Gogol „Brief an die Zarin“

ACH, IHR ALTEN ZEITEN! Welch eine Freude, welch eine Lust dringt ins Herz, wenn man hört, was vor langer, langer Zeit, deren Jahr und Monat niemand angeben kann, in der Welt geschah! Wenn aber irgendein Verwandter, ein Großvater oder Urgroßvater, in die Geschichte verwickelt ist, so ist es aus: mag mir der Lobgesang auf die heilige Märtyrerin Warwarain der Kehle steckenbleiben, wenn es mir nicht so vorkommt, als handle die Geschichte von mir, als wäre ich in die Seele des Urgroßvaters hineingekrochen, oder als ob die Seele des Urgroßvaters in mir spukte.

Das Ärgste sind aber für mich sind unsere Mädchen und jungen Weiber; kaum komme ich ihnen vor die Augen, fangen sie schon an: “Foma Grigorjewitsch, Foma Grigorjewitsch! Bitte ein Märchen! Aber gruselig muss es sein! Bitte, bitte! …” Taratata, taratata, und es geht los … Ich erzähle ihnen gern so ein Märchen, aber seht mal, was nachher mit ihnen im Bette los ist. Ich weiß ja, daß jede unter ihrer Decke zittert, wie wenn sie Schüttelfrost hätte, und sich mit dem Kopf unter den Pelz verkriechen möchte. Wenn nur eine Ratte am Topf scharrt oder sie selbst mit dem Fuße einen Schürhaken streift – gleich fällt ihr, Gott bewahre, das Herz in die Fersen.

Am nächsten Tage aber bestürmt sie einen wieder, als ob nichts geschehen wäre: man soll ihr ein gruseliges Märchen erzählen, und basta. Was soll ich euch erzählen? Manchmal fällt auch mir auch nichts ein . . . Gut, ich erzähle euch, wie die Hexen mit meinem seligen Großvater Schafskopf gespielt haben. Aber ich bitte euch im voraus, meine Herrschaften, bringt mich nicht aus dem Konzept, sonst gibt es einen Brei, dass man sich schämen muß, ihn in den Mund zu nehmen.

Ah, the old days, the old days! What joy, what gladness it brings to the heart when one hears of what was done in the world so long, long ago, that the year and the month are forgotten. And when some kinsman of one’s own is mixed up in it, a grandfather or great grandfather – then I’m done for: May I choke while praying on St. Vavara if I don’t think I’m doing it all myself, as though I had crept into my great-grandfather’s soul…

But then, our girls and young women are to blame for plaguing me; if I only let them catch a glimpse of me, it’s “Forma Grigorievich!  Forma Grigorievich!  Come now, some terrible tale! Come now, come now…!” Tara-ta-ta, ta-ta-ta and they keep on and on… I don’t grudge telling them a story, of course, but you should see what happens to them when they are in bed. Why, I know every one of them is trembling under the quilt as though they were in a fever and would be glad to creep under her sheepskin, head and all. If a rat scratches against a pot, or she herself touches the poker with her foot – it’s “Lord preserve us!” and her heart’s in her heels.

But it’s all over the next day; she’ll pester me again to tell her a frightening story, and that’s how it goes. Well, what am I to tell you? Nothing comes into my mind for the minute… oh yes, I’ll tell you how the witches played cards with my grandfather. But I must beg you first, good friends, not to interrupt me or I will make a hash of it not fit to put on one’s lips.

 

 

 

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