Felix Culpa

„So braucht der Christ Ironie, um den Teufel zu züchtigen“, lese ich gerade bei Hamann, ein merkwürdiger deutscher Autor und Freund Immanuel Kants, der sich Sorgen um dessen Seelenheil machte, während dieser Hamann für unbedacht hielt. Hamann fasste Gott als einen Ironiker auf, der sich „sabbernd“ seiner Schöpfung nähert, um, so maskiert, diese zu sich empor zu ziehen. Man muss sich Jesus dazu wie Slavoj Žižek oder besser noch Jim Carrey in diesem Video-Clip hier vorstellen. „Denn es steht geschrieben: ‚Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.‘ Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weltweisen? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn dieweil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben“ erläutert Paulus in seinem 1. Korinther-Brief. Es soll m. a. W. das Kaputte sein, durch welches sich das Ganze mitteilt. Der 2. Korinther-Brief ergänzt: „Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“ = gerade, was perfekt ist, musste sich runtermachen, Gott den Foltertod sterben, damit wir „dadurch teilhaftig werde[n] der göttlichen Natur“, wie es schließlich im Petrus-Brief heißt. – „Aber ja!“ schreibt später Kafka im SCHLOSS. „Es gibt unendlich viel Hoffnung. Nur nicht für uns.“ – Angesichts solcher Ironie scheint mir der ISLAM, was er ohnehin gerne für sich in Anspruch nimmt, eine gescheite Religion und Mutter der Wissenschaften. Auch die Philosophen der Aufklärung, selbst Hegel und Goethe schätzten den Islam als die vernünftigere Religion, während Hamann, der Sohn eines Bademeisters, der den Koran auf Arabisch las, gerade das Törichte des Christentums als Bastion gegen die Verzweiflung apostrophierte, welche redliches (begriffliches) Wissen produziert. Originell finde ich dabei Hamanns Betonung, Gott teile sich uns durch die Sinnesorgane, nicht die Vernunft mit, welche aus dem Material ersterer alles Mögliche herstelle, ohne eigene Inhalte zu schöpfen. Gott läge dann im Geschmack von Kaffee, einem Lufthauch auf der Haut oder einem natürlichen Geräusch und wäre freilich „dümmer“ als die Menschen. – Hamann war ein Wegbereiter des Sturm und Drang, als dessen Prophet er bezeichnet worden ist, und der Romantik. Er beeinflusste Herder, Jacobi, Goethe, Hegel und Schelling. Søren Kierkegaard studierte Hamanns Schriften intensiv und entwickelte aus Motiven, die er bei Hamann fand, seine eigene Philosophie. Auch Herta Müller scheint stark von Hamann beeinflusst.

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