Spinozas Gefühle

Spinoza spekuliert, jeder von uns brauche Energie, um zu überleben, und macht das menschliche Wesen in der Kraft ausfindig, über welche es verfügt.

Das ist neu und originell, man liest schnell darüber hinweg. Unser Wesen besteht m. a. W. (nach Spinoza) nicht darin, dass wir denken oder eine Seele haben, sondern dass wir geladen sind. 

Demzufolge bestimmt Spinoza nur zwei Emotionen: Freude und Trauer – die eine setzt Kraft um, die andere verdrückt sie.

Alle weiteren Gefühle sind für Spinoza Freude oder Trauer, verknüpft mit irgendwelchen Vorstellungen von Gegenständen, die sie verursachen. Liebe oder Hass z. B. sind Freude beziehungsweise Trauer in Zusammenhang mit vorgestellten Ursachen derselben. Weswegen Gefühle auch weniger mit der Wirklichkeit als mit dem Reim zu tun haben, welche man sich auf dieselbe macht (indem beispielsweise eine Person, welche ich liebe, eher Trauer als Freude bedingt).

Freude oder Trauer können ferner, meint Spinoza, aktive oder passive Gefühle sein, indem wir ihre Ursachen verstehen oder verkennen. Wir sind als Fühlende deswegen entweder im Bilde oder blöd. Im Bilde: Wir erkennen die Ursache unseres Gemütszustandes. Blöd: Wir lassen Freude oder Trauer über uns ergehen. Die Ursachen zu verstehen bedeutet nach Spinoza eine Steigerung: Stimmung hört auf, nur gefühlt zu sein, sobald sie die genaue Vorstellung ihrer Ursachen begleitet. Selbst schmerzliche Gefühle wie Verzweiflung oder Kummer können daher einen Zuwachs an Kraft – somit Freude – bedeuten in dem Maße, in dem ihre Ursachen richtig vorgestellt werden. Denn Verstehen vergrößert, unabhängig von seinem Inhalt, meinte Spinoza, die Freude.

Damit hat er die Haupt-Punkte Goethes, wohl auch Nietzsches vorweggenommen, eigentlich noch die Psychoanalyse begründet. Seine Glücksrezepte sind bis heute nicht überholt.

 

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