Deleuzes Film-Philosophie

Deleuze liefert keinen Leitfaden für spannende Geschichten, da er Konfliktscheu predigt. Die unhinterfragte Grundannahme von Deleuzes Philosophie besteht in der Vorrangigkeit des Unterschieds: die Welt begegnet uns zuerst nicht als dieser oder jener Gegenstand, sondern als Vielfalt, bewegt und vermehrt von einer lebensfreundlichen Kraft. Konflikt ist die Folge einer äußeren Störung dieses Überschwangs, nicht seiner inneren Unruhe. Deleuze scheint irgendwie blind für die Allgegenwart von Konflikt. Da er nur Unterschiede ernst nimmt, gelingt ihm nicht zu erklären, wieso das, was sie differenzieren, einander bedrängt. Seine nuancierte Gesamtheit hat im Fall von Konflikten einfach nur Pech, da sie selbst nichts kann für dieselben. Deleuze rechtfertigt sein Primat der Vielfalt aus dem Wesen der Sinnlichkeit: wir bemerken als erstes nicht Gegenstände, sondern Unterschiede; sie unmittelbar wahrnehmend, erfahren wir keine Konflikte. Aber wie ist es mit optischen Täuschungen? Ist unsere unmittelbare Wahrnehmung am Ende „ideologisch“, indem sie ein notwendig falsches Bewusstsein der Wirklichkeit erzeugt? Muss sie mit anderen Worten durch Begriffe geklärt werden, damit wir uns nicht länger täuschen? So könnte etwa ein Blick entstehen dafür, dass alles, was sich unterscheidet, in Widerspruch zu sich selbst gerät infolgedessen, da es sterben muss – was sich dann so belebend wie zerstörerisch auswirkt usf. Damit wären wir angelangt bei der (üblichen) Spannungsdramaturgie, die Deleuzes Vorstellung vom Wesen des Filmes so sehr widerspricht wie er ihr.

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