Wie ich zu meiner privaten Jugendstil-Sauna gekommen bin.

Wenn Sauna, Schapps oder Teer nicht helfen, sagen die Finnen, ist die Krankheit tödlich. Da habe ich mir lieber vor 10 Jahren angewöhnt, alle 7 Tage in die Saune zu gehen: drei mal 15 Minuten bei 90 Grad. Danach Untertauchen in Kaltwasserbecken. Was ich lange in meinem Leben glaubte, nicht überleben zu können. Als ich es das erste Mal versuchte (an einem Ort in Hessen, dessen Existenz aus Gründen, die nicht hier her gehören, geheim bleiben muss), war es auch wirklich ein kleiner Tod. Ich habe ich mich bis heute noch nicht daran gewöhnt und betrachte es seit einiger Zeit als Vorbereitung auf den finalen Sprung aus dieser Welt. Der Held des Glasperlenspiels findet auf diese Art ins Jenseits. Die schönste literarische Sauna-Episode aber gibt es in Schwedens letztem großem Roman vor der Krimi-Seuche: Populärmusik aus Vittula (den es sich allein wegen dieser einen Szene zu lesen lohnt). In München gewöhnte ich mich ans Saunieren im Hallenbad von Giesing-Harlaching, das seinen Schwitzbereich aber schloss, als die Erlebnislandschaften in Mode kamen. Die schönste Münchener Sauna liegt seitdem am Zen-Garten des Forstenrieder Bades. Wenn ich aber meine Ruhe haben will, gehe ich ins Volksbad. Nicht einmal Budapest bringt einen solchen Mix aus Römischer Therme, Hamam, barokem Sakralbau und Moschee zustande, zusammengehalten von Jugendstilelementen. Die Sauna liegt im Bereich des Dampfbades, in dem schon ein italienischer Horrorstreifen und weitere „berühmte Spielfilme“ gedreht wurden wegen des Kulissen-Charakters dieses Ensembles. Es gibt sogar Schlafkabinen, und im Sommer kann man ohne Aufpreis den ganzen Tag vor Ort verbringen. In Gesellschaft nur weniger Besucher. An manchen Vormittagen bin ich der einzige und freue mich über jeden Besuch in meiner privaten Sauna.

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