, dass ich als erstes zunahm. Weil ich in dem Zeitraum, in welchem Essen erlaubt war, mehr aß, als vorher über den ganzen Tag verteilt. Wie wenn ich – durch das Fasten – eine Lizenz zum Fressen erworben hätte (Ramadan-Effekt). Ähnlich, las ich neulich, ist es mit dem Gut-Tun: Wer irgendein moralisches Opfer gebracht, also z. B. für eine lobenswerte Sache gespendet hat, fühlt sich hinterher berechtigt, einen Ausgleich zu kassieren. Je höher die Summe der Spenden, welche in einer Steuererklärung angeführt werden, desto wahrscheinlicher, dass in anderer Hinsicht betrogen wird. Schon eine einzige Spende rechtfertigt den Verdacht.

Es ist ja eine alte Unterstellung der Rechten, dass die Tugendsignale der Linken Verbrechen vorbereiten. Begehen also Rechte weniger Ladendiebstahl infolgedessen?

Ich denke eher, es könnte so sein, dass Angeber weniger stehlen und auch großzügiger sind (mehr Mitleid zeigen) als Moralapostel. Eine Frau wäre dann z. B. besser dran, wenn sie einen Prahlhans heiratete als einen Feministen.

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